Das Handballherz schlägt wieder DHB-Team-Managerin Maren Baumbach im Interview

Maren Baumbach freut sich auf ihre neue Aufgabe beim Deutschen Handball-Bund. „Ich bin immer noch sehr aufgeregt“, sagt die 38-Jährige. „Es ist aber eine schöne Art von Aufregung, die lange nicht mehr da war.“ Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Ruhig geworden ist es um Maren Baumbach nach ihrem Karriereende 2011. Seit September ist die ehemalige Handball-Nationalspielerin und Spielerin des VfL Waiblingen wieder zurück – als neue Team-Managerin der Frauen-Nationalmannschaft. Unser Redaktionsmitglied Thomas Wagner hat sich mit der 38-Jährigen anlässlich des letzten Testspiels vor der Weltmeisterschaft diesen Donnerstag (19 Uhr) in der Scharrena gegen Montenegro unterhalten.

Frau Baumbach, im Jahr 2011 haben Sie beim VfL Sindelfingen Ihre erfolgreiche Karriere beendet. Allerdings nicht ganz freiwillig: Der Verein ging insolvent. So einen Abschied wünscht man sich nicht.

Nein, das war tatsächlich nicht so schön. Ich hatte ja noch ein Jahr Vertrag in Sindelfingen. Wobei es für mich nicht ganz so schlimm war wie für einige Mitspielerinnen. Ich hatte diesen Schritt ja eigentlich schon hinter mir. Nachdem ich 2009 aus Dänemark zurückgekommen war, habe ich ein Jahr pausiert. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Prioritäten bei mir schon ein bisschen verschoben. Ich stand mitten in meinem Referendariat und bin dann an meine neue Schule gekommen. Ich habe mich also so langsam damit abfinden können, dass es zu Ende geht.

Nach 2011 ist es still um Sie geworden. Hatten Sie genug vom Handball?

Ich hatte tatsächlich zunächst nichts mehr mit dem Handball am Hut. Das war ein schleichender Prozess und hing mit mehreren Faktoren zusammen. Der Rücktritt aus der Nationalmannschaft 2008 war der erste Schritt. Da habe ich mich schon ein bisschen rausgenommen. Es gab in diesem Zusammenhang Dinge, mit denen ich lange zu kämpfen hatte. Dann kam das plötzliche Ende in Dänemark und darauf folgend dieses unsägliche Ende mit der Insolvenz, etwa eine Woche vor Saisonstart. Das waren schon Enttäuschungen. Ich wollte einfach Abstand gewinnen.

Wie lange dauerte die Handball-Abstinenz?

Irgendwann habe ich wieder ein bisschen was in meinem Heimatverein gemacht, habe in Oeffingen/Schmiden in der Jugend geholfen. Das blieb aber das Einzige, es kamen natürlich immer wieder irgendwelche Anfragen. Ich konnte mir aber ganz lange nicht mehr vorstellen, diese fixen Termine zu haben am Abend und am Wochenende.

Ein Trainerjob kam für Sie also nicht infrage?

Ehrlich gesagt, nein. Das hat auch etwas mit dem Anspruchsdenken zu tun, das man an sich selbst hat. Ich war auch zu sehr in der Schule drin, habe dort andere Aufgaben übernommen außerhalb des eigentlichen Unterrichts. Und ich habe mich tatsächlich auch mal wieder mit Freunden getroffen. Das war ja lange gar nicht drin, weil der Alltag zu sehr vom Handball bestimmt war. Das habe ich wirklich genossen.

Das heißt, Sie haben sich auch keine Handballspiele angesehen?

Doch, schon. Ich war beispielsweise in Bittenfeld, wo ja mein Bruder spielte und meine Eltern Dauerkarten hatten. Beim Frauenhandball war ich tatsächlich lang raus. Ich war ab und an in Metzingen, weil da die Verbindung mit Marielle Bohm da war. Sie ist meine beste Freundin.

Und 2017 waren Sie plötzlich wieder zurück, wurden WM-Botschafterin für den Handball-Verband Württemberg. Wie kam’s dazu?

