Corona und #stayathome Experte: Wie Familien den Lagerkoller vermeiden können

Es gibt ein paar Tricks, wie man Kinder auch daheim bei Laune halten kann. Foto: Jelleke Vanooteghem/Unsplash

Fünf Wochen können so lange sein. Fünf Wochen mit Kindern daheim, ohne Schule oder Kita, ohne Freunde, ohne Spielplatz oder Schwimmbad als Ablenkung. Eine echte Belastungsprobe für alle Familien. Ralf Schmitz, bundesweit gefragter Experte der Sicher-Stark-Initiative in Sachen Gewaltprävention an Grundschulen, weiß, wie wichtig gerade in scheinbar ungeregelten Zeiten ein geregelter Tagesablauf und gute Vorbilder sind.

Eltern als Coaches

"Jetzt sind die Eltern stark gefordert. Was sonst Erzieher und Lehrer übernehmen, müssen nun die Eltern stemmen. Jedes Elternteil sollte sich vornehmen, das Vorbild für das Kind zu sein, quasi der Coach. Wenn der Coach gute Verhaltensweisen vorlebt und den Kindern vermittelt, dann kopieren sie das. Dann haben die Kinder Spaß und merken es gar nicht mehr wirklich, ob sie nun in der Schule sind oder nicht. Die Lernumgebung ist zwar eine andere, aber das kann auch positiv sein" sagt der Experte. 

Ein Stundenplan für den Tag

"Das Wichtigste ist wirklich, bieten Sie den Kindern einen runden und auch lustigen Tagesablauf mit bestimmten Ritualen zu festen Zeiten." Eltern sollten sich also möglichst rasch mit den Kindern zusammen setzen und gemeinsam einen Stundenplan erstellen. Der Biorhythmus der Kinder dient dabei als Taktgeber. Alle können gerne länger schlafen als an normalen Schultagen. Aber dann sollte nach dem Frühstück schon der erste Pflichtakt folgen.
"Morgens sind Kinder am aufnahmefähigsten. Unterricht ist hier am effektivsten", sagt Schmitz. Das kann über Arbeitsmaterial der Schule funktionieren, mit digitalen Lerntools oder aber auch mit speziellen Fernsehprogrammen, die gerade von den Öffentlich-Rechtlichen angeboten werden. Auch muß nicht immer der klassische Schulstoff im Vordergrund stehen. Draußen im Garten Vögel beobachten, Blumen bestimmen oder lernen, wie man einen Pfannkuchenteig macht, ist auch wertvoll. Die Sicher-Stark-Initative bietet beispielsweise Webinare oder Videos an, die Sicherheit für Kinder im Internet thematisieren. Auch das ist ein Lernangebot, mit dem sich Kind und Elternteil auseinandersetzen könnten. 

Für jede Stunde Unterricht mindestens 15 Minuten Pause und Frischluft einplanen, gerne einmal um den Block gehen oder auch einfach mal die Wohnung lüften. Wichtig sei, so die Ansicht des Experten, das Mittagessen ritualisiert zur selben Zeit einzunehmen. "Das wäre ja in der Schule nicht anders". Nach dem Essen wieder möglichst raus, natürlich nicht auf den Spielplatz, aber zumindest mal kurz die Beine vertreten.

Theorie und Praxis beim Unterricht abwechseln

"Besonders Kindergarten- und Grundschulkinder haben einfach Hummeln im Hintern" sagt Ralf Schmitz und jedes Elternteil mit einem Sprößling zwischen drei und neun Jahren nickt zustimmend. "Das muss man berücksichtigen. Deswegen müssen sich Theorie und Praxis beim Unterricht abwechseln. Nach der Erklärung gibt es sofort Übungen und Beispiele. Das hält die Kinder bei der Stange." 

Ein Trick, mit dem er als Coach immer gute Erfahrungen gemacht hat: "Handpuppen. Erstens macht es den Kindern riesigen Spaß, wenn der Erwachsene sich darauf einläßt und mit zwei verschiedenen Stimmen spricht. Und zweitens lernen sie im Gespräch mit der Puppe viel lieber, als wenn der Erwachsene zu ihnen in seiner Erwachsenensprache spricht." Kinder leben in ihrer eigenen Welt. Da sei es wichtig, über solche Identifikationsfiguren mit ihnen zu interagieren.

Platz und Zeit zum Toben

Wichtig sei auch, dem Kind auch innerhalb der Wohnung ein bisschen Raum zum Toben zu geben. "Bauen Sie mit dem Kind nachmittags aus Sofa, Stühlen, Kissen und Decken einen Abenteuerspielplatz oder eine Höhle". Wenn das nicht geht, eine Kissenschlacht im Schlafzimmer wäre auch eine Möglichkeit. Auch für gemeinsames Yoga sind manche Kinder empfänglich. 

Wenn zwei Elternteile die Kinder hüten, können sich beide abwechseln. "Morgens unterrichtet der eine, nachmittags übernimmt der andere". So könne man auch das Abenteuer Home Office und Kinderbetreuung bestreiten.  Als Alleinerziehender hat man da leider weniger Optionen. Hier ist der Stresspegel deutlich höher und Schmitz rät hier, sich wirklich nach Hilfe umzuschauen und die Notfallbetreuungs-Optionen auszuloten. Einige Ratgeber empfehlen, beim Home Office an seinem eigenen Schreibtisch noch einen Platz für das Kind einzurichten, an dem es dann neben Mama oder Papa Bilder malen oder Lego bauen kann. 

Nur nicht alleine vor den Computer hocken lassen

Natürlich kann man nicht den ganzen Tag Bespaßung liefern. Aber die Kinder sollten auf keinen Fall sich selbst überlassen oder vor dem Computer geparkt werden. Auch bei Apps sollte kontrolliert werden: was spielen die Kinder denn da? Dass der Fernseher keine Dauerlösung sein kann, sollte ebenfalls selbstverständlich sein. Kinderfreundliche Programme ohne Werbung finden sich auf Netflix & Co. Wenn allerdings die Bandbreite nicht mehr ausreicht, weil das ganze Mehrfamilienhaus auf die gleiche Idee gekommen ist, tut es auch mal wieder eine DVD oder ein Hörspiel. Wenn die Inhalte bekannt sind, können auch die Eltern mal entspannen und sich mit etwas anderem beschäftigen.

Das raten die ZVW-Leser

Wir haben auf Facebook und Instagram unsere Leser gefragt, wie sie denn die nächsten Wochen mit ihren Kindern verbringen werden. Dass Kinder direkt nach dem Frühstück die von der Schule mitgegeben Aufgaben machen, setzen schon viele Eltern um. Vormittags wird gelernt, nachmittags gespielt, gebastelt und momentan auch Ostereier bemalt. Eine Facebook-Nutzerin hat sogar eine "Corona-Spaßliste" geteilt: "Zuhause bleiben und Spaß haben". Darin wird auch an Oma & Opa gedacht: auch wenn man sie gerade lieber nicht besuchen sollte, einen lieben Brief schreiben, ein Bild malen oder mal anrufen geht natürlich immer. 

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