Das will der neue VfB-Trainer Tim Walter Mut, Überzeugung und ein „geordneter Bolzplatz“

Tim Walter will den VfB in der 2. Liga mit einer offensiven und mutigen Ausrichtung spielen lassen. Foto: ZVW/Danny Galm

Stuttgart.
Als es um das Auftreten des neuen Trainers Tim Walter geht, bringt VfB-Sportdirektor Sven Mislintat ein Zitat von Zlatan Ibrahimovic. „It's not arrogance, it's confidence“, soll der Fußball-Superstar aus Schweden einmal gesagt und damit den Unterschied zwischen Arroganz und Selbstvertrauen erklärt haben. Auch bei dem 43-jährigen Walter, der den Absteiger VfB Stuttgart aufbauen und zurück in die Bundesliga führen soll, ist das in der Vergangenheit wohl schon missverstanden worden.

„Für manche kommt das als Arroganz rüber“, sagt Walter. „Aber ich bin überzeugt von dem, was ich tue.“ Nur so könne er seine Spieler erreichen - und besser machen. Es ist voll in dem Nebenraum des Clubrestaurants, als Walter am Mittwoch einen Tag vor der ersten Einheit sich selbst und seinen Plan mit dem VfB vorstellt.

Der neue VfB-Trainer Tim Walter über…

…seine Spiel- und Herangehensweise: „Ich lasse mutigen und attraktiven Fußball spielen. Wir wollen immer das Heft des Handelns in der Hand haben. Das ist unsere Ausrichtung, unser Anspruch. Genauso bin ich auch. Ich bin mutig und überzeugt von dem, was ich tue – sonst erreiche ich die Spieler nicht. Ich muss Überzeugung ausstrahlen. Das kann für Außenstehende vielleicht auch einmal ein wenig arrogant rüberkommen. Aber jeder, der mich kennt, weiß, dass ich das genaue Gegenteil bin."

…Ballbesitzfußball: „Mir ist es auch wichtig, dass wir agieren, dass meine Mannschaft verteidigen will und Bälle zurückerobert. Ein zielgerichtetes Ballbesitzspiel. Wenn die Möglichkeit besteht, wollen wir schon auch schnell zum Tor spielen. Aber wir wollen auch extrem hart und aggressiv verteidigen.“

…Bolzplatz-Mentalität: „Ich bin ein klarer Befürworter des Dribbelns und der Eins-gegen-eins-Situationen. Bei mir geht es ab und zu sehr, sehr wild zu, aber alles hat auch seine Ordnung. Ein geordneter Bolzplatz sozusagen.“

…die Relegationsspiele: „Die habe ich zu Hause mit meinen Kindern geschaut. Es war egal, ob wir in der 1. oder in der 2. Liga spielen. Ich habe mich für den VfB entschieden, nicht für eine Liga. Sven Mislintat und Thomas Hitzlsperger haben mich dafür begeistert. Zudem hat der Verein so eine große Strahlkraft, dass ich unabhängig von der Liga zugesagt habe. Ich habe Ziele, suche die Herausforderung und will immer besser werden. Von daher ist der VfB genau das, was ich mir vorstelle.“

…den aktuellen Kader: „Der erste Eindruck ist gut. Für mich ist es wichtig, dass die Spieler, die wir holen, eine hohe Identifikation mit dem Verein haben. Dass sie sich für den VfB entscheiden und für das, was wir mit den Jungs vorhaben.“

…die noch zu besetzende Torhüterposition: „Er muss mutig und teilweise verrückt sein. Der Torwart hat in meinem Aufbauspiel eine tragende Rolle. Von daher ist es wichtig, dass er keine Angst hat, Fehler zu machen. Für manche ist das risikobehaftet, aber für mich ist das einfach mutig. Ich muss Vertrauen in den Spieler haben und entwickeln. Und es ist auch gut, wenn er Bälle hält (schmunzelt).“

…die Kadergröße: „Es werden immer wieder junge Spieler mittrainieren. Mit ist es eigentlich egal. Ich will nur wissen, dass die Spieler, die da sind, auch alles investieren und alles geben. Die Anzahl und die Kadergröße sind da nicht entscheidend.“

…die kurze Vorbereitungszeit: „Viele erwarten von Beginn an Ergebnisse. Das ist der heutige Lauf der Zeit. Aber wenn man Geduld mitbringt und beharrlich arbeitet, dann wird sich das langfristig auszahlen. Fünf Wochen sind eine sehr kurze Zeit. Wir versuchen viel über Inhalte und Gespräche auf dem Platz zu vermitteln. Es geht nur über die Zeit und ist extrem anstrengend für den Kopf. Es ist natürlich viel leichter, wenn ich die Bälle einfach nach vorne spiele, als wenn ich als Spieler den Ball immer wieder haben will. Aber ich werde die Spieler so vorbereiten, dass sie das umsetzen können.“

…seine Denkweise: „Ich bin fußballverrückt und liebe diesen Sport. Und es ist wichtig, genau das den Spielern vorzuleben. Dass das, was sie tun, das Schönste auf der Welt ist. Außer meiner Familie gibt es für mich nichts Größeres als Fußball. Damit gehe ich jeden Tag zur Arbeit. Ich liebe diesen Beruf.“

…seine KSC-Vergangenheit: „Es ist nicht wichtig, wo man herkommt, sondern wo man hinwill. Ich hatte schon immer den Anspruch, mich zu verbessern. Der VfB hat mich auch ein Stück weit zu dem gemacht, was ich heute bin. In Karlsruhe habe ich die Möglichkeit bekommen, mich zu entwickeln und auszubilden. Ich habe sehr häufig gegen den VfB gespielt, aber die Rivalität betrifft rein das Sportliche. Stuttgart hatte immer eine extrem gute Jugendarbeit und das war für mich ein Anreiz, meine Spieler genauso gut auszubilden.“

…wie lange das Team braucht, um seine Ideen zu verinnerlichen: „Ein positiver Start ist immer extrem wichtig. Ich weiß, dass man im Fußball wenig Zeit bekommt. Die Art und Weise, Fußball zu spielen, wird dadurch vereinfacht. Man spielt mit langen Bällen und versucht über Standards, Tore zu erzielen. Das ist sehr einfach und eine Mannschaft kriegt das sehr schnell rein. Wenn man aber versucht, fußballerische Lösungen zu kreieren, dann braucht das Zeit.“

…das Ziel direkter Wiederaufstieg: „Das Wort ‚müssen‘ ist immer so negativ behaftet. Wir wollen aufsteigen, weil wir davon überzeugt sind und das was, wir tun, auch gerne tun.“


WhatsApp-Newsletter zum VfB Stuttgart

  • Schneller und einfacher geht's nicht: VfB-News direkt auf's Handy per WhatsApp. Mit unserem VfB-Newsletter bleiben Sie auf Ballhöhe und sind immer bestens informiert. Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie sich anmelden können
  • Sie haben unseren ZVW-WhatsApp-Newsletter bereits abonniert und wollen zusätzlich noch den VfB-Newsletter erhalten? Dann schicken Sie uns einfach via WhatsApp eine kurze Nachricht und wir schalten Sie für unseren neuen Service frei.
  • Bewertung
    4
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!