China fliegt zum Mond Der Jadehase auf staubiger Mission

Ferngesteuert und mit Solarenergie angetrieben kurvt das Vehikel über den Mond. Foto: CNSA

Jahrzehntelang hatten Russen und Amerikaner im All die Nase vorn. Am Samstag stößt China zu dem exklusiven Club. Vorausgesetzt die Landung des Mondmobils gelingt.

Peking - Ein Misserfolg ist nicht vorgesehen. Die Chinesen wollen jubeln, wenn der Jadehase morgen sanft auf der Mondoberfläche aufsetzt. Doch die Geschichte der Raumfahrt zeigt, dass Fehlschläge immer einzukalkulieren sind. Erst vor wenigen Tagen mussten die Raumfahrtpioniere aus dem Reich der Mitte die leidvolle Erfahrung machen. Ein Satellit aus einer Zusammenarbeit mit den Brasilianern stürzte zurück zur Erde und zerschellte, weil die Rakete vom Typ Langer Marsch versagt hatte.

Damit Yutu dieses Schicksal erspart bleibt, schwebt das Raumschiff zunächst in einer Höhe von etwa 100 Metern über der Mondoberfläche und hält Ausschau nach einem geeigneten Landeplatz. Erst dann beginnt das eigentliche Manöver zum Mond.

Danach fährt Yutu los, ferngesteuert von der Erde aus. Mindestens drei Monate lang erkundet der Jadehase den staubigen Himmelskörper. Dabei hat es das rollende Karnickel, ganz anders als seine tierischen Kollegen, nicht eilig. Mit maximal 200 Metern pro Stunde zuckelt das 140 Kilogramm schwere Gefährt über den Mond und gräbt nach Rohstoffen. Yutu soll keine Eintags­fliege bei der Eroberung des Mondes sein. Weitere Flüge sind fest vorgesehen. Bis 2017, spätestens aber bis 2020, sollen Gesteinsproben zur Erde transportiert werden. Um die Mitte des nächsten Jahrzehnts könnte dann wieder ein Mensch den Mond betreten. Geht es nach den Chinesen, kann dies nur ein Taikonaut sein, so die Bezeichnung für Raumfahrer.

Bei beiden Vorhaben geht es nur vordergründig um nationales Prestige. Das Riesenreich hat handfeste ökonomische Ziele im Auge. „Jeder weiß, dass fossile Brennstoffe wie Gas und Kohle eines Tages aufgebraucht sein werden“, sagt Ouyang ­Ziyan, Chef des chinesischen Mondprogramms.

China schielt auf die Helium-Bestände des Mondes

Viele Wissenschaftler sehen in Helium 3 den Energielieferanten der Zukunft. Das Edelgas ist auf der Erde sehr selten. Im ­Gestein des Erdtrabanten lagern eine ­Million Tonnen des wertvollen Materials. Mehr als genug, um Fusionsreaktoren zu befeuern, die in Zukunft saubere Energie produzieren sollen. China will bei der Ausbeutung der Rohstoffe auf dem Mond vorneweg marschieren – und den konkurrierenden ­Nationen eine lange Nase zeigen.

Zu denen auch Europa zählt. Der Staatenverbund gerät mit jeder erfolgreichen Mission der Chinesen immer mehr ins Hintertreffen. So ist eine geplante Exkursion der Europäer zum Mond Ende 2012 gestoppt worden. Der Lunar Lander sollte in wenigen Jahren am Südpol des Erdtrabanten ankommen und dort nach Wasser und Eis forschen. Mit 500 Millionen Euro war das Projekt taxiert. Zu viel, befanden die Briten, Franzosen und Italiener. Für die Deutschen allein wäre es zu teuer gekommen.

Solche Probleme kennt man in China nicht. Für die Raumfahrt ist offenkundig immer noch genug Geld vorhanden. Obwohl die Wirtschaft nicht mehr so brummt wie früher. Die Begeisterung der Menschen für die Leistung der Raketenbauer hält ebenfalls an. Als es um die Namensgebung für das Mondmobil der aktuellen Mission ging, ­beteiligten sich Hunderttausende an einer Online-Umfrage. Yutu, auf Deutsch eben Jadehase, erhielt den Zuschlag. Das Raumschiff für den Flug wurde Chang’e 3 getauft – nach der chinesischen Mondfee. Der Legende nach sitzt der Hase gemeinsam mit der Fee auf dem Erdtrabanten.

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