Der HVW-Präsident Hans Artschwager hat mich angerufen und gefragt, ob ich mir das vorstellen könnte. Ich kann gar nicht mehr genau sagen, was mich letztlich dazu bewogen hat, den Job zu machen. Ich denke, es waren mehrere Dinge. Zum einen ist Hans Artschwager jemand, der für den Frauenhandball brennt und eine unglaubliche Leidenschaft hat. Ich wusste, dass die WM super organisiert sein wird und dass man wieder ein bisschen etwas bewegen kann, Begeisterung entfachen für den Mädchen- und Frauenhandball. So eine Heim-WM ist auch eine große Chance. Ein Teil davon sein zu dürfen war schon schön. Das war ja etwas, was man sich als Spielerin immer gewünscht hat.

War dieser Botschafter-Posten womöglich der Auslöser für Ihr aktuelles Engagement?

Das war sicherlich ein erster Schritt. Aber ich habe zu dem Zeitpunkt nicht mit dem Gedanken gespielt, einen anderen Job im Handball zu übernehmen.

Jetzt haben Sie aber wieder eine Aufgabe. Wie kam’s dazu?

Bundestrainer Henk Groener hat mich angerufen und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, Team-Managerin zu werden. Mir gefällt seine Handball-Philosophie, wie er eine Mannschaft entwickeln möchte. Wenn er davon erzählt, schlägt mein Handballherz höher. So habe ich mir das früher auch gewünscht. Ein Teil dieser Entwicklung sein zu können: Das war etwas, was mich echt gereizt hat.

Können Sie diese Philosophie ein bisschen erläutern?

Henk Groener fordert von den Spielerinnen sehr viel Eigeninitiative und Eigenverantwortung. Er lässt die Spielerinnen ihre Ideen einbringen. Er lässt auch sehr gerne schnellen und mutigen Handball spielen. Das finde ich toll.

Heißt das im Umkehrschluss, dass Sie dies in Ihrer Karriere vermisst haben?

Nicht immer, aber, ja, teilweise schon.

Ist es nicht grundsätzlich wichtig, dass ein Sportler selbst denkt und entscheidet?

Ja, ich denke schon. Es gibt eben unterschiedliche Philosophien und Ansätze. Man kann sicher nicht sagen, es gibt einen einzig richtigen Ansatz. Aber ich glaube, es gehört schon dazu, selbst entscheiden zu dürfen.

Sehen Sie sich, als erfahrene Ex-Nationalspielerin, als Bindeglied zwischen dem Trainerteam und der Mannschaft?

Ich glaube schon, dass neben dem ganzen Organisatorischen, der Kommunikation zwischen der Geschäftsstelle und der Mannschaft, auch eine Art Bindeglied sein kann. Wenn ich gefragt werde, bin ich da. Andererseits wäre es falsch, wenn die Spielerinnen jetzt alle zu mir rennen würden. Wir hätten schon gerne, dass sich alle trauen, etwas zu sagen. Das ist wieder Teil dieser Trainer-Philosophie. Jeder muss wissen, dass er sagen kann und soll, was er denkt.

Sind Sie eigentlich gut im Organisieren?

Als Lehrerin muss man auch Dinge organisieren. Wenn ich es überspitzt formuliere, ist es, als ob man ein großes Schullandheim organisiert. Alle sind bloß ein bisschen älter. Als Lehrer bringt man schon ein paar Dinge mit, die einem da helfen. Wenn etwas nicht funktioniert, hat man gelernt, schnell Lösungen zu finden.

Wie sehr wird Sie der Job als Team-Managerin einspannen?

Das ist schwer zu sagen. Die zeitliche Beanspruchung ist eher blockweise. So ist es beispielsweise jetzt im Vorfeld der WM unglaublich viel, im Januar und Februar dafür wieder etwas ruhiger. Sicherlich kommt es jetzt auch darauf an, wie es mit Olympia läuft. Ich bin natürlich bei den Lehrgängen dabei. Vieles, was sonst anliegt, kann ich zwischen meinen Schulstunden erledigen. Ich denke, es kommen etwa 60 Lehrgangstage zusammen im Jahr.

