„Die Frau in Schwarz“ im Theater der Altstadt: Gruselgeschichte mit Rollentausch

Jörg Pauly (li.) und Bernhard Linke in „Die Frau in Schwarz“ Foto: Sabine Haymann

Stuttgart - Ziemlich ungewöhnlich beginnt Stephen Mallatratts Gruselstück „Die Frau in Schwarz“ im Theater der Altstadt. Arthur Kipps (Bernhard Linke) möchte dem Publikum einen schrecklichen Teil seiner Lebensgeschichte erzählen, um sich davon zu befreien. Ein Schauspieler (Jörg Pauly) soll ihm für dieses Erzählen professionelle Hilfestellung geben, und der hat eine originelle Idee. Er selbst möchte Kipps mimen, Kipps seinerseits soll diverse Figuren seiner Geschichte spielen. Und so geschieht’s. Ein Stück im Stück hat sich Mallatratt für seine Dramatisierung des gleichnamigen Romans von Susan Hill im Stil einer Gothic Novel ausgedacht. Das Gruseldrama spielt Anfang des vorigen Jahrhunderts.

Der junge Anwalt Kipps reist in ein abgelegenes englisches Küstendorf. Dort lebte Alice Drablow, eine nun verstorbene Mandantin, sechzig Jahre lang in einem einsamen Haus. Kipps hat ihren Nachlass durchzuschauen. Bei der Beisetzung Drablows huscht eine Dame vorbei, die später auch in dem selbstverständlich düster-unheimlichen Haus der Verblichenen herumgeistert. Undefinierbare Rumpelgeräusche, eine Zimmertür ohne Klinke und der nicht lokalisierbare Schrei eines Kindes bieten klassische Ingredienzen einer Gruselstory.

Die letzte Pointe ist atemberaubend

Ästhetisch wunderbar einfaches Theater ermöglichen die Möbel auf der Bühne (Ausstattung: Thomas Mogendorf): Zwei Truhen mimen Pferd und Kutsche, und ein Schrank dient als Zugabteil. Bisweilen lahmt das Stück etwas, doch die eher ernste Inszenierung (Gerhard Weber) ganz ohne alberne Gruselmätzchen überzeugt, und die beiden Schauspieler machen ihre Sache richtig gut. Jörg Pauly gibt gekonnt den rational-furchtlosen Junganwalt, der dann doch ins Gruseln kommt, und Bernhard Linkes Wandlungen zuzuschauen ist ein Vergnügen. Bravourös spielt er einen knarzigen Chef und einen wortkargen Kutscher, einen Kanzleiangestellten und einen leicht schrägen älteren Herrn, dazu noch weitere Figuren.

Die vom Publikum lang erwartete Auflösung der Geschichte präsentiert sich in Gestalt einer unschönen Familien-Psycho-Konstellation. Dann folgt noch eine Wendung und zehn Sekunden vor dem Fall des Bühnenvorhangs die letzte, durchaus atemberaubende Pointe. Dass dieses Stück in London seit Jahren ein Bühnen-Dauerbrenner ist, kann man nicht unbedingt nachvollziehen, denn der Schluss wirkt doch etwas überkonstruiert. Dennoch macht der Abend im Theater der Altstadt Spaß, mit seinem Spiel im Spiel, einem Akteur, der viele Rollen stemmt, und mit formaler Reduktion. Manchmal reicht in dieser Inszenierung ein bisschen witzige Pantomime.

Aufführungen 30. und 31. Januar

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