Deutscher Buchhandlungspreis 2019 Auszeichnung für Waiblinger Buchhandlung Taube

Laura Prohaska und Markus Schneider freuen sich über den Deutschen Buchhandlungspreis. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Die Buchhandlung Taube am Marktplatz ist für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert. „Wir sind unfassbar glücklich“, sagt Inhaber Markus Schneider. Die Preisverleihung findet am 2. Oktober in Rostock statt. Dann wird es nochmals spannend: Die Frage ist nicht, ob die Buchhandlung Taube überhaupt einen Preis bekommt, sondern ob sie als „hervorragende“, „herausragende“ oder als „beste“ Buchhandlung ausgezeichnet werden wird.

Als sich 2017 die kleine Buchhandlung Taube am Marktplatz niederließ, glaubten viele, das könne nicht gutgehen. Erdrückend schien die Konkurrenz der in Sichtweite liegenden Buchhandlung Osiander und vom Buchversandriesen Amazon im Internet. Zwei Jahre später ist „die Taube“ indes nicht nur quicklebendig, sondern wird auch mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Dieser Preis geht an inhabergeführte Buchhandlungen, die ein literarisches Sortiment oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, die innovative Geschäftsmodelle verfolgen oder sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung engagieren.

Lesungen, Vorträge und Kooperationen

Im Falle der Buchhandlung Taube passt das nach Ansicht der Jury offenbar aufs Beste. Buchhändler sei er nicht geworden, weil er gerne liest, sondern weil Buchhändler eine Aufgabe hätten, hatte Markus Schneider schon vor zwei Jahren im Gespräch mit der Zeitung erklärt. Und: „Wir sind auch ein freier Kulturträger und für Bildung mitverantwortlich.“ Leseförderung von Kindern und Erwachsenen hatte er sich von Anfang an auf die Fahnen geschrieben, Kooperationen, Lesungen und Vorträge von Verlagen angekündigt: „Die Verlage sollen zeigen, warum ein Buch wertvoll ist und guttut.“

Zwei Jahre später ist Markus Schneider, der auch noch eine Buchhandlung in Marbach führt, in Waiblingen voll angekommen. „Wir fühlen uns hier extrem willkommen und haben super gute Rückmeldungen.“ Kooperationen mit der Volkshochschule und Familienbildungsstätte laufen. In seinem Buchladen finden Lesungen statt. Seine Ladentür öffnet Schneider aber auch bei der Veranstaltungsreihe „Waiblingen erfrischt“, bei der er in Kooperation mit den Bäckern kleine Tüten mit Brot ausgibt, deren Erlös für soziale Zwecke bestimmt ist. Auch bei Lesungen im Haus der Stadtgeschichte ist er präsent, wie er sich überhaupt sozial und kulturell als aktiven Teil der Stadt versteht.

Nicht nur das Produkt dürfe im Vordergrund stehen, der Handel müsse sich auch dafür einbringen, dass die Stadt lebendig bleibt. „Wir wollen nicht einfach Bücher über den Ladentisch reichen“, sagt Schneider. Die Basis sei die Kompetenz als Buchhändler. „Das Wichtigste ist am Ende aber, ob sich die Kunden mit dem Laden identifizieren können.“

Keine "Stapelware"

„Stapelware“, sagt er, will er in seinen Buchhandlungen nicht anbieten, wohl aber eine große Bandbreite an Büchern. „Wir können keine Kiezbuchhandlung sein und eine Nische bedienen wie in Berlin“, sagt er. Dafür sei Waiblingen zu klein. „Ich weiß aber auch gar nicht, ob ich daran Spaß hätte.“ Seinen Beruf als Buchhändler findet er noch immer spannend, schließlich bedeute das viel mehr als am Regal zu stehen und die Kunden zu beraten.

Marketing, Akquise, Buchführung, Kommununikation gehörten ebenfalls dazu, und nicht selten sei ein Buchhändler auch ein Kummerkasten. „Man darf keine Berührungsängste haben“, sagt Schneider. „Wir sind für die Leute da und heißen alle willkommen.“ Willkommen sind die Kunden auch zur Feier des Buchhandlungspreises. Die Fete steigt am 4. Oktober in der Filiale in Marbach, Marktstraße 2. „Aber“, sagt Schneider, „wir können jetzt schon feiern. Wir sind über den Preis unfassbar glücklich.“


Der Preis

Im Herbst wird der Deutsche Buchhandlungspreis von der Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, zum fünften Mal verliehen. Die mit dem Preis verbundenen dotierten Gütesiegel werden in drei Kategorien an Buchhandlungen vergeben, deren durchschnittlicher Jahresumsatz in den vergangenen drei Jahren unter einer Million Euro lag.

Gütesiegel verbunden mit einer Prämie von jeweils 7000 Euro gehen an bis zu hundert hervorragende Buchhandlungen, die mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet werden. Gütesiegel verbunden mit einer Prämie in Höhe von jeweils 15000 Euro bekommen bis zu fünf Buchhandlungen, die aus den nominierten Buchhandlungen besonders herausragen.

Gütesiegel verbunden mit einer Prämie in Höhe von jeweils 25.000 Euro gehen an die drei besten der nominierten Buchhandlungen. Zusätzlich wird ein undotiertes Gütesiegel an bis zu zehn Buchhandlungen vergeben, deren Jahresumsatz in den vergangenen drei Jahren über einer Million Euro lag.

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