Ein Jahr nach Eröffnung So steht es um den Welzheimer Tafelladen

Vier Ehrenamtlichen der Welzheimer Tafel bei der Bestückung der fast leeren Regale (von links): Heide Hinderer, Kurt Hinderer, Karl-Heinz Lindauer und Heinrich Beier. Foto: ZVW/Rainer Stütz

Welzheim. Gute Nachrichten vom Welzheimer Tafelladen. Nach einem Jahr steht das Angebot für bedürftige Menschen in der Bahnhofstraße 3 auf eigenen Füßen. Bisher war der Welzheimer Tafelladen eine Filiale der Schorndorfer Einrichtung. Die Eigenständigkeit hat die Folge, dass das Warenangebot weiter ausgebaut und verbessert werden kann.


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In Deutschland werden täglich etliche Tonnen Lebensmittel vernichtet, obwohl sie noch essbar sind. Gleichzeitig herrscht bei vielen Menschen Mangel. Die gemeinnützigen Tafeln schaffen einen Ausgleich: Sie sammeln überschüssige, qualitativ einwandfreie Lebensmittel und verteilen diese an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte.

Mit ihrer schnellen und unbürokratischen Hilfe lindern die Tafeln die Folgen von Armut in einer reichen Gesellschaft - und stehen für Solidarität und Mitmenschlichkeit. In diesem Sinne sehen sich auch die Hauptverantwortlichen der Welzheimer Tafel, Heide Hinderer, Kurt Hinderer, Karl-Heinz-Lindauer und Heinrich Beier. Sie haben bei der Gründung darauf verzichtet, einen eigenen Verein ins Leben zu rufen. Träger der Einrichtung ist deshalb die Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Welzheim.

Welzheim hat jetzt Zugriff auf das zentrale Lager der Tafel

In Deutschland gibt es rund 940 Tafelläden. In Baden-Württemberg rund 150. Weil die Welzheimer Tafel als eigenständiger Laden anerkannt ist, kann nun auch Ware direkt vom zentralen Lager in Ebnat bei Aalen im Ostalbkreis bezogen werden. „Die haben ein ganz anderes Sortiment“, berichtet Karl-Heinz Lindauer. In dem Zentrallager liefern die Lebensmittelgroßhändler ausgemusterte Ware an. Oft sind die Gläser falsch beschriftet oder aus irgendwelchen anderen Gründen nicht in den Handel gekommen. Eine Zeit lang gab es jede Menge Tiefkühlpizzas, so dass die Welzheimer Tafel sich schnell eine zusätzliche Tiefkühltruhe beschaffte. „Wir wissen erst drei Tage vorher, welche Artikel zu bekommen sind“, so Kurt Hinderer.

Viele Sponsoren spenden Lebensmittel

Ein großes Problem ist für die Welzheimer Tafel, Grundnahrungsmittel zu bekommen, also Speiseöle, Mehl, Zucker und Reis, weil diese Artikel von der Lebensmittelindustrie nicht angeliefert werden. Zum Glück hat die Tafel in Welzheim viele Sponsoren, die Lebensmittel spenden, zum Beispiel die Familie Barth aus Hengstberg (Gemeinde Gschwend). Thomas Barth und seine Frau Manuela sind es, die regelmäßig die Bedürftigen zu einem Abendessen in die Christian-Bauer-Mensa einladen. Beim letzten Treffen kamen etwas 100 Menschen. Der nächste Termin ist am Freitag, 5. Juli, um 18 Uhr. Über das Sozialamt der Stadt werden die Bedürftigen, soweit bekannt, angeschrieben. Eine Anmeldung dazu ist vorher erforderlich. Entsprechende Zettel liegen im Tafelladen in der Bahnhofstraße und im Rathaus am Kirchplatz aus.

