"Der größte Crash aller Zeiten" Waiblinger Autorenduo Weik und Friedrich legt nach

Marc Friedrich (l.) und Matthias Weik kündigen locker vom Hocker das Ende der Welt an, wie wir sie kennen. Foto: Verlag

Waiblingen. Das Aus für den Euro und der Zusammenbruch der Weltwirtschaft lässt auf sich warten. Höchste Zeit für das Waiblinger Autorenduo Marc Friedrich und Matthias Weik, ihr viertes Buch zum Untergang nachzulegen. Und wieder klopft die Apokalypse an die Tür.

In der Bibel stehen die vier apokalyptischen Reiter für Machtmissbrauch der Obrigkeit, Krieg, Teuerung und Hungersnot sowie Tod und Pest. Bei Marc Friedrich und Matthias Weik sind unfähige Eliten, eine außer Rand und Band geraten Finanzindustrie, gigantische Verschuldung und der Euro die Vorboten des Untergangs.

„Bis spätestens 2023“ werde der Euro scheitern

Eins vorweg: Wer die ersten drei Bücher gelesen hat, wird wohl im vierten Buch allenfalls auf den neuesten Stand des Untergangs gebracht. Seit 2012, als Marc Friedrich und Matthias Weik ihren Coup mit dem Bestseller „Der größte Raubzug in der Geschichte“ landeten, hat sich aus ihrer Sicht nichts in der verfehlten Wirtschafts- und Finanzpolitik geändert. Der Zusammenbruch wird nur hinausgezögert. Sie nennen es Insolvenzverschleppung.

Derer hat sich vor allem EZB-Präsident Mario Draghi schuldig gemacht. Mit seiner Ankündigung „Whatever it takes“ hat Draghi im Juli 2012 nicht nur den Spekulanten, die im Zuge der Griechenlandkrise gegen den Euro wetteten, die Tour vermasselt, sondern auch Friedrich und Weik, die schon vor sieben Jahren das Ende des Euros voraussahen. Doch der Euro lebt. Aber nicht mehr lange. „Bis spätestens 2023“ wird der Euro scheitern, kündigen die beiden Ökonomen auf Seite 33 ihres neuen Buches an. An diesem Datum werden wir sie messen.

Der Euro als ökonomische Fehlkonstruktion

Man täte den beiden Ökonomen freilich unrecht, zu behaupten, sie würden Sachbücher schreiben. „Der größte Crash aller Zeiten“ spitzt wie seine drei vorangegangenen Werke ökonomische Fakten gekonnt zu. Weik und Friedrich sind meinungsstark, sie formulieren oft polemisch und bei ihren Lesungen kommt die Unterhaltung nie zu kurz. Der Raubzug katapultierte sie 2012 völlig unerwartet in die Bestseller-Listen. Es war das richtige Buch zur Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008/2009, bei der die Weltwirtschaft am Abgrund stand und die den Bürgern noch in den Knochen steckte. Seither reiten die Autoren gekonnt auf dieser Erfolgswelle. Ihre Grundthese ist: Der Euro ist eine ökonomische Fehlkonstruktion, seit der Krise überschwemmen die Zentralbanken, allen voran die europäische EZB, die Welt mit Geld, die Verschuldung wächst ins Unermessliche und ein Kollaps ist unvermeidlich. „Noch nie wurde eine Krise durch Geldrucken gelöst, und es wird auch dieses Mal nicht funktionieren.“

Aber ist die Wirtschaftslage in Deutschland nicht gut?

Auslöser für den Crash könnte eine Rezession sein, der Kollaps eines Eurolandes wie Italien, ein Krieg zwischen Iran und den USA oder eine neue Flüchtlingskrise, schreiben sie in „Der größte Crash aller Zeiten“.

Fast könnte man bei der Lektüre vergessen, dass die ökonomische Lage in Deutschland seit Beginn des Jahrzehnts sich für die meisten Bürger eigentlich recht gut darstellt. Die Arbeitslosigkeit ist gesunken, die Löhne sind gestiegen, die Chancen für junge Leute, Ausbildung und Arbeit zu finden, sind hervorragend. Während die nördlichen Euroländer wie Deutschland boomen, kommen die südeuropäischen auf keinen grünen Zweig. Für diese Länder ist der Euro ein Hemmschuh, die niedrigen Zinsen gleichzeitig jedoch überlebenswichtig. Hierzulande befeuert das billige Geld den Boom, der seine Kehrseite hat, wie Friedrich und Weik völlig zu Recht anmerken und den Finger in die Wunde legen. So führen die Niedrigzinsen zu einem Immobilienboom sondergleichen. Wohnen in Ballungsräumen wie der Region Stuttgart ist zum Luxus geworden. Die soziale Ungleichheit wächst.

