Dodokay in Waiblingen Doch! Auch der Schwabe hat Humor!

Der Dialekt-Feuerwerker Dodokay warf im Bürgerzentrum koboldhafte Schatten seines abgründig schwäbischen Humors. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Waiblingen. So als Einheimischer aus dem post-pietistischen Remstal hat man oft seine Zweifel, ob der Schwabe auch Humor hat. Da muss schon einer vom Albrand wie der Dodokay aus Reutlingen kommen, um 600 Leute im ausverkauften Bürgerzentrum zu exzessiver Heiterkeit zu animieren. Einziges Thema: das Schwäbische als höhere, bisher weit unterschätzte Kunstform. Und siehe: Der Schwabe kann – bevor’s die andern tun – auch über sich selber lachen.

Eine hochpolitische Kampagne zur Pflege der hiesigen Mundart, also des Schwäbischen, hat jüngst Landesvater Winfried Kretschmann gestartet. Und wahrscheinlich muss man katholisch sein, um das so unverständlich wie Latein anmutende Schwäbisch wieder mehr unter die Leute bringen zu wollen.

Und wenn es dazu einen Messdiener bräuchte, der diese Arbeit mit liturgischem (Weihrauch-)Schwung beherzt begleiten müsste, dann wäre das sicher Dominik Kuhn alias Dodokay. Der isch faschd von drr Alb rrah, nämlich aus Reitlinga, und hat es, wie er vor hochvergnügtem Publikum in Waiblingen mit seiner Show „Genau mein Ding! – Die Welt auf Schwäbisch“ bewies, glänzend drauf, das wirre Weltgeschehen wieder ins heimische Format zurückzuübersetzen.

„Du kannsch au mit Schwäbisch Karriere macha!“

Eine breit angelegte Show, die, wie er ankündigte, „auch für Veganer ond andere komische Leut’ geeignet“ sei. Zunächst aber Selbstkritik. Das Schwäbische war nicht schon immer Dodokays Ding. Als „Jonger“ nämlich sei er „a Dachplatt gwä“. Übersetzen wir das mal mit „leicht zurückgeblieben“.

Er gab zu, „I han früh gmerkt, wenn de Schwäbisch schwäddsch, kriegsch koi Arbeit“. Was natürlich mit den dauernden Missverständnissen zu tun hatte. Beispiel: In Reutlingen gibt’s ein Isolde-Kurz-Gymnasium. Was aber soll man mit einer Botschaft wie „I solde kurz end Schdadd, was einkaufa“ machen? Auch die leicht verspätete Begrüßung „I han Sie arsch(t) gar et kennt“, könnte beim ersten Hören falsch verstanden werden. Da kann sich der Schwabe dann schon in den Nicht-Schwaben einfühlen. „I wollt euch nur saga, dass Schwäbisch von außa betrachtet a bissle seltsam isch.“ Aber alles kam dann doch ganz anders. Dodokay hat Arbeit gefunden. Denn, „du kannsch au mit Schwäbisch Karriere macha!“ Und zwar als Übersetzer. Oder besser als Synchronsprecher, der über hochdeutsche Texte, in Filmen, der Tagesschau oder im Bundestag, die entlarvende Sprache der Wahrheit legt. Genau. Das Schwäbische.

Erst auf Schwäbisch synchronisiert wird die Welt verständlich

Und genau damit ist Dodokay erfolgreich und berühmt geworden. Und so hatte er denn auch ein paar Beispiele, die er zur allgemeinen Beweisführung und Erheiterung immer mal wieder in seiner Show einspielte. Szenen etwa aus dem vergangenes Jahr in die Kinos gekommenen Film „Die 1000 Glotzböbbel des Dr. Mabuse“, in dem der Klassiker von Fritz Lang komplett auf Schwäbisch synchronisiert wird und dabei Schauspielern wie Gert Fröbe oder Peter van Eyck zum Himmel schreiende Banalitäten in den Mund gelegt werden.

Noch schöner eine Bundestagsdebatte, die Dodokay zur Frage umfunktionierte, was bei einem gemeinsamen Treffen gekocht werden solle. Und da haben sie denn ihre vollschwäbischen Auftritte: Bundestagspräsident Lammert, Schäuble, Merkel, oder Trittin – und schwäddsat einen zum Niederknien hanebüchenen Schwachsinn daher. Auf Schwäbisch natürlich. Und da wird klar, was der Komiker Dodokay im tiefsten Herzen eigentlich ist. Ein Aufklärer. Er macht deutlich, worin die Kraft des Schwäbischen eigentlich liegt. Es entlarvt, wir Schwaben wissen das, die Hohlheit dieser Welt, die sich ein dialektfreies Make-up aufgesetzt hat. Aber dahinter, da lauert das Nichts. Und das, Dodokay zeigt es, kann man so richtig natürlich nur auf Schwäbisch darstellen!

„Was zom Nachdenka: Ab morga geht’s bei euch im Kopf los!“

Der Philosoph Hegel, ein Schwabe aus Stuttgart, wir erinnern uns, hat vor 200 Jahren noch einmal ernsthaft versucht, die Welt in ein sinnvolles System zu bringen. Der Filou Dodokay, Schwabe aus Reutlingen, hat dagegen die Welt einfach nur neu synchronisiert. Sozusagen mit Schwäbisch unterlegt. Und siehe da, ihr Sinn geht dabei völlig flöten. Und dabei hatten die 600 Leute im Bürgerhaus denn auch ihren Riesenspaß. Ganz nach Dodokays Arbeitsziel: „I geb euch bloß was zom Nachdenka mit. Ab morga geht’s bei euch im Kopf los.“

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