Digital gegen den Dauerstau Mobilitätsplattform soll Autofahrer besser lenken

Immer wieder: Stau auf der B 29 von Schorndorf in Richtung Waiblingen Höhe bei der Ausfahrt Beinstein. Foto: Büttner / ZVW

Waiblingen. Staus auf der B 29, Stop and Go auf der B 14, kein Durchkommen im Kappelbergtunnel: Fast täglich stöhnen die Autofahrer rund um Stuttgart über verstopfte Straßen. Der Verband Region Stuttgart kann den Verkehr nicht von den Straßen kriegen, will mit einer Mobilitätsplattform die Verkehrsströme aber besser lenken. „Eine Spielwiese für technikbegeisterte Verkehrsfreaks“, kommentierte SPD-Chef Roland Wied im Gemeinderat. Gleichwohl hat der Rat der Kooperation zugestimmt.

Keine Stadt kann die Verkehrsprobleme allein lösen. Die Region Stuttgart will deshalb – ohne Beschränkung auf Gemeindegrenzen und Zuständigkeiten – den Straßenverkehr in der Region flüssiger machen: Eine regionale Mobilitätsplattform soll mit Echtzeitinformationen, Hinweisen auf öffentliche Verkehrsmittel und angepassten Ampelsteuerungen den Verkehr lenken.

Straßenarbeiten, Staus und Unfälle

Operatoren sollen in einer gemeinsamen Verkehrsleitstelle an Monitoren den Verkehr beobachten und Unfälle und aktuelle Behinderungen sofort einspeisen. Die Ring-Zentrale soll, abgestimmt auf die Straßenverkehrsleitstelle des Landes und die Integrierte Verkehrsleitzentrale der Stadt Stuttgart, aber nicht nur auf Störungen im Straßennetz reagieren, sondern Autofahrer auch vor künftigen Baustellen warnen.

Die Informationen über Straßenarbeiten, Staus und Unfälle sollen an die Verkehrsteilnehmer über Navis, das Radio oder eine App weitergegeben werden.

Staut’s sich auf den Bundesstraßen, staut’s sich bald in den Kommunen

Ein wesentliches Ziel der Plattform ist es, die Kommunen vom Stop and Go des unliebsamen Durchgangsverkehrs zu entlasten. Fakt ist: Staut es sich auf den Autobahnen und Bundesstraßen, verlagert sich der Stau alsbald auch in die angrenzenden Kommunen. Neue gesteuerte Ampeln an den Einfallstraßen und dem Verkehrsaufkommen angepasste Steuerungen an den bestehenden Ampeln sollen dafür sorgen, dass die Fahrer in den Stoßzeiten auch bei Staus auf den Bundesstraßen und Autobahnen bleiben. Die Ampeln sollen mit der Verkehrsleitzentrale vernetzt werden.

Konkret heißt das: Während der Hauptverkehrszeiten sollen Lkw- und Autofahrer, die die Bundesstraßen verlassen und den Stau umfahren wollen, durch lange Wartezeiten abgeschreckt werden. In Waiblingen ist dafür eine neue Ampel an der Kreuzung Sörenbachstraße / Winnender Straße oberhalb der Korber Höhe angedacht. Diese Ampel soll den Ausweichverkehr aus Richtung Winnenden und von der B 14 kommend (Ausfahrt Waiblingen-Nord) nur sukzessive nach Waiblingen durchfahren lassen und so die Ausweichroute unattraktiv machen.

Ampeln sollen mit den Autos kommunizieren

Eine weitere Ampel ist am Oberen Ring geplant. Zudem sollen an der Hallenbad-Kreuzung mit einer Steuerung die Verkehrsströme dosiert werden. Infos über die voraussichtliche Fahrzeit auf den verschiedenen Routen bekommen die Verkehrsteilnehmer dann über die App und die Navis.

„Die Ampeln werden mit den Autos kommunzieren und ihnen die fürs Durchkommen optimalen Geschwindigkeiten vorschlagen“, sagte Martin Schmid, Referent für Verkehrsmanagement, im Gemeinderat. Die Stadträte nahmen das Projekt überwiegend wohlwollend zur Kenntnis. Funktionieren werde es aber nur, wenn die Kommunikation mit den Autofahrern stimme, gab SPD-Chef Roland Wied zu bedenken.

Die Autofahrer müssten sich darauf verlassen können, auf diese Weise die besten Empfehlungen zu bekommen. DFB-Chef Wilfried Jasper bezeichnete das Projekt als den Einstieg ins Verkehrsmanagement der Zukunft. Einstimmig wurde die Kooperation beschlossen. Auch Backnang und Schorndorf sollen später in die Plattform integriert werden.


Ein von der EU gefördertes Leuchtturm-Projekt

Die regionale Mobilitätsplattform ist ein Leuchtturm-Projekt, für das der Verband Region Stuttgart von der EU gefördert wird. Das Projektvolumen beläuft sich auf etwa 9,5 Millionen Euro, dafür stellen die EU und das Land rund 5,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Stadt Waiblingen bleibt für die Investitionskosten nach Abzug der Fördermittel ein Eigenanteil von 65 000 Euro. Die Betriebskosten liegen in Waiblingen bei jährlich 14 000 Euro.

Die Ausführungsplanung startet im Frühjahr 2019.

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