Datenschutz-Grundverordnung Großer Aufwand für kleine Vereine in Schorndorf

Seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung am 25. Mai müssen sich Unternehmen und Vereine verstärkt mit dem Thema Datenverarbeitung auseinandersetzen. Foto: Mohamed Hassan/pixabay

Schorndorf. Vergangenen Mai ist die Datenschutz-Grundverordnung in Kraft getreten. Seitdem drohen Unternehmen und Vereinen höhere Bußgelder als zuvor, wenn sie nicht ordnungsgemäß mit den Daten ihrer Kunden umgehen. Für kleine Vereine haben die neuen Regelungen auch in Schorndorf teils zu Verunsicherung und Mehrarbeit geführt.

„Sie müssten erst noch hier unterschreiben.“ Ein Satz, den viele im letzten Jahr öfters gehört haben. Ob beim Arztbesuch oder durch eine Überflutung des E-Mail Postfachs mit Informationen zur Speicherung der eigenen Daten - an der neuen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist kaum jemand vorbeigekommen.

Schutz von personenbezogenen Daten

Die DSGVO hat eine Richtlinie aus dem Jahre 1995 ersetzt, um dem Schutz persönlicher Daten im Zeitalter der Digitalisierung gerecht zu werden. Sie hat dazu geführt, dass viele Unternehmen bei der Information Ihrer Kunden nachbessern mussten, weil sonst hohe Bußgelder drohen. Was eigentlich eine positive Veränderung zum Schutz von personenbezogenen Daten ist, hat auch eine Kehrseite - für kleine Vereine war die Umstellung teils aufwendig und mit Kosten verbunden.

„90 fehlen noch“, sagt Margritta Knauß, die beim Deutschen Kinderschutzbund Schorndorf/Waiblingen für die Mitgliederverwaltung zuständig ist. In den letzten Monaten hat sie die 300 Mitglieder und Mitarbeiter mehrmals angeschrieben, um die Einwilligung für die Verarbeitung ihrer Daten einzuholen. „Eigentlich ändert sich für sie gar nichts,“ so Knauß. „Es ist anstrengend und zeitraubend.“ Zwischen 30 und 40 Arbeitsstunden seien für Weiterbildung und Mitgliederinformation im Zuge der DSGVO verloren gegangen. Zusätzlich hat der Verein einen Experten beauftragt.

Fehlende Unterschriften: Angst vor dem Verlust von Fördergeldern

Knauß geht davon aus, dass sie irgendwann Menschen aus dem Verzeichnis nehmen muss. „Das wird uns unter Umständen richtig wehtun“, meint sie. Denn: Gingen Fördermitglieder verloren, bedeute das nicht nur weniger Spendengelder, sondern auch den Verlust von politischem Einfluss, weil der Verein schrumpfen würde. „Das kann nicht im Sinne der Mitglieder sein, die ja beigetreten sind, um uns zu unterstützen“, so Knauß.

Herbert Burkhardt von der Schorndorfer Tafel sieht die Lage im Moment eher entspannt. Die Einrichtung bietet Menschen mit einem geringen Einkommen die Möglichkeit, verbilligt einzukaufen. Um zu gewährleisten, dass wirklich nur Bedürftige Zutritt zum Tafelladen haben, verteilt sie Ausweise. Diese Aufgabe übernimmt Burkhardt. Weil die Ausweise nur ein Jahr gültig sind, hat er im Gegensatz zu Margritta Knauß den Vorteil, sowieso in regelmäßigem Kontakt mit den Kunden zu stehen. „Die sind das inzwischen gewohnt“, sagt der Rentner. „Sie sind eher erstaunt, wenn sie nichts unterschreiben müssen.“

Die Angst vor den sogenannten „Abmahnanwälten“ ist groß

Bei anderen Vereinen ist die Unsicherheit groß; die Vorstände geben unserer Zeitung zwar Auskunft, wollen aber nicht namentlich zitiert werden. „Wenn jemand nichts zu tun hat und uns ans Bein pinkeln will, weil wir irgendwo eine Kleinigkeit übersehen haben, dann kann er das“, meint der Vorstand eines kleineren Schorndorfer Vereins. Zwar planen die Vereine keineswegs, die Daten ihrer Mitglieder weiterzugeben, aber die Angst vor den sogenannten „Abmahnanwälten“ ist groß.

„Das Niveau bei der Zahl der Anfragen von Vereinen ist seit Inkrafttreten der DS-GVO unverändert hoch“, so Stefan Brink, Landesbeauftragter für Datenschutz und Informationsfreiheit in Baden-Württemberg. „Die häufigsten Anfragen betreffen die Informationspflichten auf Webseiten, wann ein Datenschutzbeauftragter bestellt werden muss und wie Vereine mit Fotos umgehen müssen.“

„Die Angst vor den Anwälten hat mich am Anfang auch umgetrieben“, sagt Magritta Knauß. „Es ging ja durch die Medien, dass die schon mit den Füßen scharren.“ Im Moment ist das Thema für sie aber weitestgehend wieder vom Tisch. „Sie scheinen jetzt doch nicht auf der Matte zu stehen.“


Das sagt der EU-Pressesprecher

„Die Regelungen sind nicht da, um Vereine zu drangsalieren“, sagt Steffen Schulz, EU-Pressesprecher für Baden-Württemberg und Bayern, auf Nachfrage. „Sie sind da, um die Bürger zu schützen.“
„Grundsätzlich gilt das Prinzip der Datensparsamkeit“, so Schulz. „Vereine sollten sich überlegen, welche Daten sie wirklich brauchen.“

Es sei möglich, dass manche Vereine Mehrarbeit haben, weil sie jetzt einen größeren Anreiz haben, ihre Datenverarbeitung sauber zu dokumentieren. Auch früher hätten Vereine aber nur mit der Einwilligung ihrer Mitglieder deren Daten verarbeiten dürfen. „Weil jetzt höhere Bußgelder möglich sind, nehmen Firmen und Vereine das Thema ernster“, so Schulz.

„Die Datenschutz-Grundverordnung hat kein Mehr an Bürokratie mit sich gebracht, sondern ein größeres Bewusstsein für den Datenschutz“, sagt Schulz. Durch das gesteigerte Bewusstsein, machten sich auch Menschen über das Thema Gedanken, die sich vorher weniger dafür interessiert hätten.

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