Daimler-Pläne auf dem Hess-Areal Lagerhallen oder Antriebsentwicklung?

Das Hess-Areal im Gewerbegebiet Ameisenbühl. Foto: Habermann / ZVW

Waiblingen. Im Februar dieses Jahres wurde die Nachricht mit einem Paukenschlag bekanntgegeben: Daimler geht mit einem Entwicklungsdienstleistungspark auf das ehemalige Ziegelei-Areal Hess. Das zur Ansiedlung notwendige Bebauungsplanverfahren läuft derzeit auf Hochtouren. Jetzt hat ALi-Chef Alfonso Fazio nachgehakt: Er frage sich, ob in Waiblingen tatsächlich an der Entwicklung von Elektromobilität gearbeitet werden solle: „Bekommen wir ein Entwicklungszentrum oder zwei Lagerhallen?“

Er habe große Bedenken, dass auf dem ehemaligen Hess-Areal keine Entwicklung der Elektromobilität stattfinden soll, sondern schlicht Lagerhallen gebaut werden, von denen aus Daimler-Standorte beliefert werden sollen, sagte Fazio im Planungsausschuss.

Das sei aber nicht das, was seine Fraktion gewollt habe: „Ich bin für die neue Technik offen und habe die Pläne damals jauchzend aufgenommen.“ Sollte in Waiblingen aber keine Entwicklung der E-Mobilität stattfinden, könne die ALi-Fraktion die Ansiedlung nicht weiter unterstützen. „Der Gemeinderat hat ein Recht zu erfahren, was gebaut wird“, sagte er im Planungsausschuss. „Das soll öffentlich gesagt werden.“

Hesky: Geschäftsgrundlage hat sich nicht geändert

Oberbürgermeister Andreas Hesky nahm die Anfrage sichtlich irritiert zur Kenntnis. Die Geschäftsgrundlage habe sich nicht geändert, betonte er. Schon im Februar sei die Rede vom „Teil eines Entwicklungszentrums“ gewesen. Außerdem lasse die Stadt auf dem Gelände der ehemaligen Ziegelei keineswegs bauen, sondern schaffe lediglich die baurechtlichen Grundlagen dafür. „Das Areal war lange unterentwickelt, es beschäftigt uns seit Jahren“, erinnerte Hesky.

Nach der Daimler-Zusage gebe es auch für die anderen Teile des Geländes Interesse von Firmen, sich dort niederzulassen. Hesky warnte davor, die Ansiedlung infrage zu stellen: „Die Stadt ist ein verlässlicher Partner.“ CDU-Rat Peter Abele sprang ihm zur Seite: „Es hat sich nichts geändert“, betonte er. Der ganze Gemeinderat sei froh gewesen, dass Waiblingen für die Planung mit all ihren Komponenten infrage kommt. „Ich verstehe nicht, wie man daran zweifeln kann.“

„Entwicklungsaktivitäten und Komponentenbearbeitung“

Auf Anfrage der Zeitung beschreibt ein Unternehmenssprecher von Daimler die Pläne auf dem Hess-Areal folgendermaßen: Daimler wolle innerhalb seines geplanten Dienstleistungsparks zwei Hallen und den Teil eines Bürogebäudes für Entwicklungsbereiche anmieten, so Daimler-Sprecher Heiko Pappenberger. „Bei den Tätigkeiten und Aufträgen, die in Waiblingen angesiedelt werden sollen, handelt es sich um Entwicklungsaktivitäten, Komponentenbearbeitung, Logistikdienstleistungen und Verpackungstätigkeiten für unseren Prototypenbau.“

Ausdrücklich keine Angaben wollte Pappenberger allerdings zu Art und Umfang der angekündigten Entwicklungsaktivitäten machen. Dagegen war im Februar 2018 angekündigt worden, dass in Waiblingen neue Antriebsstränge entwickelt und Prototypen für Verbrennungs-, Hybrid- und Elektromotoren gebaut werden sollen.

Das Thema E-Mobilität soll eine zentrale Rolle spielen

Entstehen sollen laut Pappenberger rund 260 Arbeitsplätze, die allermeisten davon bei Partnern, Lieferanten, Dienstleistern, aber auch direkt bei Daimler. „Es handelt sich um Arbeitsplätze in den Bereichen Versorgungsleistung und Warenwirtschaft sowie Büroarbeitsplätze im kaufmännischen Bereich und Engineering“, so der Daimler-Sprecher weiter. „Aus dem Dienstleistungspark in Waiblingen sollen zukünftig alle Entwicklungsbereiche im Neckartal mit hochwertigen Prototypen versorgt werden.“ Hierbei werde das Thema E-Mobilität eine zentrale Rolle spielen.

Oberbürgermeister Andreas Hesky verweist auf die Zusage des Autobauers, wonach der Standort auf dem Hess-Areal ein zentraler Baustein innerhalb der Entwicklungsprozesse werden soll. Dieser Aussage vertraue er. „Entwicklung ist eine lange Kette verschiedener Maßnahmen“, sagt Hesky. In Waiblingen entstünden zwei Hallen, in denen unter anderem Logistik abgewickelt werde, aber eben auch Teile der Entwicklungsprozesse. An den Planungen habe sich nichts verändert.


Fimen haben Interesse am Gelände

Investor und Bauentwickler auf dem Areal ist Greenfield Development, von dem Daimler die Gebäude mieten wird.

Derzeit wird für das Areal ein Bebauungsplan erstellt. Die erforderlichen Abstimmungen mit den Fachbehörden sind in Arbeit. Geht alles nach Plan, sollen die notwendigen Beschlüsse für den Auslegungsbeschluss im Dezember gefasst werden.

Nach Angaben von Stadtchef Hesky führt der städtische Wirtschaftsförderer derzeit gemeinsam mit den Eigentümern Gespräche mit verschiedenen Interessenten unterschiedlichster Branchen.

Bereits vor Veröffentlichung der Pläne der Daimler AG habe es Interessensbekundungen von Firmen aus der Region für das Gelände gegeben. Die Berichterstattung über die anstehende Konversion des Areals und die Knappheit von Gewerbeflächen habe nochmals zu einem Anstieg der Firmenkontakte geführt.

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