Die Basketballer von ratiopharm Ulm Ein Nachwuchszentrum, hart erkämpft

Die Basketballer von ratiopharm ulm – hier Per Günther (links) im November 2017 mit Kris Richard von den Walter Tigers Tübingen – sollen jetzt ein Jugendleistungszentrum bekommen. Foto: Baumann

Ulm - Mit den Ulmer Stadträten ist nicht gut Doppelpass spielen: zu bedächtig im Aufbau, etwas behäbig im Abschluss, eine grundsätzlich defensive taktische Einstellung. Das haben die Geschäftsführer des Ulmer Basketball-Bundesligaclubs Ratiopharm Ulm, Thomas Stoll und Andreas Oettel, im vergangenen Jahr recht schmerzlich erfahren müssen, als sie bei dem politischen Gremium wegen Steuerzuschüssen für ein Jugendleistungszentrum vorstellig wurden. Orange ist die Hausfarbe des Hauptsponsors Ratiopharm, und so sollte dieses Zentrum den Namen Orange Campus bekommen.

Die Idee für das Zentrum datiert schon vom Jahr 2010, aber es dauerte, bis sich Finanzierungs- und Standortfragen konkretisierten. Direkt am bayerischen Donauufer soll nun gebaut werden, auf einer kommunalen Fläche, die aktuell noch vom städtischen Bauhof und der DLRG belegt wird. Zum Komplex sollen drei Trainingshallen mit Platz für 500 Zuschauer gehören. Ein Fitnesscenter, Büros und eine Mensa stehen außerdem in den Plänen.

Geschätzte Gesamtkosten: 23 Millionen Euro. Gut sechs Millionen Euro plus ein städtisches Millionendarlehen hätten die Korbjäger gern von den Rathäusern Ulm und Neu-Ulm gehabt. Aber der Ulmer Oberbürgermeister Gunter Czisch (CDU) nahm den Ball nicht an. Zu viele ungeklärte Geldrisiken, befand der frühere langjährige Finanzbürgermeister der Stadt.

Es gibt viele Begehrlichkeiten in Sachen Sportförderung

Wie eine Stadt Millionen verliert, indem sie einen Profisport alimentiert, der alsbald an der eigenen Hybris zugrunde geht, hat Ulm zur Jahrtausendwende erlebt. Ein sportlich glückloses Jahr Fußball-Bundesliga hatte gereicht, den SSV Ulm 1846 pleitegehen zu lassen. Städtische Kredite, zum Beispiel für eine Gegentribüne im Donaustadion, waren verloren. Spätere SSV-Vorstände, die beim damaligen Oberbürgermeister Ivo Gönner (SPD) wegen neuer Hilfen erschienen, wurden geradewegs durch die Drehtür geschickt. „Auch in der Kreisliga gibt es faszinierende Begegnungen“, pflegte Gönner mit dem freundlichsten Lächeln zu sagen.

Ein wenig in dieser Tradition hat es auch Gönners Amtsnachfolger Czisch gehalten. Vor allem verlangte er im Detail zu wissen, wie die Basketballer ihren Eigenanteil am Jugendzentrum zu stemmen gedächten. Das Rathaus sieht sich noch von anderer Seite großer Begehrlichkeiten in Sachen Sportförderung ausgesetzt. Im Westen der Stadt residiert die TSG Söflingen mit gut 6000 Mitgliedern, dort soll eine Multifunktionshalle namens Sportopia gebaut werden. Beim schon besagten SSV Ulm nagt der Zahn der Zeit am 20 000 Zuschauer fassenden Donaustadion, ebenso wie am vereinseignen Schwimmbad. Überhaupt gibt es in der Stadt 78 Sportvereine, ihre Mitgliederzahl entspricht einem Drittel der Ulmer Bevölkerung. Allen Wünschen gerecht zu werden, mag sich Rathauschef Czisch gedacht haben, schafft die größte Gießkanne nicht.

Über den Winter war es ruhig geworden um den Basketballverein, der sich das Kürzel BBU ’01 (für Basketball Ulm) gegeben hat. Dann, zum Sommer, kamen Stoll und Oettel mit einem neuen Finanzierungskonzept: Ein Zusammenschluss dreier regionaler Volksbanken hatte ein Darlehen fürs Nachwuchszentrum von neun Millionen Euro bewilligt. Die letzte Feinarbeit am Finanzierungsmodell konnte beginnen.

Das Nachwuchszentrum wird aufgesplittet

Und das wurde Ende Juli, kurz vor der politischen Sommerpause, von den Gemeinderäten in Ulm und Neu-Ulm beschlossen: Das Nachwuchszentrum wird in einen Vereinsteil (mit den Sporthallen) und einen GmbH-Teil (Fitnesscenter, Büroräume) aufgesplittet. Ausschließlich für den gemeinnützigen Vereinsteil schießt Ulm drei Millionen Euro zu, Neu-Ulm 1,5 Millionen Euro. Beide Städte gewähren zudem weitere Darlehen in der Gesamthöhe von knapp drei Millionen Euro. Mit der rechtlichen Aufsplittung des Nachwuchszentrums haben die Stadträte das Risiko einer Finanzpleite der Basketballer zumindest für sich minimiert. Oberbürgermeister Czisch und sein Neu-Ulmer Kollege Gerold Noerenberg (CSU) sind zugleich den Vorwurf losgeworden, den einzigen verbliebenen Spitzensport in der Doppelstadt durch Bedenkenträgerei zu behindern.

Seit dem 18. August droht allerdings eine unerwartete neue Gefahr für die kommunalen Finanzer. Da schlug der SSV 1846 den Vorjahres-Pokalsieger Eintracht Frankfurt zu Hause sensationell mit 2:1. Der Ulmer Fußball, sagen seither viele, müsse jetzt wieder ganz nach oben gebracht werden.

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