Ehemaliger "Ochsen" abgebrannt So haben die Einsatzkräfte den Brand in Urbach erlebt

, aktualisiert am 04.04.2019 - 09:57 Uhr
Einen solchen Einsatz wie am Freitag in der Beckengasse haben die Feuerwehrleute von Urbach noch nicht erlebt. Foto: Benjamin Beytekin

Urbach. Einhelliges Lob gab es von den Gemeinderäten für den Einsatz beim verheerenden Brand am Freitagmorgen. Kommandant, Bereitschaftsleiter und Ordnungsamtsleiter hatten dem Gremium ausführlich darüber berichtet. Dank gab es aber auch für die große Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung.

„Das ist Schwerstarbeit gewesen“, sagte Kommandant Michael Hurlebaus über den verheerendsten und herausforderndsten Brand in Urbachs Nachkriegsgeschichte. Ein Einsatz, der alle Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr beanspruchte. Und darüber hinaus auch Wehren von Fellbach bis Welzheim nach Urbach rief. 20 Fahrzeuge waren an der Einsatzstelle. Darunter alle Drehleiterfahrzeuge der Region Schorndorf/Welzheim, so dass die Feuerwehr Weinstadt eines ihrer Fahrzeuge nach Schorndorf bringen musste – für den Fall, dass zeitgleich ein weiterer Brand ausbricht.


Hier geht es zum Artikel: Gemeinde bittet Bürger um Mithilfe


Und der Einsatz ist noch nicht vorbei. Nun, da die Arbeiten am Brandort abgeschlossen sind, beginnen die Dokumentation, die Aufarbeitung und die Sichtung der Schäden am Material, das am Freitag zum Einsatz kam. Keiner der Feuerwehrleute wurde verletzt, das ist die gute Nachricht. Doch Uniformen und Gerätschaften wurden teils in Mitleidenschaft gezogen.

200 Atemschutzgerätflaschen wurden beim Einsatz verbraucht

Auch kamen, alle Wehren zusammengenommen, 200 Atemschutzgerätflaschen zum Einsatz. Die Akkus der Funkgeräte gingen während des Freitags zuneige, von anderen Wehren mussten vorsorglich Ersatzgeräte beordert werden.

So viel ist sicher: Einen Einsatz wie diesen haben die Feuerwehrleute von Urbach noch nie erlebt. Und auch wenn dabei ein Mensch ums Leben kam, so kann Kommandant Hurlebaus in dem Unglück doch auch das Gute sehen. Die Feuerwehr war schnell vor Ort, konnte das Übergreifen des Feuers auf die anliegenden Gebäude eindämmen beziehungsweise verhindern. Und die Zusammenarbeit mit Bürgermeisterin Fehrlen, der Verwaltung, dem Roten Kreuz verlief laut Hurlebaus sehr gut. Ein ausdrückliches Lob richtete Hurlebaus vor dem Gremium erneut an Klaus Dieterle, den Pfarrer der Afrakirche. Ohne lange zu überlegen, habe er eine Familie bei sich aufgenommen und sei die ganze Zeit vor Ort gewesen.



Hurlebaus weiß aber auch, dass die Feuerwehr Glück hatte: „Zu einer anderen Uhrzeit oder bei anderen Temperaturen wäre der Aufwand um ein Vielfaches höher gewesen.“ Dann hätte der Brand womöglich ein noch übleres Ende nehmen können.

Im Einsatz war aber nicht nur die Feuerwehr. Auch die Ehrenamtlichen des Roten Kreuzes von Urbach und Plüderhausen unterstützten die Feuerwehrleute mit Verpflegung und versorgten Verletzte. Ein Rettungshubschrauber war vorsorglich nach Urbach geflogen. Bereitschaftsleiter Peter Fink dankte allen Beteiligten für die ruhige und gute Zusammenarbeit.

