Die "Wurzelratte" Erfindung aus Winnenden ist europaweit im Einsatz

Die Wurzelratte ersetzt beim Bagger die Schaufel. Foto: Wutorec

Winnenden. Die „Wurzelratte“ aus Winnenden bahnt sich ihren Weg in die weite Welt. Immer mehr Kommunen in Deutschland, sogar in ganz Europa, kämpfen mit dem Werkzeug, das zum Roden von Bäumen verwendet wird, gegen Wurzeln im Untergrund.

Hartmut Neidlein ist der Entwickler der Wurzelratte. Der 50-Jährige hat lange getüftelt, um sein Werkzeug zu optimieren. „Ich komme aus der Branche“, sagt er.

1993 eröffnete er einen Baumpflegebetrieb, ist selbst Baumsachverständiger. „Mit einer Wurzelstockfräse, mit der man sonst Wurzeln aus dem Boden geholt hat, kommt man nicht so tief in die Erde. Prinzipiell nur 40 Zentimeter, manche schaffen auch 60 Zentimeter. In engen Beeten, an Wänden oder Bordsteinen ist es mit einer Fräse außerdem sehr schwierig“, erklärt der Experte. Also überlegte er, wie er das Thema „Bäume roden“ optimieren kann. Entwickelt hat Neidlein seine Wurzelratte 2008. Seit 2009 ist sie im Verkauf.

Wurzelteile im Boden sind ein idealer Nährboden für Pilze

Wie er auf den Namen kam? „Eine afrikanische Wurzelratte gibt es in der Tierwelt tatsächlich“, erzählt Neidlein. „Beim Thema Holz denkt man zunächst an Biber, die aber mit Wurzeln nichts zu tun haben. Eine Ratte hat etwas Aggressives. Alle fanden den Namen lustig und niemand hat ihn vergessen.“

Das Werkzeug besteht aus einem L-förmigen Haken, an dem zwei Schneiden und eine Befestigungsmöglichkeit für Bagger angebracht sind. „Ich habe schnell gemerkt, dass die Wurzelratte viel im Betrieb verändert“, sagt Neidlein. „Durch die Form des Hakens kann die Wurzelratte auch an schwer zugänglichen Stellen Baumstümpfe samt Wurzeln entfernen.“

Das sei ein deutlicher Vorteil gegenüber einer Fräse. Auch ist es mit der Wurzelratte möglich, tiefer in den Boden vorzudringen. Mit einer Fräse dagegen konnten die Wurzeln oft nicht restlos entfernt werden. Teile blieben weiter im Untergrund, bildeten einen idealen Nährboden für Pilze. „Diese Pilze springen irgendwann auf den neugesetzten Baum über, der dann verendet“, erzählt Neidlein.

Interessant sei die Wurzelratte vor allem für Kommunen, den Garten- und Landschaftsbau und Tiefbauunternehmen. Privatpersonen können eher wenig damit anfangen, es sei denn, sie haben Zugang zu einem Bagger. Inzwischen ist die dritte Generation der Wurzelratte auf dem Markt. Immer denkt Neidlein an Optimierungen. „Vielleicht kann man mit kleinen Änderungen an den Winkeln noch eine bessere Wirkung erzielen. Ich habe noch ein paar Ideen im Kopf“, sagt er. Diese Ideen waren in der Vergangenheit häufig Angriffen von außerhalb ausgesetzt. „Es gab Leute, die unser Patent löschen lassen wollten“, erzählt der 50-jährige Entwickler. „Im Mai dieses Jahres haben wir vor dem Patentgericht aber in der letzten Verhandlung recht bekommen“, so Neidlein.

Die Schlichtheit ist die Stärke der Wurzelratte

Wenn er ins Internet schaut, dann findet er häufig Nachbauten seiner Wurzelratte. „Hobby-Schweißer bauen das Gerät nach und stellen es unter demselben Namen ins Internet.“

Ziemlich aufwendig sei es, nach solchen Nachbauten Ausschau zu halten und Sorge dafür zu tragen, dass diese Angebote aus dem Internet verschwinden. „Manche meinen, dass sie an die Wurzelratte noch andere Teile bauen müssten. Die denken nicht, dass das Gerät so schlicht wie es jetzt ist, am besten funktioniert. Die Schweißnaht sieht man kaum, das Gerät ist glatt. Alles andere würde die Wurzelratte im Betrieb bremsen“, sagt der Entwickler. „Ich beschäftige mich seit Jahren täglich damit. Wenn ich wüsste, wie es besser geht, würde ich es sofort machen.“


  • Gefertigt wird die Wurzelratte im Sauerland. „Bei einem Unternehmen, das auf Verschleißstahl spezialisiert ist“, sagt Neidlein. Der Vertrieb der Wurzelratte ist in Winnenden stationiert.
  • Neben Deutschland ist die Wurzelratte auch in Österreich und der Schweiz vertreten. „In Frankreich und England auch, aber dort nicht so stark“, sagt der Entwickler.
  • Neben der Rodung von Bäumen, kümmert sich Neidleins Firma Wurotec, die die Wurzelratte vertreibt, auch um die Neubepflanzung. „Die Wurzelratte lockert die Erde. Der schlechte Boden kommt raus, Substrat rein. Dann kommen die neuen Pflanzen dazu.“
  • Das übernimmt die Firma unter anderem für Städte im Raum Köln, Nürnberg und Bielefeld.
  • Wurotec gewährleistet eine zehn Jahre lange Garantie auf Risse und Brüche der Messerplatte. „Wenn man so will, ist das eines unserer Highlights. Das gibt es in diesem Segment sonst nicht“, sagt Neidlein.
  • Je nach Größe kostet die Wurzelratte 1600 bis 5500 Euro.
  • Bewertung
    7
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!