Die Lebensretter Erste Hilfe: Ein Kurs zur Auffrischung schadet nie

Waiblingen. Hand aufs Herz, wer beherrscht sie noch, die stabile Seitenlage oder gar die Herzdruckmassage, die man als Führerschein-Anwärter einmal gelernt hat? Die Ausbildung in Erster Hilfe gehört zu den wichtigsten Aufgaben des Ortsvereins des Deutschen Roten Kreuzes, der übers Jahr regelmäßig Kurse anbietet – auch zur Auffrischung.

Eine kleine Geschichte, wie sie das Leben schreibt: Eine Frau denkt sich seit Jahren in unregelmäßigen Abständen, dass es doch sinnvoll wäre, irgendwann das alte Erste-Hilfe-Wissen wieder aufzufrischen. Eines schönen Tages entschließt sie sich, sich bei einem Kurs anzumelden. Keine 24 Stunden nach Abschluss des Lehrgangs kippt in einer U-Bahn-Station ein älterer Mann direkt neben ihr um. Beherzt packt sie an, prüft seine Atmung und bringt den Ohnmächtigen wie gelernt in die stabile Seitenlage, während andere Passanten den Rettungsdienst rufen.

Keine Angst vor Fehlern: Das Schlimmste ist nichts zu tun

Solche Geschichten hört Sina Löhle, die Bereitschaftsleiterin des Waiblinger DRK-Ortsvereins, öfter. Ihre klare Empfehlung lautet, es zu tun und sich anzumelden. Der Rotkreuz-Kurs in Erster Hilfe wendet sich an alle Interessierten – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Hauptziel des Ortsvereins ist es, den Teilnehmern Handlungssicherheit zu vermitteln, in nahezu jedem Notfall in Freizeit und Beruf. „Das Einzige, was man falsch machen kann, ist nichts zu machen“, meint Sina Löhle. Wobei Erste Hilfe früher anfängt, als die meisten Leute denken, nämlich schon beim abgesetzten Notruf.

Seit einigen Jahren bietet das Rote Kreuz im DRK-Haus im Gewerbegebiet Eisental einen „Kurs für alle“. Dazu wurde der bisherige Grundkurs mit 16 Unterrichtseinheiten auf neun Unterrichtseinheiten verkürzt. Immer noch genug, um den Teilnehmern in zahlreichen Übungen die Grundlagen näherzubringen. Auf Teilnehmer aus Betrieben kommen dabei keinerlei Kosten zu. Die Kursgebühren werden laut Sina Löhle in der Regel von der zuständigen Berufsgenossenschaft übernommen.

Die Ausbilder sind ehrenamtlich tätig

Manchmal wundern sich Teilnehmer, weil sich Kurs-Inhalte gegenüber ihrem alten Wissen verändert haben. Der Grund: „Man versucht immer, Erste Hilfe einfacher zu machen“, sagt die Bereitschaftsleiterin, „alte Maßnahmen sind meistens nicht falsch.“ Beispielsweise eine stabile Seitenlage nach alter Schule. Wer sie beherrscht, kann sie anwenden. Auch die frühere Drei-Finger-Regel bei der Suche nach dem richtigen Druckpunkt zur Herz-Lungen-Wiederbelebung ist nicht falsch. Die Faustregel „unteres Drittel Brustbein“ sei aber deutlich einfacher für die Ersthelfer.

Beim Ortsverein Waiblingen sind alle Ausbilder ehrenamtlich tätig, pro Jahr kommt etwa ein neuer Ausbilder dazu. Die Zuständigkeit für die Breitenausbildung liegt seit 2014 bei Philipp Gruber. Das Angebot wurde in den vergangenen Jahren vervielfacht und umfasst mehr als 50 Kurse jährlich, davon rund 35 in Erster Hilfe. Außerdem im Programm: Reanimationstraining, Erste Hilfe am Kind, Defibrillator-Training und Erste Hilfe für Senioren. Rund 500 Menschen nehmen jedes Jahr daran teil. Besonderes Angebot: Der Kurs „Gemeinsam gegen den Herzinfarkt“, getragen vom gleichnamigen Verein, wurde von Kardiologen aus dem Landkreis gegründet und wird ausschließlich aus Spenden finanziert. Neben dem Vortrag eines Kardiologen gehören dazu Übungen zur Reanimation und am Defibrillator.


Termin

Der nächste Erste-Hilfe-Kurs des Ortsvereins Waiblingen findet am 17. März im Rotkreuz-Haus in Waiblingen (Eisental) statt. Anmeldungen sind unter ausbildung@drk-waiblingen.de oder www.drk-waiblingen.de möglich.
 

Die bisherigen Teile unserer Serie:

Teil 1 - Notfallsanitäter: Leben retten ist ihr Job

Teil 2 - Wer Blut spendet, rettet Leben

Teil 3 - Ruhe bewahren, wenn andere feiern

Teil 4 - Das Team für den äußersten Notfall

 

 

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