Rundumschlag gegen Manager und Politiker, Medien und Justiz

Friedrichs und Weiks Kritik an der Wirtschafts- und Finanzpolitik, an den Notenbanken und den internationalen Konzernen ist aber grundsätzlicher. Das Buch ist ein Rundumschlag gegen Manager und Politiker, Medien und Justiz. Sie geraten in ein Fahrwasser, das bräunlich schimmert. Ihnen eine Nähe zur AfD zu unterstellen, wäre falsch. Doch sie bedienen dieselben Klischees, mit denen auch die AfD in braunen Gewässern fischt. Sei es Lügenpresse und Fake News, sei es die Flüchtlingspolitik („Einwanderer in unsere Sozialsysteme“) oder die Klimapolitik.

Meines Erachtens verwickeln sich die Autoren zum Teil in Widersprüche – abgesehen von einem schlampigen Lektorat, wenn es nur wenige Seiten auseinander zwei unterschiedliche Angaben zur Durchschnittsrente gibt. Einerseits werden ganz im neoliberalen FDP-Sprech zu hohe Steuern beklagt. So lautet eine Überschrift „Steuerwahnsinn: Wir zahlen die höchsten Abgaben weltweit!“. Andererseits prangern sie staatliche Versäumnisse an: zu wenig Geld für Polizei und Justiz, („Deutscher Rechtsstaat im Niedergang“) oder das „Infrastrukturdesaster Deutschland“. Doch wie soll ein funktionierender Schienenverkehr finanziert werden, wenn nicht durch Steuern? Und wie können die Folgen der zunehmenden ungleichen Vermögensverteilung zwischen Arm und Reich anders abgemildert werden, als durch steigende staatliche Transferleistungen?

Aufschlussreich ist ihr Ausflug in die Geldpolitik, bei dem Friedrich und Weik gründlich mit dem Mythos Geld aufräumen. Sollte es zum Kollaps kommen, dann sind die Besitzer von Geld samt Anleihen oder Lebensversicherungen die Gelackmeierten.

Vermögenssicherung beim Ritt in die Apokalypse

Friedrich und Weik betreiben in Lorch-Waldhausen ein eigenes Unternehmen, die „Friedrich & Weik Vermögenssicherung“. Nicht von ungefähr bieten die beiden Autoren ab Seite 245 ihres neuen Buches – wie im Untertitel „Wie Sie jetzt noch Ihr Geld schützen können“ versprochen – „Lösungen“ feil. Marc Friedrich und Matthias Weik sind nicht nur Bestsellerautoren und erfolgreiche Redner, sondern auch Vermögensberater auf Honorarbasis. Ihr Tipp auf einen Nenner gebracht heißt auf gut Schwäbisch „Sach’ bleibt Sach’“. Ihre Ratschläge zusammengefasst:

  • bis zu 30 Prozent Edelmetalle, bis zu zehn Prozent Diamanten,
  • bis zu 30 Prozent schuldenfreie Immobilien ohne Grundbucheintrag,
  • bis zu 15 Prozent Wald, Land, Acker, Wiesen;
  • bis zu 15 Prozent Aktien; bis zu 15 Prozent Exoten (Whisky, Kunst, Oldtimer, Uhren);
  • bis zu fünf Prozent Bitcoins, bis zu 20 Prozent Bargeld;
  • bis zu zwei Prozent Fremdwährungen,
  • bis zu drei Prozent kurzläufige Staatsanleihen (spekulativ).

Lebensmittel und Tauschartikel wie Alkohol im Keller bunkern: „Seien Sie Ihre eigene Bank, Ihr eigener Supermarkt, Ihre eigene Apotheke“.

Überraschenderweise sind Friedrich und Weik trotz Untergangsprophezeihungen keine Pessimisten. Zwar gebe es im bestehenden System keine Lösungen (Seite 356). „Aber kein Grund zur Sorge. Die Welt wird weder untergehen, noch werden wir für alle Ewigkeiten die Hölle auf Erden haben.“

Sie setzen auf Technik, Maschinen und künstliche Intelligenz, die die Menschheit rettet. Die Krise als Chance: „Dass Gier und Neid verschwinden werden und Zusammenhalt, Brüderlichkeit, Respekt und Harmonie die neuen Leitgedanken werden.“ Wenn dem so wäre, freuen wir uns auf die Apokalypse.

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