„Das haben wir vergeigt“ Korber Kurve erhitzt weiter die Gemüter

Die Kurve am Löweneck in der Korber Ortsmitte ist so eng, dass Autofahrer immer wieder abkürzen, wie die Spuren abseits der Straße zeigen. Foto: Palmizi Foto: Alexandra Palmizi

Korb. Wie lässt sich die gefährliche Kurve am Löweneck über die aktuelle Planung des Kreises hinaus entschärfen? Die Antwort aus dem Rathaus: womöglich gar nicht. Der Gemeinderat hatte sich nach dem Abriss des Eckgebäudes eine noch deutlichere Verbesserung für Fußgänger und Verkehr erhofft – nun macht sich Ernüchterung breit.

Etwas ratlos wirkten die Korber Räte am Dienstagabend in der Alten Kelter. Daran änderten die „ergänzenden Informationen“ zur gefährlichen Kurve am Löweneck in der Ortsmitte wenig, die Bürgermeister Jochen Müller und Bauamtsleiter Dietmar Kümmerlen lieferten – als Reaktion auf den Unmut darüber, wie sich die Baustelle an der Ecke Waiblinger/Heppacher Straße entwickelt. Hier haben sich die Sichtverhältnisse und die Situation für Fußgänger zwar durchaus verbessert, im Begegnungsverkehr der Kurve bleibt’s aber eng.

„Die Fahrbahn ist einen halben Meter schmäler als geplant“, schimpfte Gerhard Liebhard (CDU/FW) und fragte: „Was macht das für einen Sinn, wenn wir einer Planung zustimmen, die nachher anders ausgeführt wird?“ Bauamtsleiter Dietmar Kümmerlen hielt dagegen: Die Ausführung entspreche durchaus der Planung. Das Gremium habe die Bauvoranfrage für das Mehrfamilienhaus im Jahr 2015 auf Grundlage eines „nicht rechtsverbindlicher Rahmenplans“ aus dem Jahr 2003 genehmigt.

Müller: „Ich war auch der Meinung, dass wir das anders hinbekommen“

Wohin ist dann der halbe Meter verschwunden, den Liebhard in diesem Plan entdeckt hat? Der Fahrbahnrand sei damals nur aufgezeichnet, nicht ausgemessen und digital aufgenommen worden, erklärt Kümmerlen. Das heißt: der Plan, auf dessen Grundlage die Räte Grünes Licht gaben, ist ungenau.

Das könnte die Verwirrung erklären, die Sven Glas (CDU/FW) in der Sitzung so ausdrückte: „18 Leute sind der Meinung, dass es so nicht richtig ist. Entweder wir haben es nicht verstanden oder irgendjemand hat es uns falsch erklärt.“ Nicola De Vitis (Freie Bürger) stellte fest: „Das haben wir vergeigt, so wie es aussieht.“ Reifenspuren neben der Straße alarmieren ihn: „Wenn ein Kind da steht, dann ist das Kind weg.“ Und selbst Bürgermeister Jochen Müller gab zu: „Ich war auch der Meinung, dass wir das anders hinbekommen.“ Aber, so der Rathauschef: „Ob man's hätte besser machen können, weiß ich nicht.“

Und nun? Den Ausführungen Kümmerlens zufolge hat die Gemeinde kaum eine Chance, noch einzugreifen. Davon abgesehen, dass sowieso das Landratsamt die Planungen weiterführt, würden die Baulinien und Baugrenzen des Rahmenplans eingehalten. Das Wohnhaus sei anders als das alte Gebäude zwischen drei und 3,50 Meter von der Straße abgerückt. Das ermögliche einen 1,50 Meter breiten Gehweg und eine Umgestaltung der Straße entsprechend der Schleppkurven für einen Gelenkbus. Zu diesem Zweck habe das Rathaus elf Quadratmeter Privatfläche vom Bauträger erworben. War das zu wenig für eine echte Verbesserung? Kümmerlen sagt, seine Vorgängerin Helga Lambart habe versucht, „das Ideale rauszuholen“. Er betont: der Bauträger war nicht gezwungen, überhaupt Fläche abzugeben, er tat es freiwillig.

„Ich möchte nicht immer hören, was nicht geht, ich möchte hören, was geht!“

Auch, dass ein Stellplatz nun nicht wie geplant direkt an der Hauswand, sondern anstelle eines Pflanzbeets an der Grundstücksgrenze errichtet wird, sei baurechtlich nicht zu beanstanden. Gerhard Liebhard hielt dagegen, dass die Polizei sich bei einer Begehung gegen einen solchen Stellplatz ausgesprochen habe. Die Räte sehen darin eine Sichtbehinderung für den Verkehr. Gleiches gilt für einen Schaltkasten der Telekom weiter vorne, der breit genug sei, Grundschulkinder zu verdecken, die hier des Weges kommen. CDU/FW-Gemeinderat Friedrich Zimmerle appellierte an die Verwaltung, sich bei der Telekom dafür einzusetzen, dass der Kasten verschwindet: „Das ist eine schlechte Sache für die Verkehrssicherheit in der gefährlichsten Kurve von Korb.“ In dieselbe Kerbe schlug Jürgen Müller (FB). Als die Verwaltungsbank sich in puncto Telekom pessimistisch zeigte, sagte der Optiker: „Ich möchte nicht immer hören, was nicht geht, ich möchte hören, was geht!“


Für zwei Busse ist weiterhin kein Platz

Nach der momentanen Planung des Landratsamts passen am Löweneck künftig ein Bus und ein Auto im Begegnungsverkehr aneinander vorbei. Derzeit benötigt ein Bus die gesamte Straßenbreite, um von der Waiblinger in die Heppacher Straße einfahren zu können.

Zwei Busse werden einander in der engen Kurve auch zukünftig nicht passieren können. Davon sei aber auch nie die Rede gewesen, so Bauamtsleiter Dietmar Kümmerlen.

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