Die S 3 bringt ihn nach oben Kito - die Geschichte des Schwaikheimer Rappers

Kito (l.) und Paddybeatz. Foto: Schneider / ZVW

Schwaikheim. Sein Hit „S 3“ wurde auf Spotify bislang über 37 000-mal angehört, das Video dazu auf Youtube über 17 000-mal angeschaut. Ein Jahresabo vom VVS wäre da eigentlich mal fällig, witzelt Kevin Hofmeister zum Erfolgswerk des Schwaikheimer Rappers Kito.

Als Kito auf Nachfrage im Interview, bereitwillig, ohne zu zögern, seinen bürgerlichen Namen, Kai Mücke, nennt, wär auch ein Späßchen denkbar. Aber das verkneift sich der aus Weinstadt stammende und mittlerweile in Waiblingen wohnende Musikmanager. Kito ist nicht nur sein Klient, sondern auch Kumpel.

Angestellter Kaufmann im Groß- und Außenhandel

Der 24-jährige Schwaikheimer hat nicht nur einen ganz bürgerlichen Namen, er verdient, bislang, sein Geld auch ganz schwäbisch-ehrlich, als angestellter Kaufmann im Groß- und Außenhandel in Backnang. Ludwig-Uhland-Grundschule, Friedensschule in Neustadt, Ausbildung, „Zweier-, Dreierkandidat“ berichtet er, glaubhaft, zur Schulzeit, und beim TSV gekickt.

Erstes Lied war damaliger Freundin gewidmet

Mit 15, 16 begann er Texte zu schreiben. Das erste Lied war seiner damaligen Freundin gewidmet, genauer gesagt, ausschließlich, nur für sie gedacht, als Geschenk zum Einjährigen, er spielte es ihr auf dem iPod vor, nachdem er sie gefragt hatte, ob sie „das Lied von Usher“ kenne. Volltreffer, durchschlagender Erfolg, erinnert er sich heute noch. Und dass es ein richtiger Song war, also instrumental unterlegt. Er schrieb weiter, regelmäßig Texte, „für mich und meine Jungs“, die Beats dazu holte er sich aus dem Internet, kaufte sich ein günstiges Mikro, rappte zu ihnen. „Ich zeigte ihnen die Sachen unterwegs, die waren begeistert.“

Auftritte im Fellbacher Club „The Vibe“ und im „MixX“ in Backnang

Öffentlich wurde seine Musik, nachdem er vor rund zwei Jahren Patrick Held aus Leutenbach kennenlernte. Der 21-Jährige ist bekannter unter seinem Künstlernamen Paddybeatz (!) und als Produzent der Dritte im Bunde. Sie nahmen in dessen Homestudio den ersten Song auf, drehten das erste Video, low budget, mit Bekannten und Kumpels als Zuhörern und Zuschauern, nachdem sie extra eine Wohnung dafür hergerichtet hatten, mit Neonfarben und Schwarzlicht, mixten Aufnahmen aus einer Disco und einer Shisha-Bar dazu und luden das Ganze auf Youtube sowie den sonstigen üblichen Social-Media-Kanälen hoch.

Video: Der Hit "S3" von Kito.

Der Auftritt dort wurde so oft geteilt, dass Kito einen Auftritt im Fellbacher Club „The Vibe“ bekam, in der Folge für den Club Barbee an der Stuttgarter Theo, für den MixX-Club in Backnang, und er im Perkins Park an einem Rap-Contest teilnahm, wo er es immerhin ins Finale schaffte. Auch auf dem heimischen Sonnendeckfestival ist er in diesem Jahr aufgetreten, jüngst bei der langen Einkaufsnacht in Stuttgart open air am Rotebühlplatz, außerdem im Keller-Klub und im Witzigmann als Vorgruppe für Ufo 361.

