Deutschland Wandern auf dem Salzalpensteig

Der Chiemsee ist Start und Ziel des Salzalpensteigs. Der Weitwanderweg führt von Bayern ins Salzburger Land. Foto: Cyris

Franz Joseph Strauß lässt die Glocken läuten. Aber nicht etwa im Jenseits, sondern auf dem Hochfelln. Dort, auf dem Berg in den Chiemgauer Alpen, da steht er, der Franz Joseph Strauß. Mit zünftigem Filzhut und roten Backen. Der Namensvetter des berühmten Politikers (der sich allerdings mit „f“ schrieb) ist der Mesner der Gipfelkapelle. Zu besonderen Anlässen sperrt er das Tor auf. Etwa, wenn sich hoher Besuch ankündigt. Wie vor ein paar Jahren, als ein leibhaftiger bayerischer Ministerpräsident via Gondel einschwebte. Der Mesner durfte zum Empfang die Glocken läuten. „Franz Joseph Strauß trifft Edmund Stoiber“ - die Lokalpresse hatte ihre Schlagzeile. Skurrile Begegnungen und heitere Geschichten sind das Salz in der Suppe jeder Wanderschaft.

Erst recht auf dem Salzalpensteig. Salz, das weiße Gold der Alpen, ist der rote Faden auf dem grenzüberschreitenden Weitwanderweg. In Jahrtausenden prägte es die Region zwischen dem bayerischen Rosenheim und dem österreichischen Salzkammergut. Als wichtiges Konservierungsmittel sorgte es für Besiedlung und Handel, Wohlstand und Stadtzentren mit Prachtbauten. Motto: flüssige Bauherren dank krümeligem Salz. Die einst immense Bedeutung des Alpensalzes ist an vielen Bezeichnungen abzulesen: Salzburg und Salzach etwa, Hallstatt oder Bad Reichenhall. Die Silbe „hall“ geht entweder auf das keltische Wort „Hall“ für Salz zurück oder auf das germanische „Hallan“ für Salzkruste. Darüber streiten die Experten. Unstrittig ist, dass der Salzalpensteig durch eine hochinteressante Kulturlandschaft führt - der lukrative Salzabbau machte die Menschen erfinderisch. Die angeblich ältesten Pipelines der Welt etwa gehen auf den Salzabbau zurück. Die kilometerlangen Soleleitungswege, auf denen sie verlegt wurden, bilden viele Abschnitte auf dem Salzalpensteig. Auch durch unbeleuchtete Bergstollen geht es hindurch. Das einzige Licht in diesen Gängen ist das Licht am Ende des Tunnels.

Der Verlauf des Salzalpensteigs

Prien am Chiemsee ist Start- beziehungsweise Zielort der 18 Etappen. Am flachen Seeufer lässt es sich prima warmlaufen - für höhere Aufgaben. Die warten spätestens am Hochfelln. Mit seinen 1674 Meter Höhe ist der Berg die höchste Erhebung auf der gesamten Route, die ansonsten weitgehend moderate Abschnitte bereithält und auch von durchschnittlich trainierten Wanderern bewältigt werden kann. „Der Steig ist auch für Hundehalter mit ihren Vierbeinern geeignet“, sagt Brigitte Zobel, die Wegmanagerin. Zu Füßen des Hochfelln, am Ortsrand von Grassau, steht das unscheinbare Museum „Salz & Moor“, das aber mit bemerkenswerter Technik aufwartet. Die Solepumpstation in dem Gebäude pumpte von 1810 an Solewasser aus Berchtesgaden und Bad Reichenhall bis nach Rosenheim. Dutzende Kilometer über Stock und Stein, durch ausgehöhlte Baumstämme. Geniale Ingenieurskunst. Apropos Pumpe: Spätestens auf dem Hochfelln ist der Kreislauf in Schwung. Die restlichen 15 Tagesetappen können in Angriff genommen werden. Es warten noch zwei der schönsten Seen der nördlichen Alpen: der Königssee und der Hallstätter See. Drei der malerischsten Schluchten: Weißbachschlucht, Lammerklamm, Salzachöfen. Interessante Museen zur Geschichte des Salzabbaus sowie Bilderbuchorte: Etwa Ramsau, Gosau, Hallstatt und Berchtesgaden. Salz macht bekanntlich durstig, was eine der Ursachen sein könnte, weshalb der Bierkonsum in Oberbayern als überdurchschnittlich hoch gilt.

Der Durst kann in unzähligen Almhütten und urigen Restaurants gestillt werden. Viele liegen direkt an der Strecke. Natürlich auch beim Nachbarn: Rund ein Drittel des Wegs befindet sich auf österreichischer Seite. Auf den letzten Metern vor der Grenze, im Dorf Gmerk, verengt sich die Straße und ein echter Schlagbaum versperrt den Weg. Der Hang, mit Panoramablick ins Tennengau südlich von Salzburg, ist das Revier von Hans Meisl. Mit Wanderern hält er gerne einen Plausch und erzählt, wie nach dem Krieg Schmuggler die Pfade ringsherum nutzten, um Bohnenkaffee und Zigaretten über die Grenze zu bringen. Bergab geht es nach Österreich. Auf einem Weg namens Rumpelgasse. Doch keine Sorge, auch auf den letzten Etappen ist der Salzalpensteig gut begehbar und ausgeschildert. Das Deutsche Wanderinstitut hat ihn nicht zufällig als Premiumweg zertifiziert. Quasi wie auf Schienen beziehungsweise auf Soleleitungswegen geht es ins Salzkammergut bis zum Hallstätter See. Im ältesten Salzbergwerk der Welt, hoch über Hallstatt, wird noch immer salzhaltiges Wasser gefördert - die Sole. Um das Salz zu gewinnen, wird die Sole zum Dampfen gebracht. Die Schuhsohlen können auf dem 233 Kilometer langen Salzalpensteig auch mal ins Qualmen geraten. Da ist spätestens am Ziel in Obertraun eine deftige Brotzeit angesagt. Oder eine Jause, wie man hier sagt. Ob Brotzeit oder Jause, egal, Hauptsache, gesalzen.

 

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