Der VfB-Sieg in der ZVW-Analyse Eiskalt ausgekontert

München.
„Und ihr wollt Deutscher Meister sein?“ Die etwa 7.500 mitegereisten VfB-Fans feierten in der ausverkauften Allianz Arena bereits nach rund einer Stunde. Wenige Augenblicke zuvor hatte VfB-Stürmer Daniel Ginczek mit seinem zweiten Treffer auf 4:1 gestellt und die Partie in München quasi entschieden. Nach dem überraschend deutlichen Erfolg über den Rekordmeister dürfen die Schwaben sogar noch von der Teilnahme an der Europa-League-Quali träumen.

Wie der VfB Stuttgart zu seinem 4:1-Auswärtssieg über den FC Bayern München kam, zeigen wir in unserer ZVW-Analyse:

Formation und Aufstellung

Dreimal musste Trainer Tayfun Korkut seine zuletzt gegen Hoffenheim siegreiche Startelf verändern: Für die gesperrten Dennis Aogo und Santiago Ascacibar rückten Orel Mangala und Anastasios Donis in die erste Elf.

Chadrac Akolo übernahm die Position von Nationalstürmer Mario Gomez, der am Freitagabend zu ersten Mal Vater geworden war. Auch sein Spielsystem änderte der Stuttgarter Cheftrainer von einem klassischen 4-4-2 in ein extrem defensives 4-5-1-System.

Spielidee und Taktik

Gegen spielerisch überlegene Münchner ließen sich die Schwaben tief in die eigene Hälfte fallen. Chadrac Akolo war der erste Pressing-Spieler. Die Flügelspieler Erik Thommy und Anastasios Donis und auch Stürmer Daniel Ginczek zogen sich bei gegnerischem Ballbesitz tief in die eigene Hälfte zurück und so knüpften die drei Offensiven gemeinsam mit der Doppelsechs Gentner/Mangala vor der Viererabwehrkette eine engmaschige Fünferreihe.

Im Offensivspiel war beim VfB Tempo Trumpf. Über die pfeilschnellen Thommy, Donis und Akolo setzte der Aufsteiger gefährliche Nadelstiche und konterte den amtierenden Meister so im eigenen Stadion eiskalt aus.

Spielentscheider

War wie schon in den letzten Wochen die gnadenlose Effizienz der Stuttgarter vor dem gegnerischen Tor. Gepaart mit einer leidenschaftliche Defensiv-Leistung und einem überragenden Torhüter siegten die Schwaben so auch im Saisonfinale in München und verhagelten dem Rekordmeister die Meisterparty. 

Während die Münchner die Partie klar dominierten (80 Prozent Ballbesitz) und deutlich mehr Torchancen hatten (18 Torschüsse) wirkte die Heynckes-Elf in vielen Situationen unkonzentriert und fahrig.

Gegen die gut gestaffelte schwäbische Defensive fanden Müller, Lewandowski und Co. zu selten Lösungen. Zudem funktionierte die bayrische Absicherung bei schwäbischen Kontern überhaupt nicht.

Auf den Punkt gebracht

VfB-Trainer Tayfun Korkut sprach nach dem Spiel auf der Pressekonferenz vom „absoluten Highlight“ der Saison: „ Wir haben eine sehr homogene und gut organisierte VfB-Mannschaft gesehen. Unsere Nadelstiche haben wir sehr effektiv gesetzt.“

Auch Bayern-Trainer Jupp Heynckes zollte dem Gegner aus der schwäbischen Landeshauptstadt Respekt: „Der VfB war heute sehr gut organisiert und hatte eine großartige Defensive. Ein verdienter Sieg. Sie haben ihre Konter überragend abgeschlossen.“

Michael Reschke, Sportvorstand des VfB Stuttgart, kam mit einem großen Grinsen in die Mixed Zone und versuchte sich an einer ersten Analyse: „Das was die Mannschaft in den letzten Wochen geleistet hat, ist unglaublich. In der Rückrunden-Tabelle sind wir Zweiter! Das ist unfassbar.“

In der Stuttgarter Kabine habe eine „ganz eigenartige Stimmung“ geherrscht: „Eine Mischung aus großer Freude, Erstaunen und Verwunderung. Dass wir in München 4:1 gewinnen, ist surreal.“

Torhüter Ron-Robert Zieler erklärte den überraschend deutlichen Erfolg in München so: „Das Team hat gut verteidigt, ich konnte meinen Teil mit der einen oder anderen Parade beitragen und vorne waren wir mal wieder sehr effizient.“

Ausblick

Der VfB Stuttgart reist nach dem Saisonende noch zu zwei Testspielen in den Osten. Am 15. Mai (19 Uhr) tritt der VfB beim Halleschen FC an, einen Tag später (18.30 Uhr) gibt es ein weiteres Freundschaftsspiel beim FSV Zwickau.

Dann richten die Stuttgarter den Blick nach Berlin, wo am 19. Mai das DFB-Pokalfinale zwischen dem FC Bayern München und Eintracht Frankfurt gespielt wird. Gewinnen die Münchner, darf der VfB Stuttgart in der Qualifikation zur Europa League antreten. „Ich werde das Spiel mit einem Glas Rotwein im Fernsehen anschauen“, erklärte VfB-Coach Korkut, „dann müssen wir abwarten und schauen, was da kommt.“

„Gehen Sie davon aus, dass wir uns in jede Richtung Gedanken machen. Egal was kommt, wir werden vorbereitet sein“, sagte Manager Michael Reschke und ergänzte: „Wenn Bayern München gewinnen sollte, dann werden wir das Thema Europa-League-Quali angehen. Aber so weit sind wir noch nicht. Das gebietet der Respekt vor Eintracht Frankfurt.“

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