Da braucht es einen kulanten Arbeitgeber.

Auf jeden Fall. Zunächst mussten das Kultusministerium und meine Schulleitung das genehmigen. Die Schule unterstützt mich super, vor allem mit dem Stundenplan. Auch ohne die Hilfe der Kollegen, die meinen Unterricht teilweise übernehmen, würde das nicht funktionieren. Da bin ich sehr dankbar. Ich versuche natürlich auch selbst, einiges vor- und nachzuarbeiten.

Wenn Sie so nah dran sind an den Spielerinnen, denken Sie da hin und wieder an Ihre eigene aktive Zeit zurück?

Klar. Wenn ich im Training bin und die Bälle liegen da rum: Da juckt es schon ziemlich. Ich würde am liebsten die Aufwärmspiele mitmachen und mal aufs Tor werfen. Da kommt schon einiges wieder hoch von früher.

Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu Ihren ehemaligen Mitspielerinnen beim VfL Waiblingen?

Wenig. Mit Nadine Krause bin ich immer mal wieder in Kontakt. Mit Silke Meier treffe ich mich hin und wieder, sie wohnt noch in Bad Cannstatt.

Wenn Sie auf Ihre Karriere zurückblicken, woran erinnern Sie sich besonders gerne?

In Trier habe ich mich sehr wohl gefühlt, das war wie ein zweites Zuhause. Dort habe ich tolle Menschen kennengelernt, wir hatten auch mit der deutschen Meisterschaft einen super Erfolg. Die Zeit in Dänemark war sehr prägend. Es war ein riesiger Unterschied zur Bundesliga, was das Niveau und die Professionalität anging. In Dänemark habe ich auch noch mal richtig viel gelernt. Und die Erfahrung eines Auslandsaufenthaltes bringt einen immer weiter. Das war schon toll.

Sind die Erinnerungen an die Jugendzeit nicht mehr so präsent?

Doch, aber irgendwann ist die ziemlich weit weg. Aber immer, wenn ich von meiner Jugend spreche, muss ich sagen, ich hatte immer sehr viel Glück mit meinen Jugendmannschaften, sei’s im Verein oder in der Auswahl. Ich hatte immer gute Trainer, die mir viel beigebracht haben. Das hatte sicherlich großen Einfluss darauf, wie sich alles entwickelt hat.

Wie sehen Ihre mittel- und langfristigen Pläne aus?

Ich denke eigentlich nicht gerne langfristig. Ich finde, wir leben viel zu wenig im Hier und Jetzt. Als Schwabe denkt man daran, was wohl in 30 Jahren sein wird. Wenn es Dinge gibt, die man gerne macht und von denen man weiß, sie tun einem gut, dann sollte man die auch machen. Vielleicht gibt’s die Möglichkeit auch gar nicht so oft. Und mir macht das momentan unheimlich viel Spaß. Ich bin immer noch sehr aufgeregt, wenn’s losgeht. Es ist aber eine schöne Art von Aufregung, die war lange nicht mehr da.


Zur Person

  • Maren Baumbach wurde am 14. Januar 1981 in Stuttgart-Bad Cannstatt geboren. Die Spielmacherin lernte das Handballspielen beim TV Oeffingen, spielte von 1993 bis 1999 beim VfL Waiblingen. Mit ihm wurde sie zweimal Deutscher-A-Jugend-Meister.
  • Weitere Stationen: TuS Metzingen (1999 bis 2000), TuS Eintracht Minden (2000 bis 2001), DHK/MJC Trier (2001 bis 2007), FC Kopenhagen Handbold (Dänemark/2007 bis 2009), VfL Sindelfingen (2010 bis 2011).
  • Mit Trier wurde Maren Baumbach 2003 Deutscher Meister, mit Kopenhagen holte sie 2009 den Europapokal der Pokalsieger.
  • Maren Baumbach spielte 120-mal für die deutsche Nationalmannschaft und erzielte 341 Tore. 2007 gewann das Team bei der Weltmeisterschaft in Frankreich Bronze.
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