„Wir sind die größte soziale Einrichtung in Welzheim, die auf ehrenamtlicher Basis betrieben wird“, sagt Karl-Heinz Lindauer. Das ist natürlich jede Woche eine neue Herausforderung, genügend Helfer zu finden und eventuelle Ausfälle auszugleichen. „Wir wären deshalb auch froh, wenn es Menschen gebe, die in so einem Fall auch mal auf Abruf zur Verfügung stehen“, sagt Kurt Hinderer. Die Organisatoren sind bemüht, dass jeder Helfer nur einmal in der Woche zum Einsatz kommt. „Aber das schaffen wir nicht immer, manchmal muss auch einer zweimal ran.“

Zwei Fahrer sammeln morgens die Lebensmittel ein

Am Öffnungstag starten zwei Fahrer mit den Fahrzeugen der Tafel, um die Lebensmittel einzusammeln. Bereits ab 9 Uhr werden die ersten Waren in einem separaten Raum der Tafel sortiert. In der Regel bis 12 Uhr sind die Vorbereitungsarbeiten abgeschlossen. Von 14 bis 16 Uhr ist die Tafel geöffnet, oftmals stehen schon vorher die Menschen Schlange. Weil nur maximal fünf Personen gleichzeitig in den Laden können, werden Nummern verteilt. „Das klappt inzwischen recht gut“, berichtet Heinrich Beier. Am Anfang war die Einteilung eine große Herausforderung, wobei sich das Losverfahren nicht bewährt hat. „Die Wartenden wissen ganz genau, wer zuerst da war, und können dies untereinander regeln.“ So können in zwei Stunden in der Regel bis zu 50 Bedürftige sehr preisgünstig einkaufen. „Wir verlangen maximal ein Drittel des regulären Einkaufspreises, um unsere Unkosten zu denken“, berichtet Karl-Heinz Lindauer. „Das, was es gibt, gibt es und das, was es nicht gibt, gibt es nicht“, sagen die Verantwortlichen.

30 Prozent der Kunden sind Deutsche, 70 Prozent Asylanten und Flüchtlinge. Eigentlich müssten es mehr Deutsche sein, die kommen, doch viele trauen sich nicht. „Die Leute schämen sich“, haben die Organisatoren beobachtet. Sie kommen dann vielleicht erst eineinhalb Stunden nach Ladenöffnung, wenn die anderen Bedürftigen schon weg sind.

Einkaufen im Tafelladen nur mit Einkaufsausweis möglich

„Unser Lohn ist die Dankbarkeit der Menschen, jeder Zweite bedankt sich nach dem Einkauf“, sagt Kurt Hinderer, der sein Engagement für den Welzheimer Tafelladen noch keinen Tag bereut hat.

Zum Einkauf im Tafelladen wird ein persönlicher Einkaufsausweis mit Foto benötigt, der nicht auf andere Personen übertragbar ist. Anspruch auf einen solchen Ausweis haben: Bezugspersonen von Sozialhilfe, Grundsicherung oder Hartz IV, Menschen mit geringen Renten oder Personen, die Bafög erhalten. Dazu sind bei der Tafel entsprechende Nachweise vorzulegen, etwa ein Kontoauszug, der Sozialpass der Stadt Welzheim oder Einkaufsausweise benachbarter Tafeln.


Viele Helfer sind jede Woche im Einsatz

Geöffnet hat der Tafelladen in Welzheim Montag, Mittwoch und Freitag von 14 bis 17 Uhr.

Freiwilliges Engagement ist das Herzstück der Tafel-Bewegung. Seit 1993 arbeiten Tafel-Helferinnen und -Helfer täglich daran, eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel zu bauen. Als eine der größten ehrenamtlichen Bewegungen in Deutschland sind die Tafeln auf den Einsatz und Elan der vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer angewiesen. Nur mit ihnen schaffen sie es Tag für Tag, Lebensmittel zu retten, bedürftigen Menschen zu helfen und ihnen ein Stück sozialer Teilhabe zu ermöglichen.

Das ist auch in Welzheim so. Pro Woche sind rund 40 ehrenamtliche Helfer im Einsatz und es dürfen gerne noch mehr sein. Die Waren müssen mit den Fahrzeugen abgeholt werden, dann steht die Sortierung und Verteilung im Laden an, am Eingang werden die Ausweise der Kunden kontrolliert, an der Kasse wird abgerechnet. Hinzu kommt der bürokratische Aufwand.

Kurt Hinderer schätzt, dass im Monat rund 500 ehrenamtliche Stunden zusammenkommen.

Wer also mithelfen will, wendet sich an die Arbeiterwohlfahrt Welzheim, Tafelladen, unter Telefon 0 71 82/9 35 55 90 oder E-Mail: tafel-welzheim@web.de

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