Eine Million Euro für den Klimaschutz Stadt Winnenden will CO2-Ausstoß weiter mindern

Symbolbild. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winnenden. Die Stadt und ihre Einwohner stehen beim Klimaschutz passabel da: Großartige Methangasproduzenten existieren nicht auf Winnender Gemarkung. Und der Kohlendioxid-Ausstoß ist in Winnenden markant zurückgegangen seit dem Jahr 1995: von 5,29 auf 2,83 Tonnen pro Einwohner. Das Problem ist: Im Jahr 2016 stieg der Verbrauch wieder an auf 3,0 Tonnen pro Einwohner.

Die Stadtverwaltung will den CO2-Ausstoß weiter mindern und dafür eine Million Euro pro Jahr ausgeben. Dies erklärten Finanzdezernent Jürgen Haas und Oberbürgermeister Hartmut Holzwarth am Donnerstag in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Die Stadt reagiert langfristig auf den Klimawandel. Seit 21 Jahren macht Umweltreferent Jürgen Kromer viele kleine und große Vorschläge, wie und wo Energie eingespart und CO2-Belastung vermieden werden kann. Kromer und mit ihm Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Schwarz arbeiten jetzt weiter daran, dass die Stadt von den drei Tonnen pro Einwohner wieder herunterkommt.

Das Ende der Ziegelei hat die CO2-Emissionen gesenkt

Nur: Die Entwicklung von 1995 bis 2014 lässt sich nicht wiederholen. Es ist oft so beim Einhalten von Grenzwerten: Am Anfang sind große Erfolge möglich, nach einigen Jahren braucht es viele kleine Schritte. Ziel der Stadt ist es, den Wert von 1995 zu halbieren, von damals 5,29 Tonnen herunterzukommen auf 2,64 Tonnen pro Einwohner. Große Schritte waren früher möglich. Im August 2009 hörte die Winnender Ziegelei auf mit der Ziegelproduktion. Sie war der größte Luftbelaster in Winnenden. Mit ihrem Ende ging der Pro-Kopf-Ausstoß markant zurück, aber das ist sozusagen ein Sonderfall, den die Politik nicht steuern kann.

Die Gymnasien sollen künftig weniger CO2 emittieren

Politisch bestimmte Einsparungen gab und gibt es auch. Die Stadt sorgte an vielen Stellen für eine Minderung der CO2-Belastung, dämmte die Fassaden ihrer Gebäude, baute Fotovoltaikanlagen auf ihre Dächer, baute eine neue Nahwärmeversorgung mit Holzpellet-Blockheizkraftwerk am Hungerberg auf, stellte einen Ingenieur ein, der mit Regeltechnik die Verbräuche in städtischen Gebäuden senkt. Im Gespräch mit unserer Zeitung zeigte Holzwarth eine Tabelle der größten CO2-Belaster unter den städtischen Gebäuden von Winnenden: Es waren 2011 das Lessing- und das Büchner-Gymnasium. An beiden Gebäuden geschieht seither viel. Beide werden deutlich weniger Energie verbrauchen, wenn sie durchsaniert sind.

Trotz vieler Energiesparhäuser wächst die Emission pro Kopf

Warum ist eigentlich die lokale CO2-Belastung von 2014 auf 2016 wieder leicht angestiegen? Es ist ja eine Pro-Kopf-Zahl – das Bevölkerungswachstum kann nicht schuld daran sein. OB Holzwarth sieht zwei Ursachen: Die zunehmende Digitalisierung verbraucht deutlich mehr Strom. Und: Die Flüchtlinge wirken sich aus, weil sie nicht in energieoptimierten Verhältnissen leben und mehr Energie verbrauchen als die etablierte Bevölkerung, vermutet Holzwarth. Neue Wohngebiete sind auch dazugekommen. Aber die wurden doch energiesparend gebaut, oder nicht? „Ja. Aber die Wohnflächen pro Person nehmen immer noch zu. Und auch die Zahl und Art der Autos, die die neuen Bewohner mitbringen, fließen in die CO2-Bilanz ein“, sagt Umweltreferent Jürgen Kromer. Für die Verantwortlichen der Stadt ist klar: Sie werden weiterhin alles tun, um CO2 zu vermeiden. Umweltreferent Kromer hat einen Elf-Punkte-Plan aufgestellt.


Das Elf-Punkte-Programm von Winnenden

Der Gemeinderat wird nächste Woche ein Elf-Punkte-Programm zum Klimaschutz diskutieren, das Umweltreferent Jürgen Kromer aufgestellt hat. Hier Auszüge aus dem Programm:

  • Klima-Check für Gemeinderatsbeschlüsse. Bevor Räte über einen Neubau entscheiden, erfahren sie, wie der Neubau auf die CO2-Bilanz wirkt.
  • Klimagerechtigkeit: Stadt unterstützt Organisationen, die armen Ländern helfen, mit den Klimafolgen umzugehen.
  • Energiemanagement: Städtische Gebäude werden energieoptimiert, auch im laufenden Betrieb.
  • Faire und klimafreundliche Beschaffung.
  • Klimagerechte Mobilität: Ziel ist, dass 40 Prozent der Fahrten mit Bus, Bahn, Fahrrad oder E-Auto gefahren werden.
  • Klimaanpassungsstrategien: Hitzeaktionspläne, Erhalt der Kaltluftschneisen, Starkregenrisikomanagement, Stärkung der Stadtbäume und Neupflanzung von 1000 Bäumen in zehn Jahren.
  • Öffentlichkeitsarbeit.
  • Klimaschutz-Kümmerer: Eine zusätzliche kommunale Fachkraft soll eingestellt werden, die sich ausschließlich dem Klimaschutz widmet.
  • Jährlicher Klimaschutzbericht im September: Die Pro-Kopf-Emission von 1995 soll bis 2030 halbiert werden. Zielwert: 2,64 Tonnen CO2 pro Einwohner.
  • Ein Klimaschutzfonds von 1 Million Euro wird eingerichtet.
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