Daimler stellt Weichen für Truck-Offensive Daimler wertet Lkw-Geschäft in China auf

In Peking werden vier Baureihen von Mercedes-Benz produziert. Foto: Daimler

Stuttgart - Vor fünf Jahren schuf Daimler einen eigenen Vorstandsposten für das gesamte China-Geschäft. Damals lief der Pkw-Absatz von Mercedes-Benz im roten Riesenreich alles andere als rund. Heute kann China-Vorstand Hubertus Troskaeine glänzende Zwischenbilanz für die Autosparte vorlegen. Dieses Erfolgsrezept eines für China zuständigen Spitzenmanagers will Daimler nun in etwas abgewandelter Form auf das Lkw-Geschäft übertragen. Wie der Stuttgarter Konzern mitteilte, wird das China-Geschäft künftig im Bereichsvorstand der Truck-Sparte verankert. Sven Ennerst, der bisher im Bereichsvorstand für Entwicklung und Einkauf zuständig ist, wird im Januar zusätzlich China-Chef. Damit ist er sowohl für das Gemeinschaftsunternehmen mit dem chinesischen Lkw-Hersteller Foton zuständig als auch für das Geschäft mit importierten Mercedes-Trucks. In seiner neuen Rolle berichtet er direkt an China-Vorstand Troska und Nutzfahrzeug-Vorstand Martin Daum.

China wird im Bereichsvorstand von Daimler Trucks aufgewertet

„Wir wollen unsere Marktposition in China weiter ausbauen. Deshalb stärken wir jetzt unser China-Geschäft durch eine eigene Management-Verantwortung im Bereichsvorstand von Daimler Trucks“, erläutert Daum, der seit März im Daimler-Vorstand für Lkw und Busse verantwortlich ist, die hierarchische Aufwertung. Im chinesischen Wirtschaftsleben ist die Rangordnung bei Verhandlungen mit Geschäftspartnern von großer Bedeutung. Mit der Verankerung im Bereichsvorstand wird den Partnern signalisiert, welchen hohen Stellenwert dieses Geschäft für Daimler hat. Auch soll die Zusammenarbeit mit den Chinesen verbessert werden, die nach Informationen aus Unternehmenskreisen in den vergangenen Jahren nicht immer reibungslose verlief.

China ist sowohl für Pkw als auch für Nutzfahrzeuge der mit Abstand größte Markt der Welt. Im laufenden Jahr liegt das erwartete Marktvolumen bei mehr als einer Million schweren Lastwagen. Der Großteil des Absatzes bewegt sich in einem Bereich, der deutlich unter den Preisen für Mercedes-Lastwagen liegt.

Eine Daimler-Managerin führt das deutsch-chinesische Gemeinschaftsunternehmen

Sven Ennerst hat sowohl während seines Maschinenbaustudiums an einer chinesischen Universität als auch in seiner weiteren beruflichen Laufbahn Erfahrungen in China gesammelt. Außerdem ist er seit mehr als 20 Jahren in Führungsfunktionen bei Daimler Trucks tätig. Gemeinsam mit seinem Partner Foton produziert Daimler seit 2012 mittelschwere und schwere Lastwagen der Marke Auman. Vor zwei Jahren war der Absatz eingebrochen, seither geht es wieder bergauf. Bis Oktober legte der Absatz laut Daimler um rund 60 Prozent auf rund 91 000 Fahrzeuge zu. Bei dem Gemeinschaftsunternehmen Beijing Foton Daimler Automotive stärkt der deutsche Konzern seine Position, denn es wird künftig von der Daimler-Managerin Kelley Platt geführt. Der bisherige Chef Zhou Liang scheidet aus. Er habe sich entschlossen, neue Chancen außerhalb des Daimler-Konzerns zu suchen, lautet die offizielle Begründung des Unternehmens.

Im Premium-Markt ist Mercedes-Benz erstmals die Nummer eins

Kelly Platt gilt als enge Vertraute von Daimler-Truck-Vorstand Martin Daum. In den vergangenen Jahren, als Daum das Nordamerika-Geschäft führte, hat sie als Chefin der zu Daimler gehörenden Lkw-Marke Western Star Trucks Rekordergebnisse beim Absatz und Marktanteil erreichen können, heißt es.

Im chinesischen Pkw-Geschäft hat Daimler in den vergangenen Jahren seine Wettbewerbsschwäche überwunden und ist nach Zahlen der Stuttgarter in diesem Jahr erstmals zum führenden Premiumanbieter aufgestiegen. Danach wurden von Januar bis Oktober rund 480 000 Wagen der Marke Mercedes-Benz im roten Riesenreich verkauft – ein Plus von 27 Prozent. BMW legte um 16 Prozent auf 459 000 Autos zu und Audi verzeichnete sogar einen Rückgang um drei Prozent auf 470 000 Fahrzeuge.

China-Chef Hubertus Troska will sich aber nicht festlegen, ob Mercedes-Benz diese Spitzenposition auch für das gesamte Jahr verteidigen kann. Denn die Schwäche der traditionellen Nummer eins Audi ist vor allem auf einen Absatzeinbruch in den ersten Monaten dieses Jahres zurückzuführen, den ein Streit mit den Vertriebspartnern ausgelöst hatte. Mittlerweile ist der Konflikt mit den Händlern jedoch beigelegt, und in den letzten Monaten konnte auch Audi in China wieder zulegen.

China-Vorstand Troska ist zuversichtlich für 2018

Das Premiumsegment wächst nach Angaben Troskas deutlich stärker als der Gesamtmarkt. Weiterhin werden jeden Monat 500 der im obersten Preissegment angesiedelten Luxuslimousine Mercedes-Maybach verkauft. Die Wagen seien so begehrt, so Troska, dass die Käufer sogar bereit seien mehr als den Listenpreis zu zahlen. Mehr als 60 Prozent aller weltweit verkauften Mercedes-Maybach, die in Sindelfingen produziert werden, gehen nach China.

Der positive Trend bei den Premiumfahrzeugen wird sich nach Einschätzung des Daimler-Vorstands fortsetzen. Troska zeigt sich sehr zuversichtlich für das nächste Jahr. Auch die ab 2019 geplante Quote für Elektroautos bereitet dem China-Vorstand keine Sorgen. „Wir werden die Quote schaffen“, versichert Troska.

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