Ehemaliger Wengerter Karl Haidle Stettener Urgestein feiert 104. Geburtstag

Der Stettener Karl Haidle feiert an diesem Montag seinen 104. Geburtstag. Foto: ZVW/Sebastian Striebich

Kernen-Stetten. Er ist der vermutlich älteste Leser unserer Zeitung: Karl Haidle aus Stetten schlägt noch immer jeden Morgen die Waiblinger Kreiszeitung auf. An diesem Montag feiert er seinen 104. Geburtstag.

Dass er einmal so alt werden würde, sagt Karl Haidle, „das hätte ich nie gedacht“. Er sitzt an seinem Küchentisch, vor ihm liegt die aktuelle Ausgabe der Waiblinger Kreiszeitung, daneben seine Lesebrille. Karl Haidle wohnt in der Pommerstraße in seiner eigenen Wohnung. Noch jeden Morgen steht er selbstständig auf, macht sich Frühstück, liest nach, was sich so tut in der Region. Besonders interessiert sich der ehemalige Wengerter für Berichte über hiesige Weingüter oder die Lage der Remstalkellerei, bei der er seine Trauben früher abgeliefert hat.

Mehrmals täglich schauen seine Angehörigen nach Karl Haidle. Mal der Enkel und seine Familie, die im selben Haus wohnen, mal Schwiegersohn und Nachbar Manfred Gerlich (68), der ganz beeindruckt davon ist, wie fit und selbstständig Karl Haidle noch im hohen Alter ist.

Natürlich, die Beine machen langsam Schwierigkeiten. Viel länger als früher braucht Haidle für den Weg zum Fenster, um zu schauen, wer an seiner Haustür klingelt. Und ohne seine Hörgeräte hätte der Senior große Schwierigkeiten, etwas zu verstehen, was ihm seine Besucher erzählen. Doch nichtsdestotrotz schaut der Stettener noch immer mehrmals täglich nach den Hühnern im Hof. Und einmal in der Woche besucht er eine Freundin, um zu plaudern.

Schlimme Erlebnisse im Krieg

Als er 100 Jahre alt wurde, begann der Stettener Tausendsassa Ebbe Kögel einen Film zu drehen über ihn. „Karl Haidle – Hondert!“ nannte Kögel die Dokumentation. Bei ihrer Premiere in der Glockenkelter sorgte sie für Begeisterung.

Im Film wird Haidles Geschichte erzählt, die auch hätte viel früher enden können, wie die seiner Brüder, die im Zweiten Weltkrieg ihr Leben ließen. Seinen Werdegang und die schlimmen Erlebnisse im Krieg kann Haidle noch heute detailliert schildern. Er machte eine Ausbildung zum Mechaniker, wurde zum Reichsarbeitsdienst und später zur Armee berufen, ging als Gebirgsjäger nach Österreich, war im Krieg als Meldefahrer in ganz Europa unterwegs. 1944 geriet er in jugoslawische Kriegsgefangenschaft. In Stetten wussten sie drei Jahre lang nicht, wo er steckte.

Die Familie kommt zu Besuch

Doch Karl Haidle kehrte zurück, half seinem Vater im landwirtschaftlichen Betrieb und im Wengert, heiratete 1955 seine Frau Frieda, und übernahm auch den größeren Betrieb der Schwiegereltern. Noch mit 100 Jahren stapfte er durch die Weinberge.

An diesem Montag wird Karl Haidle seinen 104. Geburtstag im Kreise der Familie feiern – die besteht unter anderem aus vier Enkeln und zwei Urenkeln. Und bestimmt singen die dem ehemaligen Frohsinn-Sänger ein Geburtstagsständchen.

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