Drogeriebranche Hück fordert Hilfe für Schlecker-Genossenschaft

Uwe Hück. Foto: dpa

Stuttgart - Die ehemaligen Schlecker-Verkäuferinnen bekommen bei ihrem Vorhaben, im Rahmen einer Genossenschaft rentable Filialen wiederzubeleben, Rückendeckung von mächtigen Betriebsräten in Baden-Württemberg.

„Wir sollten jetzt alle Möglichkeiten der Unterstützung in Betracht ziehen, damit die Filialen, die noch wettbewerbsfähig sind, profitabel weiterarbeiten können“, sagt ­etwa Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück unserer Zeitung. „Ich finde es gut, dass die Kolleginnen von Schlecker nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern dass sie trotz ihres Schicksals Mut fassen und ihr eigenes Geld verdienen wollen, statt der Gemeinschaft auf der Tasche zu liegen.“

Hück fordert auch die Landesregierung auf, die Verkäuferinnen bei der Startfinanzierung der Genossenschaft zu unterstützen. „Soziale Einrichtungen, die Bürger vor Ort, aber auch der baden-württembergische Wirtschaftsminister Nils Schmid müssen jetzt helfen“, sagt Hück. „Der Staat gibt Milliarden Subventionen an reiche Unternehmen aus, jetzt bin ich der Meinung, dass wir dann auch noch Geld haben für Menschen, die bereit sind, aus einer Wüste wieder fruchtbares Gelände zu machen.“

„Hier geht es um Frauen, die den Mut haben, unternehmerisch aktiv zu werden“

Womöglich wird der Porsche-Betriebsratschef bald selbst Schlecker-Genossenschaftsmitglied: „Selbstverständlich kann ich mir auch vorstellen, selbst einen Anteil an der Genossenschaft zu erwerben“, so Hück. „Aber nicht, um daraus Profit zu schlagen, sondern als Unterstützung und Motivationsschub für die Kolleginnen.“ Handelsexperten zweifeln unterdessen ­daran, ob das Genossenschaftsprojekt wirklich erfolgreich in die Tat umgesetzt werden kann. „Hier geht es um Frauen, die den Mut haben, unternehmerisch aktiv zu werden“, sagt Hück. „Natürlich könnte man jetzt 25 Gutachten erstellen, die ergeben, dass der Plan nicht funktionieren kann. Aber was bringt das? Moses ist durch das Rote Meer gegangen, weil er Mut hatte und an das Gute geglaubt hat, nicht weil ihm jemand ein positives Gutachten erstellt hat.“

Auch Bosch-Betriebsratschef Alfred ­Löckle fordert, dass die Politik prüfen solle, inwiefern öffentliche Fördergelder für die ehemaligen Verkäuferinnen der insolventen Drogeriemarktkette aufgebracht werden könnten. „An dieser Stelle finanzielle Hilfe zu leisten wäre allemal besser, als Arbeitslosigkeit zu finanzieren“, sagt Löckle.

Insbesondere in kleinen Gemeinden sei es sinnvoll, ehemalige Schlecker-Filialen in Tante-Emma-Läden umzuwandeln. „Das ist vor allem vor dem Hintergrund einer immer älter werdenden Gesellschaft wichtig.“

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