Der Valentinstag Eine reine Werbemasche oder altes Brauchtum?

Rosen, insbesondere rote, sind der Renner unter den Valentinsgeschenken. Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen. Der Valentinstag – eine reine Werbemasche oder altes Brauchtum? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Die einen sind sich sicher, die Floristikindustrie habe das Fest erfunden, die anderen erklären den Ursprung mit dem Verweis auf frühchristliche Heilige. Klar ist jedenfalls: Der Valentinstag kurbelt auch in Waiblingen den Umsatz von Blumenläden, Buchhandlungen und Restaurants an.

Rote Rosen sind der Renner. Diese Beobachtung macht Corinna Stölzle von der Blumenhandlung Schmid in Waiblingen – „aber auch weiße Rosen werden gerne verschenkt und ein paar Frühlingsblüher, wie Tulpen oder Ranunkeln“. Auf jeden Fall, berichtet sie, kauften die Waiblinger deutlich mehr Blumen als an anderen Tagen – übrigens vor allem die Männer.

Grußkarten waren im England des 18. Jahrhunderts der Renner

Damit sind sie in bester Gesellschaft: Auch bundesweit sind Blumen, insbesondere Rosen, das mit Abstand beliebteste Valentinsgeschenk.

Die Waiblinger Frauen kaufen offenbar lieber Bücher. „Wir haben einen Büchertisch zum Thema Liebe hergerichtet, mit Liebesromanen und Gedichten. Das läuft gut“, sagt Laura Prochaska von der Buchhandlung Taube. Insbesondere Kundinnen griffen hier gerne zu, und zwar als Geschenk, aber auch für sich selbst.

Grußkarten hingegen scheinen aus der Mode gekommen zu sein, sie verkaufen sich weniger gut. Das war mal anders: Im 18. Jahrhundert entwickelte sich in England der Brauch, zum 14. Februar Grußkarten an geliebte Menschen zu verschicken. Dieser Brauch wurde bald so beliebt, dass Druckereien begannen, Valentinskarten in Serie herzustellen, die sogenannten „Mechanical Valentines“. Später wurden dann kunstvolle Karten mit echter Spitze oder Schleifen produziert. Ein britischer Verleger gab unter dem Titel „The Young Man’s Valentine Writer“ sogar ein Buch mit Valentinsversen heraus – für diejenigen jungen Liebhaber, denen die eigene poetische Ader fehlte.

Hier allerdings, darin sind sich Kritiker und Befürworter des Brauchs einig, liegt nicht der Ursprung des Valentinstages. Es kursieren verschiedene Theorien, wie er entstanden sein könnte.

Zum Ursprung des Brauchs kursieren einige Theorien

Einige bringen frühchristliche Märtyrer ins Spiel. So soll ein römischer Bischof namens Valentinus Liebenden, die an seinem Garten vorbeikamen, Blumen geschenkt haben. Außerdem soll er Paare christlich getraut haben, was im Heiligen Römischen Reich verboten war. Der Legende nach landete er dafür im Gefängnis und wurde schließlich geköpft. Zuvor aber schrieb er noch einen Liebesbrief an die Tochter des Gefängniswärters ...

Eine andere Erklärung führt die Entstehung des Valentinstag auf den französischen Minnesang im 14. Jahrhundert zurück. Die Minnesänger überbrachten lyrische Liebesbotschaften, in denen die Auftraggeber ihrer Angebeteten huldigten. Aus dieser Zeit sind wohl auch die ersten Valentinsbräuche gesichert überliefert.

Einige Autoren stellen auch einen Zusammenhang zu dem römischen Reinigungs- und Fruchtbarkeitsfest „Lupercalien“ her, das auf den 15. Februar fiel. Allerdings scheint es hierfür keine Belege zu geben.

Wo auch immer der Valentinstag seinen Ursprung hat, nach Deutschland kam er durch amerikanische Soldaten, die hier nach dem Zweiten Weltkrieg stationiert waren. Sie brachten den Brauch aus den USA mit, wohin ihn englische Auswanderer einst exportiert hatten.

Gezielte Werbung verstärkte den Trend

Verstärkt wurde der Trend hierzulande durch die Süßwaren- und Floristikindustrie, die wohl das Potenzial erkannte und gezielt Werbung zu diesem Anlass machte. Eine Erfindung der Werbebranche scheint der Valentinstag aber nicht zu sein.

Für viele Paare ist der 14. Februar auch ein Anlass, Zeit miteinander zu verbringen, zum Beispiel bei einem romantischen Abendessen. „Bei uns sind bisher schon vor allem Zweiertische reserviert, aber auch ein größerer“, sagt Petra Beyer, die Chefin der Beinsteiner Brunnenstuben. Am Valentinstag gibt es dort ein Vier-Gänge-Menü, aber auch eine kleine Karte für diejenigen, die den Tag der Liebe nicht ganz so ausgiebig feiern möchten. Sie rechne schon damit, dass das Restaurant an dem Abend gut ausgelastet sei, sagt Beyer. „Aber auch nicht viel mehr als an anderen Abenden, die auf das Ende der Woche zugehen.“


Andere Länder

  • In Finnland ist der Valentinstag als Tag der Freundschaft bekannt. Dort verschickt man anonym Karten und kleine Geschenke.
  • In Italien treffen sich Liebespaare an Gewässern oder Brücken und bringen dort gemeinsam ein kleines Schloss an. Der Schlüssel wird ins Wasser geworfen, auf dass die Liebe ewig halte.
  • In Irland pilgern viele Christen zum Schrein des heiligen Valentin, um dort zu beten.
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