Coronavirus in Winnenden Friseur nutzt die Zeit, um Mitarbeiter zu schulen

Mit diesen Puppenköpfen schult Schäftlmeier Mitarbeiterinnen Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden.
Es ist ja so: Haare wachsen auch im Home-Office. Irgendwann kriegt man eine Matte oder eine furiose Künstlermähne, auch wenn man nur Journalist oder kaufmännischer Angestellter ist. Und was dann? Männerzopf? Altes Bildle vor die Linse halten, wenn man in der Videokonferenz spricht? Wenn die Friseursalons jetzt eine oder zwei Wochen geschlossen wären, das hielte man ja noch aus. Aber wie geht das weiter? Danach fragen manche Kunden auch Friseurmeister Kai Schäftlmeier, der wie alle seine Kolleginnen und Kollegen seinen Salon schließen musste. Was ist dann noch möglich? Schäftlmeier sagt allen Kunden das Gleiche: „Ich halte mich ganz klar an die Vorschriften.“ Und die lauten: Friseure dürfen nicht mehr arbeiten. Die Coronavirus-Epidemie ist bedrohlich, und Schäftlmeier sagt: „Das Runterfahren aller Geschäftstätigkeit hat Sinn.“

Schäftlmeier erkennt das Dilemma und ist trotzdem optimistisch

Die Fachleute, die Virologen haben den Rat gegeben, die Politiker haben es entschieden, und er als Unternehmer akzeptiert diese Entscheidung, denn es geht um die Gesundheit aller. Auch Schäftlmeier stellt sich die große Frage, die seine Kunden ihm stellen: Wie geht es weiter? Politiker möchte er nicht sein in dieser Situation. Denn Politiker haben zu entscheiden, wann die Geschäftsschließungen wieder aufgehoben werden. Sie werden beraten dabei. Sie werden fragen: Wann ist die Epidemie so weit eingedämmt, dass wieder Begegnung möglich ist? Und wann muss dringend die Geschäftswelt wiederbelebt werden, damit die Wirtschaftsstruktur erhalten bleibt?

Schäftlmeier erkennt das Dilemma und ist trotzdem optimistisch, denkt an die Zeit nach den Kontaktsperren und daran, wie danach das Geschäftsleben wieder Fahrt aufnehmen kann. Für ihn heißt dies, er muss sein Geschäft sichern in der Zeit ohne Einnahmen. „Wir müssen gucken, dass wir alle versorgen können. Ich arbeite mich jetzt gerade durchs Internet und schaue, was es jetzt tatsächlich an Unterstützung gibt für Geschäfte unserer Größenordnung, also nicht, was ich von Politkern gehört habe, sondern was jetzt wirklich umgesetzt wird, wo und wie ich Anträge stellen kann und was ich wo und wann bekomme. Das Stichwort Kurzarbeitergeld gehört dazu.“

Solidarität und Verantwortung

Schäftlmeier unternimmt noch etwas anders zur Zukunftssicherung in diesen stillgelegten Wochen: Schulung und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen. „Ich werde die Zeit nutzen, um auszubilden.“ Der Friseur hat Puppenköpfe und Perücken zu Übungszwecken bei sich in den Geschäftsräumen. Zwei Menschen in einem Raum, die sich auf zwei Meter Abstand halten, sind ja noch regelkonform. Weiterbildung, zumindest im Einzelunterricht, ist also möglich. Damit hält er sich und sein Team fit für die Zeit nach der Kontaktsperre.

Weitere Winnender Friseure bitten ihre Kunden um Verständnis, sei es auf ihrer Homepage, sei es über ihren Anrufbeantworter. „Wir bleiben zuversichtlich und glauben, dass die von jedem Einzelnen gezeigte Solidarität und Verantwortung der Schlüssel dafür ist, das Virus einzudämmen“, schreibt zum Beispiel das Team von Friseur Kroiss. Carina Rappalier spricht auf ihren Anrufbeantworter, dass sie vorübergehend schließen musste, „um Sie und uns nicht zu gefährden“. Gabriela Voral bittet ihre Kunden, zu Hause zu bleiben, schon für ihr eigenes Wohl: „Wir wollen, dass Sie und wir gesund bleiben.“ Wenn die Kontaktsperre mal vier oder sechs Wochen dauert, wird sie an unseren Haaren ablesbar sein.

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