Mehr als 100 E-Mails mit Hilfsangeboten am Wochenende

„Das ist eine gewaltige Katastrophe für Urbach“, sagte Ordnungsamtsleiter Achim Grockenberger. Auch er war, direkt nachdem der Brand ausbrach, vor Ort. Ein solches Inferno habe er in den 30 Jahren, die er in Urbach arbeitet, noch nicht erlebt, sagte er. „Es ist eine absolute Meisterleistung der Feuerwehr, dass die anliegenden Gebäude keinen Schaden genommen haben.“ Verheerend war die Lage dennoch für die Bewohner der beiden betroffenen Gebäude. Sie hatten alles verloren, bis auf das, was sie am Leib trugen.

Auch er ziehe deshalb seinen Hut vor Pfarrer Dieterle. Auch Grockenberger kümmerte sich noch am Brandort um die Versorgung der obdachlos gewordenen Bewohner, darunter eine sechsköpfige Familie mit einem gerade mal zwei Wochen alten Säugling.

Und er war nicht der Einzige. Mehrere Anwohner nahmen sich der Betroffenen an, unterstützten sie seelisch-moralisch und gaben ihnen ein Dach über dem Kopf.

Direkt am Freitag erreichten ihn Anrufe von Bürgern, die Wohnraum zur Verfügung stellen wollten. Im Laufe des Wochenendes kamen mehr als 100 E-Mails zusammen von Spendenwilligen. „Ein tolles Engagement“, findet Grockenberger, das nicht alltäglich sei. „Urbach hat mal wieder gezeigt, dass es zusammenhält, wenn es drauf ankommt.“ Noch am Freitag erklärte sich der Verein Schatzkiste dazu bereit, die Koordination und Organisation der Spenden zu übernehmen. „Sie haben uns den Rücken freigehalten“, sagt Bürgermeisterin Martina Fehrlen. Mittlerweile sind so viele Kleider zusammengekommen, dass keine mehr gebraucht werden. Möbel und Geld werden aber nach wie vor benötigt.

Fast alle ehemaligen Bewohner sind mittlerweile untergebracht

Inzwischen konnte für fast alle vom Brand Betroffenen eine mittelfristige oder dauerhafte Lösung gefunden werden, auch für die in Obdachlosenwohnungen untergebrachten und auf dem Wohnungsmarkt zum Teil nur schwer vermittelbaren Personen. Unterkunft fanden sie in kommunalen und privaten Wohnungen. Auch die Villa Muth auf dem Dungs-Areal wurde zur Verfügung gestellt. Eine Familie und eine Einzelperson suchen noch eine Bleibe.

Einhelliges Lob gab es für den Einsatz der Beteiligten vom Gemeinderat. Betont wurde insbesondere, wie professionell und gut vorbereitet die Feuerwehr agiert habe – und welche wichtige Rolle deshalb die regelmäßigen Übungen spielten. Gemeinderätin Ursula Jud (Freie Wähler) war es außerdem noch sehr wichtig, die Leistung jener Bürger zu würdigen, die unter Einsatz ihres Lebens Bewohner aus dem Haus gebracht hatten, als das Gebäude bereits brannte. Bürgermeisterin Fehrlen versprach, dass die Verwaltung dies zum gegebenen Zeitpunkt auch noch tun werde.

Ursache weiter unklar

Wie das Feuer am Freitag ausbrechen konnte, ist nach wie vor unklar, sagt Polizeisprecher Ronald Krötz auf Nachfrage. Die Ermittlungen dazu dauern an.

Herausstellen möchte die Polizei aber schon jetzt das selbstlose Engagement jenes Bürgers, der noch vor Eintreffen der Feuerwehr mit Hilfe einer Leiter einen Bewohner aus dem Feuer befreite. Und das zu einem Zeitpunkt, als es bereits „fünf vor zwölf“ gewesen war. „Ohne ihn hätte es wohl zwei Todesopfer gegeben“, so Krötz.

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