Aufwand für die Videos setzt Grenzen

Rund 20 Lieder haben sie mittlerweile im Repertoire, die Videos dazu stehen alle auf Youtube, die Songs bei den üblichen Streamingdiensten. Die Klicks dort sind die harte Währung, der Bekanntheitsgrad zählt. Dieses Jahr soll noch einiges laufen, rauskommen. Der Aufwand für die Videos setzt aber Grenzen. Sie sind die Werbung für die Songs. „Die Leute wollen die erst mal sehen, die machen die Songs attraktiver“, erklärt Kito. Die Leute seien nun mal den ganzen Tag am Handy, „die wollen den Lifestyle sehen, die Leute, die hinter den Songs stehen“, ergänzt Paddybeatz, „deshalb hat Youtube ja so eine große Bedeutung“. Ein Ausweg, den sie vorerst auch nehmen: nur ein Lyrikvideo (gezeigt wird nur der Text zur Musik) hochladen.

Autogramme für Kinder beim Homebase-Debüt

Ist Rap nur was für junge Leute? Also, da wollen sie sich nicht auf eine bestimmte Ziel- oder Altersgruppe festlegen lassen. Rap würden schließlich auch über Dreißigjährige hören, „die sind ja mit dem aufgewachsen“. Beim Heimspiel Sonnendeckfestival, in Kitos „Heimbase“, wie er sagt, seien andererseits kleine Kinder nach vorne gekommen und hätten ein Autogramm gewollt. Außerdem habe sich Rap verändert, sei melodiöser geworden, es gehe schon lange nicht mehr ums Drogenverticken, die Tracks griffen Themen aus allen Lebensbereichen auf, die Musiker würden sich nicht mehr als Gangster geben, sondern als Künstler. „Aber klar, es geht auch um Klischees, das Reichsein wird ironisch gesehen“, meint Kito, „wir sind selbst doch bodenständig. Ich fühl’ mich wohl in Schwaikheim.“ Eigentlich wolle er gar nicht weg. So ein Häuschen am Ortsrand, das wär’s doch. Sagt ein Rapper von heute.


Drei Fragen an Rapper Kito

Wie kam es zu „S 3“?

Wir saßen im Studio und haben uns Ideen für neue Songs überlegt. Wir sind viel unterwegs am Wochenende, aber keiner will selbst fahren. Warum, ist ja klar. Also fahren wir meistens mit der S 3. Die ist also ein wichtiger Bestandteil unserer Wochenenden. Wir haben gedacht, damit können sich viele Leute identifizieren, denen es auch so geht. Man kann sich etwas in den Becher schütten ohne schlechtes Gewissen, weil man ja mit der Bahn fährt. Die S 3 hat ja eine Reichweite von Backnang bis zum Flughafen. Das ist doch die Region, die uns prägt. Jugendliche fahren mit der S 3 zur Schule, zu Freunden, in die Disco. Wir bekommen ja mittlerweile Bilder zugeschickt von Leuten aus der S 3 heraus, die sich dabei gerade unser Lied anhören. Einer war aber mal so ungeschickt, dass man da im Hintergrund die Ansage für die S 2 gehört hat. Das geht natürlich gar nicht (lachen).

Um was geht es in „S 3“?

Zusammen weggehen, gemeinsam Spaß haben. Wir wollen die ganze Umgebung da in den Vordergrund stellen, zeigen, wo wir herkommen. Wir sind mit ihr zuerst zur Schule gefahren, später zum Einkaufen, Bummeln nach Stuttgart und mittlerweile eben dorthin an den Wochenenden zum Feiern.

Hat sich der VVS schon bei euch gemeldet?

Nein, bislang haben wir von dem nichts gehört. Aber wir haben den auch nicht auf uns aufmerksam gemacht. Außerdem, das muss man ehrlicherweise auch sagen, die S 3 gibt es ja nicht nur hier, sondern überall, wo es S-Bahn gibt, ist auch S 3. Aber wenn wir hier S 3 sagen, weiß jeder sofort, was damit gemeint ist. Da sagt auch keiner „Zug“.


Auftritt in Backnang

Am 21. Dezember tritt Kito im MixX-Club in Backnang auf.

  • Bewertung
    15
 

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!