Ehemaliger Gewa-Tower in Fellbach Windturbinen für den Schwabenlandtower

In mehr als 100 Metern Höhe auf dem Dach des Schwabenlandtowers sollen Windturbinen installiert werden. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Fellbach. Vom Luxusturm zum Öko-Hochhaus: Für den Schwabenlandtower in Fellbach plant die CG-Gruppe Windturbinen, die das 107 Meter hohe Gebäude klimaschonend mit Strom versorgen sollen. Vorbild für das in Deutschland offenbar einzigartige Projekt ist ein Wolkenkratzer in Shanghai – aber es gibt noch Hürden zu überwinden.

Ganz offiziell bestätigt die CG-Gruppe, die den einstigen Gewa-Tower für 15 Millionen Euro gekauft und in „Schwabenlandtower SLT 107“ umbenannt hat, einen kürzlich erschienenen Bericht des Immobilienbriefs Stuttgart. „Es wird tatsächlich erwogen, Windströmungsturbinen auf dem Dach des Gebäudes zu installieren“, sagt eine Sprecherin der CG-Gruppe. Durch diese Technik würden die Aufwinde am Gebäude genutzt, um Energie zu erzeugen. Der CO2-neutral produzierte Strom soll für die Kühlung und die Aufzüge im Tower verwendet werden. Außerdem für die in der Tiefgarage bereitgestellten Anschlüsse für Elektrofahrzeuge und E-Bikes. Mehr als 190 Wohnungen sind im Tower vorgesehen.

Projekt könnte sich um etwa ein halbes Jahr verzögern

Ursprünglich war an der Südwestseite des Turms ein vier Meter breites und 100 Meter hohes Solarpanel geplant. Der Haken: Die entsprechenden Module werden gar nicht mehr hergestellt, da ihr Wirkungsgrad zu schlecht ist. Mit den alten Planungen für die Fassade kann die CG-Gruppe den gewünschten energetischen Standard KfW 55 nicht erreichen. Anlass, die Planungen für die zu zwei Dritteln fertiggestellte Fassade zu überdenken. Entsprechend befindet sich auch das Energiekonzept aktuell in der Planungsphase. Mit Aussagen über eine mögliche Größe und Leistung der Turbinen halten sich die Bauherren daher noch zurück. Der Stadt Fellbach liegen noch keine Pläne vor, Gespräche vor Ort habe es aber bereits gegeben. Grundsätzlich seien Bemühungen, das Gebäude energetisch innovativ auszustatten, unterstützenswert, heißt es im Rathaus der Kappelbergstadt.

Allerdings würden die Änderungen der Fassade eine Anpassung der Baugenehmigung erfordern, heißt es in dem Bericht weiter. Auch muss die neue Fassade erst einmal neu ausgeschrieben werden. Das ganze Projekt könnte sich um etwa ein halbes Jahr verzögern, als neuer Fertigstellungstermin steht das Frühjahr 2021 im Raum. Berücksichtigt werden müssen außerdem die seltenen Wanderfalken, die oben „im höchsten Brutkasten Deutschlands“ nisten.

Große Unternehmen wollen Kontingente anmieten

Die Kosten für die Fassade würden sich von vier auf acht Millionen Euro verdoppeln. Offenbar ist die CG-Gruppe aber bereit, diese Investition zu tragen. Das erklärte Ziel des Konzerngründers Christoph Gröner lautet, mit dem SLT 107 „eine dauerhafte Landmarke zu realisieren, die über die regionalen Grenzen hinaus Anerkennung erlangt“. Dem dürfte er mit den Windturbinen näherkommen.

Laut dem Bericht fiel George Moutoulis, dem Stuttgarter Niederlassungsleiter der CG-Gruppe, eine Fernsehreportage über ein Hochhaus in Shanghai auf. An der Nachfrage für die Apartments lässt er keine Zweifel: „Uns liegen bereits Anfragen vor, beispielsweise von Daimler und der Deutschen Bahn, die jeweils Kontingente anmieten wollen“, sagte er dem Immobilienbrief Stuttgart.


Gut fürs Klima

Ein Kommentar von Redakteur Andreas Kölbl

Aus der Sicht der gegenwärtigen Wohnungsnot liegt auf der Hand, was viele Kritiker natürlich schon immer wussten: Der Gewa-Tower war ein unnötiges und verfehltes Projekt, in die Höhe geschossen durch die Großmannssucht der alten Bauherren. Doch nicht nur Größe und Höhe brachten den Luxus-Turm zum Scheitern, sondern der Umstand, dass er miserabel finanziert und am Bedarf vorbeigeplant war. Ein Glücksfall für Fellbach ist der Umbau von 60 großen auf 190 kleine Wohnungen, denn im Ballungsraum führt nur ein Weg aus der Wohnungsnot: steil nach oben. Dass Hochhäuser sozialer und klimafreundlicher sind als hübsche Gartengebiete, diesen Beweis könnte der SLT mit ökofreundlicher Energieversorgung antreten.

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