Döner statt Brezeln in Waiblingen Kebap-Haus zieht in die ehemalige Bäckerei Haag

Döner statt Brot und Brezeln: In die frühere Bäckerei Haag zieht ein Kebap-Haus. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Wo bis zum Sommer Brot und Brezeln verkauft wurden, gibt es bald Döner und türkische Pizza: In die ehemalige Bäckerei Haag in der Langen Straße zieht ein Kebap-Haus. In die Räume vom ehemaligen Messerschmied Eisele kommt ein Barborshop. Das Rad dreht sich wieder in den Geschäften in der Altstadt und der Bahnhofstraße.

Wirtschaftsförderer Marc Funk ist ehrlich: „Wir hätten uns eine andere Nutzung gewünscht.“ Doch das Gebäude der Bäckerei Haag wurde verkauft, das Kebap-Haus muss von der Stadt genehmigt werden. Immerhin zieht überhaupt jemand ein, werden manche mit Blick auf den Laden nebenan sagen, der seit mehreren Jahren leersteht. Hoffnung gibt es jetzt aber auch für dieses kleine und verwinkelte Geschäft an der Passage: Mehrere Anfragen liegen Sascha Bauer, dem Geschäftsführer der Bauer Hausverwaltung Stuttgart, vor.

Die meisten Anfragen kommen nicht aus dem Einzelhandel

Einen Unverpacktladen möchte eine Frau aus Waiblingen darin eröffnen, derzeit arbeitet sie an einem Businessplan. Die meisten Anfragen kommen laut Bauer allerdings nicht aus dem Einzelhandel, sondern von Dienstleistern. „Von einem Friseur bis zu einer Schneiderei war alles dabei“, sagt er. Für Einzelhandel sei die Fläche meistens zu klein. So sei eine Anfrage von Optik Fielmann an der Größe gescheitert. Ein Waiblinger Pizzabäcker, der darin eine Filiale eröffnen wollte, sei an den Auflagen gescheitert.

Kompliziert gestaltet sich auch die Vermietung der Räume von Messerschmied Eisele. Nach der Renovierung wurde der Laden im Sommer geteilt. In den kleineren Teil zog im Juni Mario Fazio mit einem Geschäft für E-Zigaretten. In den größeren Teil soll nun ein weiterer Friseur einziehen. Nur zwei Häuser weiter kämpft bereits der „Figaro by Ruhi“ um die Gunst der Kunden. Dazu kommen die Friseure in der Marktgasse und der Kurzen Straße – um nur die in allernächster Nähe zu nennen. Doch die Bemühungen von Stadtmarketingchef Marc Funk, ein Modegeschäft anzusiedeln, waren erfolglos. „Sechs oder sieben Modelfilialisten habe ich kontaktiert“, sagt er.

Alle winkten ab. Die Situation auf dem Markt sei angesichts des florierenden Online-Handels für alle schwierig, eine Expansion zum jetzigen Zeitpunkt nicht gewünscht. 30 Prozent der Textil-Käufe laufen laut Funk inzwischen über das Internet, weshalb in Waiblingen wie in anderen Städten immer mehr Läden zu Cafés und Restaurants werden: Im ehemaligen Foto Porst beispielsweise wird heute italienische Pasta serviert. In den Rosenladen in der Langen Straße zog die Weinbar „Wein im Rosenladen“ ein. Was als Interimslösung gedacht war, könnte auf Dauer bleiben: Nach Angaben Funks überlegt Familie Beurer, aus der gut frequentierten Pop-up-Bar eine feste Weinbar zu machen.

Der Stettener Weingärtnerfamilie geht es anders als vielen Einzelhändlern: Bei ihr steht der Nachwuchs in den Startlöchern. Viele Ladeninhaber schließen indes nicht aus wirtschaftlichen Gründen, sondern weil sie Nachwuchsprobleme haben. Oder, sagt Funk, weil sie die langen Arbeitszeiten satthätten. Andererseits könnten sich auch kleine Geschäfte wie die Buchhandlung Taube oder der Wolleladen Wollgefühl gut halten: „Der Handel wird nicht verschwinden“, ist er überzeugt. „Aber es braucht ein klares Konzept.“

Stoffgeschäft Cosa öffnet am 5. Dezember

Damit treten Cornelia Kinne und Sarah Schmidt an, die in der früheren Bäckerei Maurer in der Bahnhofstraße das Stoffgeschäft „Cosa“ eröffnen. Cornelia Kinne kennen die Kunden als Angestellte im früheren Stoffgeschäft Eisele. Dort lernte sie auch Sarah Schmidt kennen, die Modedesign studiert und Damenschneiderin gelernt hat. Nicht im ehemaligen Stoffgeschäft Eisele – das war ihnen zu groß –, sondern ein paar Häuser weiter eröffnen sie am 5. Dezember nun ihr trendiges Stoffgeschäft Cosa. Die persönliche Beziehung zum Kunden beziehungsweise zur Kundin wollen die Inhaberinnen offensiv pflegen. Für Leute, die nur gelegentlich eine Tischdecke oder einen einfachen Rock nähen und über keine eigene Maschine verfügen, stehen im Laden Arbeitsplätze bereit.


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