Das Lädle schließt In Alfdorf-Burgholz geht eine Ära zu Ende

Diese Aufnahme stammt aus dem Jahr 1993: Erika Hinderer, Doris Beckers Mutter, bedient Kinder. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Alfdorf-Burgholz. Im Alfdorfer Ortsteil Burgholz geht eine Ära zu Ende. Doris, Gerhard und Käthe Becker sowie Erich Hinderer haben für Samstag, 29. Dezember, von 10 bis 17 Uhr zum letzten Öffnungstag des Gemischtwarenladens eingeladen. „Der Schritt fällt uns nicht leicht, aber das Einkaufsverhalten besonders der jüngeren Mitbürgerinnen und Mitbürger bringt es mit sich, dass der Laden nicht weiter betrieben werden kann.“

1934 wurde das Lädle in Burgholz von Sophie Hirzel gegründet. Erika Hinderer hat den Laden 1968 übernommen. Nach ihrem Tod im Jahr 2005 führte Doris Becker das Geschäft mit viel Elan weiter.

Das Lädle hatte das erste Telefon im Dorf, die Telefonnummer 6000 konnte man sich gut merken. Im Lädle war in früheren Jahren eine Zahlstelle der Volksbank. Das Markenzeichen war der Stuhl. Hier hat man ein offenes Ohr und stets Zeit für ein Schwätzchen gehabt. Bestellte Backwaren brachte Doris Becker von der Bäckerei Jooss aus Welzheim mit. Ihr Mann Gerhard und die Schwiegermutter halfen im Laden nach Kräften mit. Die Nachbarschaft unterstützte beim Schneeräumen, damit der Weg zum Laden frei war.

Bei Wind und Wetter in den Laden kommen

Schon Zweijährige suchten sich mit Hilfe der Mama Süßigkeiten aus, die man einzeln bekommen konnte. Kinder lernten auf für sie angenehme Art, mit dem Taschengeld umzugehen. Großer Andrang war immer wieder mittwochs nach der Kinderstunde. Geschwister, die daheim waren, wurden auch mitbedacht. Bei Wind und Wetter konnte man in den Laden kommen, Werktagskleidung und Gummistiefel waren kein Problem.

Ein breit gefächertes Sortiment

Es gab Süßigkeiten für die kleinen und die großen Kinder, die Eis-Auswahl in den Sommermonaten kam immer gut an.

Es gab Butter, „Backstoikäs“ und Rama, Linsen und Spätzle, Backpulver und „a guads Mehl“ aus der Region, Zutaten für die Weihnachtsbäckerei, Rosinen, Mandeln und Nüsse.

Verschiedene Getränke wurden verkauft, auch Obst und Gemüse waren im Sortiment, offener Essig, offenes Öl und sogar offenes Salz.

Samen und Schaff-Handschuhe, Fliegenfänger, Klopapier, Trauer-, Konfirmations- und Hochzeitskarten wurden immer wieder nachgefragt.

Dankbar, dass es den Laden gab

Auch wer was Gutes zum Lesen suchte, wurde im Laden fündig. Das Buch von Gerhard Becker über Gründe zur Dankbarkeit im Alltag wird weiterhin erhältlich sein. Es ist auch ein beliebtes Geschenk. Das Schaufenster war passend zur Jahreszeit stets liebevoll dekoriert.

Die Öffnungszeiten des Ladens waren von Montag bis Samstag von 8.30 bis 18.30 Uhr, die lange Einkaufsnacht gab es dagegen nicht. Aber wer um 20 Uhr was vergessen hatte, klingelte an der Haustüre und wurde dann auch noch versorgt. Die Reaktionen in der Bevölkerung reichen von Bedauern bis Verständnis. Man merkt, die Leute waren dankbar, dass es den Laden gab. „Es gibt manche, die uns ins Herz geschlossen haben“, sagte Doris Becker.

"Der Dank geht an die treue Kundschaft"

Den Laden aufzugeben fällt der Inhaberin nicht leicht. Wenn nun bald die Gummibärchen aufgebraucht sind und das Mehl verkauft ist, ist es dennoch wichtig, dass man für den Nächsten ein offenes Ohr hat, etwas Zeit ihm entgegenbringt und ihn nicht vergisst. „Der Dank geht an die treue Kundschaft, aber auch an Gott, der uns jeden Tag begleitet hat und uns immer wieder mit dem Nötigen versorgt“, betont Gerhard Becker.


Das Lädle in Burgholz ist am Samstag, 29. Dezember, zum letzten Mal von 10 bis 17 Uhr geöffnet, insbesondere zum Abschiednehmen. Vorgesehen ist dazu ein kleiner Imbiss. Die bestellten Waren zu Silvester können wie gewohnt noch einmal am 31. Dezember abgeholt werden.


Dorfläden im Wandel der Zeit

Lebensmittelgeschäfte in dörflichen Gegenden sind in den letzten Jahrzehnten immer mehr auf dem Rückzug.

Einen kleinen, privat betriebenen Laden gab es bisher noch in Alfdorf-Burgholz.

In der Gemeinde Kaisersbach konnte die Schließung des Ladens dadurch verhindert werden, dass eine Metzgerei eingegliedert wurde.

In Sechselberg hat der örtliche Laden schon vor Jahren geschlossen. Auch ein ehrenamtlich geführter Dorfladen konnte sich anschließend auf Dauer nicht behaupten.

Andererseits gibt es in der Region zunehmend Dorfläden, die von Genossenschaften geführt werden, zum Beispiel in Schwäbisch Gmünd-Großdeinbach und in Lorch-Waldhausen.

  • Bewertung
    3

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!