Eine Feuerwehr für Paraguay "La Comandante" aus Schorndorf-Miedelsbach

Nass, aber glücklich: Maria-Elena Dubberke, 4.v.l., mit ihren Kollegen nach ihrer Dusche mit dem Feuerwehrschlauch, die offizielle Taufe zur Feuerwehrfrau. Foto: Tanja Höger

Carlos Pfannl/Schorndorf: Mit 16 wandert sie von Schorndorf-Miedelsbach nach Paraguay aus. Mit 18 ist sie nun Kommandantin ihrer eigenen Feuerwehr. Im April wurde Maria-Elena Dubberke offiziell als Feuerwehrfrau und "comandante" vereidigt - und hat damit ihren langjährigen Traum erfüllt.

Tropfnass von Kopf bis Fuß, feuchte Strähnen kleben ihr im Gesicht. Arm in Arm mit ihren ebenfalls pitschnassen Kollegen lacht Maria-Elena Dubberke auf dem Foto stolz und glücklich. Kurz zuvor hatte sie ihre traditionelle Taufe als frischgebackene Kommandantin ihrer eigenen Feuerwehr erhalten: einmal kräftig abgeduscht mit dem Feuerwehrschlauch. Im April wurde sie offiziell als Kommandantin, spanisch: comandante, vereidigt. Mit 18 Jahren, als Frau in einem südamerikanischen, traditionell patriarchalisch geprägten Land. Eine kleine Sensation. Die größere Sensation aber ist, dass diese junge Frau aus Schorndorf-Miedelsbach diese Feuerwehrtruppe erst ermöglicht hat.

Eine Feuerwehr im Nirgendwo

„Es ist schon krass“ sagt sie selbst etwas ungläubig. Erst im Herbst 2017 war die damals 16-Jährige mit ihren Eltern aus Miedelsbach nach Paraguay ausgewandert. Schon damals war ihr Plan, in ihrer neuen Heimat - einer deutschen Kolonie mitten im paraguayischen Nirgendwo - eine Feuerwehr zu gründen. Dort gab es bislang zwar viel, was leicht Feuer fangen konnte und brannte, die nächste richtige Feuerwehr aber war 40 Kilometer entfernt. Die für ihre neue Heimat eigentlich zuständigen Brandbekämpfer waren dagegen kaum als solche aktiv: ohne Ausrüstung, kaum Mitglieder.

Maria-Elena organisierte sogar ein ausgemustertes Feuerwehrauto aus Beutelsbach und jede Menge Ausrüstung, tatkräftig unterstützt von ihren Kollegen der Jugendfeuerwehr Miedelsbach, ihrer alten Wirkungsstätte, und vielen anderen Feuerwehren im Kreis. In Paraguay aber machte sie erst mal Bekanntschaft mit der dortigen Bürokratie, die alles immer irgendwie verkomplizierte. Mal stieg die Zollgebühr ins Unermeßliche, mal fehlten Dokumente, die vorher nie jemand erwähnt hatte. 

Dringend gesucht: Ein Rettungswagen

Seit Oktober 2018 aber ist es geschafft. Die von Maria-Elena ins Leben gerufene Feuerwehr der Gemeinde Carlos Pfannl ist als unabhängige Feuerwehr anerkannt. Im nächsten Schritt soll sie als Verein angemeldet werden, so können auch private Feuerwehren staatliche Förderungen erhalten. Nach einer harten neunmonatigen Grundausbildung sind Maria-Elena und ihre fünf Mitstreiter seit April 2019 offiziell als Feuerwehrleute vereidigt. Die Kommission, eine Art Pflicht-Verwaltung für den Verein, besteht aus weiteren neun Mitgliedern, darunter auch Maria-Elenas Mutter und der Bürgermeister ihrer Stadt. Seit dem 25. Mai diesen Jahres läuft die Grundausbildung für zehn auszubildende Feuerwehranwärter, darunter auch vier Frauen.

Bislang hat die rein ehrenamtlich tätige Feuerwehr von Carlos Pfannl schon fünfzehn Einsätze hinter sich. Mindestens einmal im Monat rücken sie aus. Wenn sich dann die Chefs der freiwilligen Feuerwehrmänner erstmal etwas schwer tun, ihre Mitarbeitern für den Einsatz freizustellen, muss Maria-Elena als Kommandantin aktiv werden. Sie ruft dann die Vorgesetzten auch mal an, um die Dringlichkeit deutlich zu machen. Und die Chefs gehorchen. Die Feuerwehr von Carlos Pfannl löscht nicht nur Brände. Oft werden sie zu Autounfällen gerufen, müssen dort Erste Hilfe leisten und Verletzte ins Krankenhaus bringen. Krankenwagen gibt es in Paraguay zwar, aber die fahren selten und wenn, dann nur gegen sofortige Bezahlung. Und die ist für die Betroffenen oft unerschwinglich. Deswegen sucht Maria-Elena nun nach einem eigenen Rettungswagen für ihre Feuerwehr. Am besten ein ausgemustertes Exemplar aus Deutschland, wie sie betont. Damit hat sie ja bereits beste Erfahrungen gemacht.

Neue Abenteuer in Sicht

Überhaupt ist die Unterstützung aus Deutschland von Feuerwehrkollegen immer noch enorm und höchst willkommen. Sie helfen mit Rat und Tat, und opfern oft den eigenen Urlaub, um vor Ort sein zu können. Ob denn ein regelmäßiger Austausch geplant sei zwischen Carlos Pfannl und Feuerwehren aus dem Kreis? “Ja, das wäre schon genial”, sinniert Maria-Elena. “Vielleicht auch mit Feuerwehren aus ganz Deutschland, mal sehen.” Vor kurzem hat sie einen ersten Probekurs für ein Medizinstudium in Paraguay besucht, ein neues Abenteuer. Es war ihr erster Unterricht vollständig auf Spanisch. Die erste Prüfung hat sie wegen ein paar wenigen Punkten nicht bestanden. Aber wenn Maria-Elena eines wirklich zu Genüge gezeigt hat: so schnell gibt sie bestimmt nicht auf.

Info:

Maria-Elena Dubberkes Feuerwehr ist immer an Sach- oder Geldspenden interessiert. Wer helfen will kann über Paypal spenden: paypal.de/DubberkeParaguay.

Kontodaten für Überweisungen gibt es aber auch gern auf Nachfrage unter m-e.dubberke@outlook.de .Wer einen gebrauchten und günstigen Rettungswagen zur Hand hat, kann sich hier ebenfalls gerne melden. 

Maria-Elena teilt ihre Erlebnisse mit dem Cuerpo de Bomberos Voluntarios Col. Carlos Pfannl auch auf Facebook: https://www.facebook.com/FeuerwehrCarlosPfannlPfannl

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