Der neue VfB-Stil unter Tim Walter Eine Garantie gegen Langeweile

„Wir brauchen die ‚alte Hasen‘", sagt Sportdirektor Sven Mislintant, "Didavi ist ja jetzt auch noch nicht 36, gut aussehen tut er auch noch.“ Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Stuttgart. Der Auftakt ist geglückt. Mit 2:1 wurde am Freitagabend Mitabsteiger Hannover 96 bezwungen. Mit Rotation, Ballbesitz, hohem Aufrücken und dem Willen, spielerische Lösungen zu finden, bietet die neue Taktik von Trainer Tim Walter eine Garantie gegen Langeweile. Und: die „alten Hasen“ haben zu ihrer Stärke zurückgefunden. Doch die schwere Verletzung von Abwehrspieler Marcin Kaminski dämpft die Stimmung im Lager des VfB Stuttgart erheblich.

Die schlechte Nachricht kam am Samstagmorgen. „Sehr bitter“ und „sehr hart“ sei die Knieverletzung von Abwehrspieler Marcin Kaminski, sagte Sven Mislintat, Sportdirektor des eigentlich glänzend in die neue Saison gestarteten Fußball-Zweitligisten.  Der 27-Jährige werde dem Aufstiegsfavoriten „voraussichtlich sechs Monate“ fehlen. Der neue Trainer Tim Walter muss umbauen. Mislintat schloss deswegen einen weiteren Transfer nicht aus. Wie Stürmer Sasa Kalajdzic erlitt Kaminski einen Kreuzbandriss. 

Debütant Awuodja wird zum „tragischen Helden“

Der polnische Verteidiger hatte sich nach der Rückkehr von Fortuna Düsseldorf bei den umgekrempelten Schwaben einen Stammplatz für den Auftakt erkämpft und laut Mislintat eine „wichtige Rolle“ übernommen. Bei der ersten Auswärtsaufgabe beim 1. FC Heidenheim wird auch Maxime Awoudja nach seinem VfB-Debüt zum Vergessen mit einem kuriosen Eigentor und einer Gelb-Roten Karte passen müssen. Dennoch war Tim Walter mit seinem Debütanten zufrieden und sprach von einem „tragischen Helden“: „Er hat das in der zweiten Halbzeit überragend gemacht und ist zu unrecht vom Platz geflogen“

Noch am Freitagabend hatte Walter ein überaus positives Fazit zum Auftakt gezogen. „Die Überzeugung ist richtig groß. Der Mut ist da, da kann wirklich was entstehen“, so Walter. Mit dem knappen, aber verdienten Sieg vermied der VfB nach Monaten voller Tiefschlägen, einem nachhallendem Abbruch der Mitgliederversammlung und dem Rücktritt von Präsident Wolfgang Dietrich ein weiteres Negativerlebnis.

„Es ist diffizil, deshalb werden wir noch eine Weile brauchen“

Vor allem in der Anfangsphase hatten die Schwaben große Probleme. Hannover stand gut organisiert in den Räumen und kam bereits nach zwei Minuten zu einer ersten dicken Torchance. „Es ist diffizil, deshalb werden wir noch eine Weile brauchen“, so Walter. Der neue VfB-Stil verlangt von allen Beteiligten eine gehörige Portion Mut. Im Spielaufbau müssen Innenverteidiger und Torhüter teilweise Kopf und Kragen riskieren. Im Offensivspiel leistet sich die Mannschaft noch zu viele Ungenauigkeiten. 

Doch was die Walter-Elf in jeder Phase des Spiels versprüht sind ein unbändiger Siegeswille und der Glaube an die eigene Stärke. So wurden die Stuttgarter direkt im Auftaktspiel ihrer Favoritenrolle gerecht. Wenig gleicht noch der Abstiegssaison. Es mache nach vielen Jahren des Hinterherlaufens Spaß, das Heft des Handelns in der Hand zu haben, lobte Stürmer Mario Gomez den Stil des früheren Kieler Coaches. Noch ist der VfB allerdings am Anfang. Ein realistisches Bild, wie erfolgreich der Weg zum erhofften direkten Wiederaufstieg ist, dürfte sich erst nach Wochen zeichnen lassen. 

„Wir brauchen die ‚alte Hasen

„In dieser Konstellation hilft jeder Sieg“, sagte Mislintat mit Blick auf die personelle Neuaufstellung. Und dieser Erfolg im Absteiger-Duell mit einem weiteren Aufstiegs-Mitfavoriten helfe noch ein bisschen mehr. Mit Rotation, Ballbesitz, hohem Aufrücken und dem Willen, spielerische Lösungen zu finden, bietet die Walter-Taktik eine Garantie gegen Langeweile.

Das System ist aber noch fragil. Verteidiger Marc Oliver Kempf räumte nach seinem ersten Einsatz als VfB-Kapitän ein: „Die ersten Wochen war es schon ein bisschen kritisch, da musste man sich ein bisschen mehr hinterfragen. Wenn man sieht, dass man Erfolg hat, und es funktioniert, kriegt man immer mehr Überzeugung in die Sache.“

In der umgekrempelten VfB-Mannschaft mit zahlreichen Neuzugängen waren es die bewährten Kräfte Gomez (34) und Daniel Didavi (29), die zu alter Stärke fanden und mit ihren Toren den Sieg sicherten. Der frühere Nationalspieler Gomez wirkte deutlich besser ins Spiel integriert als in der Vorsaison. „Es ist schön anzusehen“, sagte Mislintat und sorgte mit einem Spruch für Gelächter: „Wir brauchen die ‚alte Hasen‘. Didavi ist ja jetzt auch noch nicht 36, gut aussehen tut er auch noch.“


WhatsApp-Newsletter zum VfB Stuttgart

  • Schneller und einfacher geht's nicht: VfB-News direkt auf's Handy per WhatsApp. Mit unserem VfB-Newsletter bleiben Sie auf Ballhöhe und sind immer bestens informiert. Hier zeigen wir Ihnen, wie Sie sich anmelden können
  • Sie haben unseren ZVW-WhatsApp-Newsletter bereits abonniert und wollen zusätzlich noch den VfB-Newsletter erhalten? Dann schicken Sie uns einfach via WhatsApp eine kurze Nachricht und wir schalten Sie für unseren neuen Service frei.
  • Bewertung
    3
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!