Der Frühburgunder ist schon reif Die Weinlese im Rems-Murr-Kreis hat begonnen

David und Markus Siegloch im Weinberg oberhalb Winnendens. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Winnenden. Hätte man vor 60 Jahren einem Wengerter noch gesagt, er solle Frühburgunder anbauen, hätte dieser wahrscheinlich den Kopf geschüttelt. Inzwischen ist dieser Wein sehr beliebt, aber selten. In Winnenden haben David und Markus Siegloch jetzt am Dienstag mit der Ernte dieses nicht ganz so einfachen Weines begonnen. Vor allem Schädlinge sorgen dafür, dass Wengerter ihn nicht so gerne anbauen.

Über Winnenden hängen noch Nebelschwaden. Eine perfekte Aussicht über das Krankenhaus und die Stadt hat man trotzdem. Im Hintergrund ist sogar die B 14 zu erkennen. Am Unteren Roßberg in Breuningsweiler wird schon fleißig gearbeitet. Während die meisten Weingärtner erst in ein paar Wochen anfangen, ihre Trauben zu ernten, beginnen David und Markus Siegloch schon jetzt, denn der Frühburgunder ist erntereif.

Früher Erntebeginn bringt besondere Probleme mit sich

Die Gebrüder Siegloch kommen aus einer Familie von Weingärtnern. Bis zu 500 Jahre kann man in der Familiengeschichte den Weinbau zurückverfolgen. Die Eltern fingen in den 90er Jahren mit dem Weinbau an, die beiden Brüder übernahmen das Familienunternehmen 2014. Seitdem arbeiten sie auch mit ihrer Philosophie: Weinbau so natürlich wie möglich zu halten und nur die Pflanzenschutzstoffe zu benutzen, wenn unbedingt notwendig – so wie viele Wengerter im Remstal. Die Sieglochs bewirten knapp zehn Hektar mit 14 bis 15 verschiedenen Sorten. Markus Siegloch erklärt: „In Württemberg gibt es keine wirkliche Leitrebsorte.“ Früher sei viel Trollinger angebaut worden. Heute auch noch, aber auch noch sehr viele andere Arten.

Der Frühburgunder, wegen dem die Brüder jetzt schon im Weinberg sind, ist eine rote Rebsorte, die eher weniger bekannt ist als sein Verwandter, der Spätburgunder. Er entstand aus einer Mutation des Spätburgunders und war bis in die 1960er Jahre fast vollkommen ausgestorben, bis sein Potenzial erkannt wurde und man anfing, die Weintraube wieder anzubauen.

Der frühe Erntebeginn bringt aber einige Probleme mit sich. Da die Trauben als Erstes reifen, sind sie besonders beliebt bei allem möglichen Ungeziefer. Wenn die ersten Trauben reif sind, dann kommt „alles, was hier in der Gegend kreucht und fleucht, rein und frisst sich satt“, erklären die Mittdreißiger.

Dadurch entstehen viele Fraßschäden. Um dem entgegenzuwirken, benutzen David und Markus Siegloch Netze. Durch diese kommen die Schädlinge nicht so gut durch und es muss kein Ungeziefermittel benutzt werden.

Die Methode hilft: Während vor ein paar Jahren große Schäden an den Weintrauben zu beobachten gewesen waren, seien die Schäden inzwischen stark zurückgegangen.

Geerntet wird hier im Gewann Lauch in Kleinarbeit. Jede Weintraube wird untersucht, ob darunter Beeren sind, die entweder Schäden von der berühmt-berüchtigten Kirschfruchtfliege aufweisen oder durch Sonnenbrand ausgetrocknet sind. Bevor es in den Weinberg geht, schulen die Chefs ihre Mitarbeiter bezüglich der Schäden, auf die sie in diesem Jahr besonders achten müssen.

Das Problem der Kirschfruchtfliegen

Dieses Jahr ist insbesondere die Kirschfruchtfliege ein Problem, da das Wetter in den vergangenen Wochen ideal für das kleine Tier war. Kirschfruchtfliegen mögen kaltes und feuchtes Wetter und können sich deshalb gut vermehren. 2018 war das weniger schlimm. So hält jedes Jahr neue Herausforderungen bereit. Aber das ist für David und Martin Siegloch das Interessante an ihrem Job. Ohne die Abwechslung und den Kontakt mit der Natur würden sie diesen Beruf gar nicht machen wollen.

Durch diesen täglichen Naturkontakt wissen die Winnender auch, wann sie am besten ernten. Die Sieglochs beobachten den Weinberg das ganze Jahr über und arbeiten dann unter anderem mit Faktoren wie dem Wetter, dem Weinberg und der Erfahrung. Natürlich können die noch recht jungen Männer noch auf keine jahrzehntelange Erfahrung zurückgreifen. Doch dadurch, dass beide in den Weinbergen aufgewachsen sind, kennen sie sich recht gut aus. Schließlich waren sie auch mit den Eltern viel im Weinberg.

Der Spätburgunder sei besser zum „Philosophieren“

Doch was schmeckt eigentlich besser? Der Spätburgunder oder der Frühburgunder? Eine Frage, die man nicht so leicht beantworten könne. „Der Frühburgunder hat mehr Frucht“, sagt David Siegloch. Er sei somit ideal für die, die einen Zugang zum Wein brauchen. Der Spätburgunder sei dagegen besser zum „Philosophieren“. Wer sich mit Wein schon gut auskennt und herbere Weine mag, sollte zum Spätburgunder greifen, so David Siegloch.

Problem beim Frühburgunder ist, neben dem Ungeziefer, dass die Beeren sehr klein sind. Das bedeutet zwar, dass sie mehr Aromen haben, aber auch, dass der Ertrag kleiner ist, da die Beeren hauptsächlich aus Schale und Kernen bestehen. Für David und Markus Siegloch ist dies aber kein Problem: Für sie ist es „nicht so entscheidend, dass es viel Ertrag gibt“, sagt David Siegloch.

Er fügt hinzu, dass „die Grundsteine für ein gutes Weinjahr“ gegeben seien, denn die Trauben verbringen dieses Jahr 2019, im Gegensatz zu 2018, als der Erntebeginn schon Anfang August war, viel Zeit am Stock.


Start der Weinernte

Bei Wengertern der Remstalkellerei ist die Weinlese ebenfalls zu Wochenbeginn gestartet. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Werner Schaal erklärt, dass seit Montag der Acolon, Regent, Portugieser und Dornfelder geerntet würden. Auch mit dem Frühburgunder wurde schon angefangen, allerdings hat die Remstalkellerei nur zwei Mitglieder, die zusammen knapp einen Hektar bewirtschaften.

Bei den Fellbacher Weingärtnern ist am Freitag, 13. September, Start. Geschäftsführer Friedrich Benz sagt, dass von da an zuerst der Dornfelder und der Portugieser eingeholt werden. Frühburgunder gibt’s bei ihnen nicht.

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