Die WG - mein Zuhause Partys statt Langeweile

Weinstadt-Schnait. Sie haben ein eigenes kleines Kino, einen Partykeller, dazu eine Bar – und sie feiern gern: Jonathan Bihlmaier, Michael Henning, Maren Burjan, Samuel Laaser und Samuel Herbrich wohnen in einem der ältesten Häuser von Schnait. Ihre WG nennen alle nur „Das Anwesen“.

Video: Die WG "Das Anwesen" in Schnait.

Samuel Herbrich liebt das Abenteuer. Als er sah, wie der Pegel der Rems jüngst stieg, wollte er nur eines: mit seinem selbstgebauten Floß auf den Fluss. „Da habe ich den Chef angerufen: Hey, es ist Hochwasser – kriege ich frei?“ Und der 32-Jährige bekam seinen freien Tag. Stolz präsentiert er am Rechner sein Floß-Video, es ist einer von vielen Clips, die er bislang gedreht hat. Sie geben Einblick in sein Leben und das seiner fünfköpfigen WG, zeigen Hauspartys, gemeinsame Urlaube, Abenteuertouren. Samuel Herbrich gefällt es, immer Leute um sich zu haben – und sein Haus in der Brunnenstraße findet er dafür äußerst passend: „Das wäre eine fette Verschwendung, wenn hier nur eine Familie einzieht. In meinem Kopf wird das immer eine WG sein.“

„Für mich kann das Bild nicht groß genug sein“

Samuel Herbrich wollte schon immer ein eigenes Haus haben. Gekauft hat er das Gebäude in der Brunnenstraße vor rund fünf Jahren, beraten hat ihn dabei sein Vater. Er begleitete ihn beim Banktermin und beim Notar. „Dann habe ich einen Schlüssel gekriegt – und dann fing die eigentliche Arbeit an.“ Schließlich hat Samuel Herbrich eines der ältesten Häuser in Schnait erworben: Es stammt laut dem Weinstädter Stadtarchivar Bernd Breyvogel aus dem 16. Jahrhundert und war natürlich renovierungsbedürftig. Kein Problem für den Bauarbeiter: Er machte vieles selbst, manches allein, manches mit Freunden. Allerdings beließ es Samuel Herbrich nicht beim Sanieren, sondern baute auch Extras ein: Aus dem Keller wurde eine Partylocation, mit neuem Tanzboden, Lüftung und Scheinwerfern. Sogar ein Kino richtete er ein. Die Leinwand hat eine Bilddiagonale von 2,8 Meter, dazu gibt es 14 Sitzplätze, die auf mehrere Reihen verteilt sind. Und das kommt bei den Mitbewohnern gut an. „Ich liebe Filme – für mich kann das Bild nicht groß genug sein“, sagt Michael Henning, der seit einem Jahr in der WG lebt. Die hat übrigens einen eigenen Namen: Sie heißt nur „Das Anwesen“ und hat eine eigene Facebookseite. Nicht zuletzt wegen der Partys, die dort ein paar Mal im Jahr steigen.

Maren Burjan (24) wohnt erst seit rund zwei Monaten in der WG, hat aber schon bei der ersten großen Feier mitgeholfen. Über das Internetportal „WG gesucht“ ist die Rheinland-Pfälzerin auf die Wohngemeinschaft aufmerksam geworden. Sie fand allein schon Samuel Herbrichs Text witzig, in dem stand, dass sich der neue Bewohner die Zähne putzen und doch bitteschön sein Sonntagslächeln aufsetzen soll. Sie dachte sich: „Guck’ ich mir mal den Haufen an.“ Maren Burjan kochte beim ersten Treffen mit ihren künftigen WG-Kollegen – und beim gemeinsamen Burger-Vertilgen merkte die Studentin schnell, dass die Chemie stimmt. Dass sie die einzige Frau ist und mit Jonathan Bihlmaier, Michael Henning, Samuel Laaser und Samuel Herbrich gleich vier männliche Mitbewohner hat, stört sie nicht. „Es hat alles seine Vor- und Nachteile. Ich würde nicht sagen, dass Männer chaotischer sind.“ Maren Burjan hat bereits zuvor in einer reinen Frauen-WG gewohnt, sie hat also Vergleichsmöglichkeiten. „Es ist auf jeden Fall ein bisschen gelassener als mit vier Frauen.“

Teilweise machen die WG-Bewohner sogar gemeinsam Urlaub. Jonathan Bihlmaier (26) lebt seit mehr als zwei Jahren im „Anwesen“, er hat Samuel Herbrich 2015 unter anderem bei einer Bustour durch zwölf Länder begleitet. Da ging es durch Tschechien, Polen, Weißrussland, die Ukraine, Litauen, Lettland, Estland, Finnland, Schweden, Norwegen, Dänemark und Deutschland – und natürlich hat Samuel Herbrich alles in einem rasant geschnittenen Video festgehalten. Jonathan Bihlmaier wollte ursprünglich nur für ein paar Monate in der WG leben – jetzt möchte der Maschinenbaustudent so lange wie möglich bleiben. „Ich würde nicht in Schnait wohnen, wenn ich nicht in der WG wäre.“

„Wir putzen alle zwei Wochen – theoretisch“

In Sachen Putzen geht es im „Anwesen“ eher locker zu. „Wir putzen alle zwei Wochen – theoretisch“, sagt Jonathan Bihlmaier und grinst. Mal raffen sie sich eben auf, mal lassen sie es schleifen. Es gibt oft Wichtigeres zu tun. Gemeinsam kochen, Filme im Kino ansehen oder American Football gucken. Im Sommer grillt die WG gerne. Und wenn gute Freunde Platz für eine Geburtstagsfeier brauchen, dann sagt Hausbesitzer Samuel Herbrich selten Nein.

Musik ist der WG nicht nur bei Partys wichtig. Überall im Haus sind Lautsprecher-Boxen verteilt, selbst im Bad läuft der Sound, alles steuerbar übers Smartphone. Kein Wunder bei der Vergangenheit: Samuel Herbrich hat mit seinem Mitbewohner Michael Henning einst in einer Band gespielt. „Ich kenn’ den Samu schon seit 2001“, sagt der 34-Jährige, der seit zwölf Monaten in der WG lebt. Samuel Herbrich zupfte damals Bass, Michael Henning E-Gitarre – und beide sangen. Wobei: Richtig gesungen haben sie nicht. „Das war Schrei-Musik“, sagt Samuel Herbrich und lacht. Heißt das, es war Heavy Metal? Samuel Herbrich und Michael Henning gucken sich an, grinsen, schütteln den Kopf. „Nein, Schrei-Musik. Es gibt kein besseres Wort.“ So ist das halt bei den Leuten vom „Anwesen“: Sie sind alles – nur keine Langweiler.

Trollinger 2.0: Bewerbung bei WG-Wettbewerb

Maren Burjan lebt erst seit rund zwei Monaten im „Anwesen“ – doch mit ihrer Idee, beim WG-Wettbewerb der jungen Initiative der Württemberger Weingärtnergenossenschaften mitzumachen, hat sie alle Mitbewohner begeistert.

Wer teilnehmen will, muss ein Video von der eigenen Wohngemeinschaft drehen – und natürlich muss es darin auch um Wein gehen. Für WG-Gründer Samuel Herbrich genau die richtige Aufgabe, schließlich produziert er leidenschaftlich gern Clips von seinen Reisen oder seinen WG-Partys.

Von Montag, 20. Juni, bis Sonntag, 26. Juni, läuft eine Online-Abstimmung über die Videos, die in die Abschlussbewertung der Jury einfließt. Mehr Infos gibt es hier.

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