"Das Grönland des Rems-Murr-Kreises" "Die Partei" Backnang will Winnenden kaufen

Ein Turm im Stile des Trump-Towers überragt alle anderen Gebäude in Winnenden. Auf dem Dach der Schriftzug: "Die Partei". Foto: Megatherium/CC BY-SA 4.0; Montage: Die PARTEI Ortsverband Backnanger Bucht

Winnenden. Inspiriert von Donald Trump: Der Backnanger Ortsverband der Satire-Partei "Die Partei" will Winnenden kaufen. Der Winnender Oberbürgermeister hätte da auch schon konkrete Preisvorstellungen. 

Ein riesiger, goldener Turm ragt hunderte von Metern über Winnenden empor. Das Rems-Murr-Klinikum wirkt dagegen regelrecht winzig. Auf dem Dach des glänzenden Gebäudes prangt das Logo der Satire-Partei "Die Partei". Wenn es nach deren Backnanger Ortsverband geht, wird diese Bild-Montage schon bald Realität. 

„Wir, Die PARTEI – Ortsverband Backnanger Bucht, haben es uns zum Ziel gesetzt, Backnang wieder groß zu machen. In diesem Zusammenhang möchten wir Ihnen ein Angebot vorschlagen, das Sie nicht ablehnen können. Wir möchten gerne Winnenden kaufen.“ Mit diesen Worten leitete der Ortsverband ein Schreiben an den Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth ein, das die Satiriker am Freitag auf ihrer Facebookseite veröffentlichten. 

Beide Städte sollen profitieren

Darin heißt es weiter: "Durch diesen Kauf und die Eingemeindung wird sich Backnang schlagartig um ca. 75 % vergrößern. Dies hat verwaltungsrechtlich und wirtschaftlich enorme Vorteile (welche natürlich ausschließlich der ursprünglichen Backnanger Bevölkerung zugutekommen werden). Außerdem hätte Backnang auf diese Weise endlich wieder ein eigenes Krankenhaus."

Auch Winnenden werde von dem Deal profitieren, heißt es.

"Winnenden ist derzeit ja quasi das Grönland des Rems-Murr-Kreises (Anm. d. Red.: Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump verlauten lassen, er würde gerne Grönland von Dänemark kaufen). Die Eingliederung zu Backnang würde für Winnenden einen Aufstieg vom Zipfelbachdorf zur Murrmetropole bedeuten"  Mit der Murr ginge beispielsweise ein Anschluss an den wichtigen Handelshafen Rotterdam einher, schreibt die Partei. "Allerdings werden wir den etwas antiquierten Namen Winnendens ändern. Als Groß-Schelmenholz wird es zukünftig ein eigenständiger Ortsteil von Backnang werden."

"Wir freuen uns auf Ihre positive Rückmeldung und bitten Sie, uns Ihre Preisvorstellungen zu übermitteln (keine Sorge, wir sind sehr reich)", heißt es zum Abschluss. Und OB Holzwarth reagierte prompt.

Das fordert der Winnender Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth

"Wir fordern für jeden Winnender Bürger, vom Neugeborenen bis zum Senior, 1 Million Euro in bar, separat abgepackt, damit die Verteilung an die Bevölkerung möglich ist." Das wären nach aktuellen Zahlen aus dem Melderegister über 28 Milliarden Euro. Kein Geld, keine Unterschrift, stellt der OB klar. 

Weitere Forderungen Holzwarths sind Neuwahlen, eine Abstimmung über den Verwaltungssitz der neuen "Murrmetropole" und, natürlich, über deren Namen. Alles unter Berücksichtung folgender kommunalpolitischer Neuerung: "Die Stimmenzahl der Winnender Bürger bei allgemeinen Wahlen zählt natürlich immer doppelt zu denen der Backnanger Bürger."

"Erwidern Sie unsere maßvolle Preisvorstellung und die wirklich sehr komfortablen Zusicherungen mit Ihrer raschen Zustimmung, dann wird niemandem etwas passieren", scherzt Holzwarth zum Abschluss seiner launigen Antwort.

Wie reagiert Backnang?

Allerdings stellte Holzwarth in Frage, ob "Die Partei" überhaupt zu einem solchen Handel berechtigt ist. "Bisher wurde Backnang von Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper vertreten. Sollte sich dies geändert haben, wären wir für einen Nachweis dankbar." 

Der Backnanger OB selbst äußerte sich bisher noch nicht zu den Plänen der Partei.

So geht es jetzt weiter

Dass demnächst ein Milliardenbetrag an Winnenden übergeben wird, ist nicht zu erwarten. "Die Partei" hat dem Oberbürgermeister zwar bereits geantwortet ("Wir melden uns, wenn wir das Geld aufgetrieben haben."), dessen Forderungen übertreffen die Finanzen der Satiriker jedoch bei weitem. 

"Wir haben aktuell noch 76,34 Euro", sagte der Vorsitzende Marco Schlich am Dienstag im Gespräch mit unserer Redaktion. "Wir hatten eigentlich gehofft, wir kommen damit irgendwie hin." Immerhin: Ein Facebook-User hat der Partei bereits eine finanzielle Unterstützung in Höhe von 1,50 Euro zugesagt. 


"Die Partei" - Ortsverband Backnanger Bucht

"Die Partei" hat in Backnang seit ihrer Gründung am 8. Juli mehrfach mit satirischen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht. So luden die Mitglieder um den Vorsitzenden Marco Schlich am 14. Juli zum Burkini-Schwimmen ins Backnanger Freibad. Dort hatten sich zuvor Badegäste über eine vollverschleierte Frau beschwert.

Außerdem eröffnete "Die Partei" bereits am vergangenen Samstag den neuen Stuttgarter Hauptbahnhof.

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