Dein Bus Fernbuslinie macht Bahn Konkurrenz

Das Gründerteam (von links): Alexander Kuhr, Christian Janisch und Ingo Mayr-Knoch. Foto: Dein Bus

Stuttgart - Letztendlich entscheidet der Preis. Das sehen zumindest die drei Jungunternehmer der Dein Bus GmbH so. Und diesen versucht das Unternehmen nun mächtig zu drücken. Ab neun Euro gibt es Tickets für die Busfahrt von Stuttgart nach Freiburg. Heute startet die neue Linie. Das Unternehmen fährt zweimal täglich, an fünf Tagen in der Woche, vom Stuttgarter Flughafen zum Zentralen Omnibusbahnhof in Freiburg. Eine Fahrt dauert laut Informationen des Online-Auftritts drei Stunden und zehn Minuten. Zwischenstationen sind Tübingen und Villingen-Schwennigen. Das Neun-Euro-Ticket ist auf der Website des Unternehmens als Sonderpreis angegeben. In den Bussen ist nur eine begrenzte Zahl an Plätzen in dieser Preiskategorie erhältlich. Wer früh genug ist und zudem online bucht, bekommt den Zuschlag. Wie viele dieser Aktionstickets pro Bus verkauft werden, möchte Christian Janisch, Mitgründer von Dein Bus, nicht verraten. Das sei schließlich „Wettbewerbsgeheimnis“, sagt der 28-Jährige. Bis zu 19 Euro kann der Fahrschein kosten, wenn man ihn vorab online bucht. Kurzentschlossene, die das Ticket direkt beim Fahrer lösen, zahlen 29 Euro.

Zum Vergleich: Bei der Deutschen Bahn kostet ein Fahrschein mit ICE und IC regulär 49 Euro, die Verbindung ist eine knappe Stunde schneller. Nutzt man den Nahverkehr, ist die Reisezeit zum Bus vergleichbar, mit dem Baden-Württemberg-Ticket der Bahn zahlt ein einzelner Fahrer 21 Euro.

Zielgruppe mit knappem Geldbeutel

Die Gründer von Dein Bus gehen mit ihren Angeboten auf die Jagd nach einer jungen Zielgruppe mit knappem Geldbeutel. Ein Bus für pendelnde Studenten und Paare mit Fernbeziehungen. Für Christian Janisch zählt seine Zielgruppe nicht zu den typischen Bahn-Fahrern. Eine Konkurrenz zur Deutschen Bahn wolle man daher auch gar nicht sein. Zudem spreche der Preis für sich, sagt Janisch. „Es wäre unfair, uns als Konkurrenten zur Bahn zu bezeichnen. Wir bieten einen guten Preis, keinen Umstieg während der Fahrt und sind zudem auch noch umweltfreundlich, da kann der Zug nicht mithalten“, sagt der Unternehmensgründer. Eigene Busse besitzt das Unternehmen nicht. In jeder Region kooperiert es mit mittelständischen Bus- und Reiseunternehmen.

Die Deutsche Bahn will ebenso nichts von einer verschärften Konkurrenz-Rhetorik hören. „Wir haben nichts gegen den Wettbewerb. Letztendlich entscheidet der Kunde, welches Produkt er nutzt“, betont Werner Graf, ein Sprecher der Deutschen Bahn in Stuttgart. „Trotzdem beobachten wir weiterhin die Marktentwicklung im Regional- und Fernbusgeschäft.“

Jeder seine Zielgruppe, jeder sein eigenes Feld. Das klingt unproblematischer, als es eigentlich ist. Ende 2010 klagte die Bahn gegen das Unternehmen der drei BWL-Studenten. Sie sollten ihren Busverkehr zwischen Köln und Frankfurt einstellen. Juristisch stützte sich die Klage auf das knapp 80 Jahre alte Personenbeförderungsgesetz. Dieses sieht im Paragraf 13 vor, dass Verkehrsmittel wie Busse keine Fernlinien innerhalb Deutschlands anbieten dürfen. Erlaubt ist das nur, wenn die Buslinien eine echte Verbesserung gegenüber dem schon vorhandenen Angebot darstellen. Das ist auf Fernstrecken der Zugverkehr. Dieser Paragraf verhindert den Ausbau eines flächendeckenden Fernbusnetzes, so wie es das in anderen europäischen Ländern wie Spanien oder England schon lange gibt.

 

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