Stuttgart - Baumlange Esstische aus Naturholz, wellenförmige Sessel und wabenförmige Bezugsstoffe für Sofas: Inspiration aus der Natur ist eine der großen Richtungen in diesem Jahr. Deutlich erkennbar ist dabei auch der Einfluss des Trends "Homing": Die eigenen vier Wände sind zwar ein privater Rückzugsort, bestimmte Bereiche werden aber für Besucher geöffnet. Die Möbel sollen für Gäste komfortabel und bequem sein, aber auch den individuellen Ansprüchen der Bewohner genügen.

"Kommuniziert wird heute beim Essen", sagt Achim Hannott vom Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef bei Bonn. Wer Besuch empfängt, bittet die Gäste an den rustikalen Esstisch aus Holz. "Und dabei wird blondes Holz wieder salonfähig", sagt Hannott.

Neben dem feinen Sandton etwa aus Ahorn, Birke und Erle sind Eiche, Buche und Nussbaum angesagte Optiken bei den Esstischen, die auch beträchtlich an Größe zulegen. "Das unbehandelte Massivholz steht für Wertigkeit und Nachhaltigkeit, worauf viele Verbraucher heute Wert legen", erläutert Hannott. Bei der Verwendung von Holz beschränken sich die Designer aber nicht auf den Essbereich. Auch Beistelltische, Sideboards und sogar der Fußboden zeigen viele Designer in dem hellen Sandton. "Immer mehr Möbelhersteller kooperieren mit Fußbodenherstellern", sagt VDM-Hauptgeschäftsführer Dirk-Uwe Klaas. So lassen sich Holzmöbel und Parkett oder Laminat farblich aufeinander abstimmen.

Der natürliche Charakter zeigt sich auch beim sandfarben lackierten Kleiderschrank und dem eichenfurnierten TV-Board. Und die Liebe zur Natur macht auch vor den Accessoires nicht halt: So sind neben Massivholz auch Treibholz und wiederverwendetes Bootsholz als üppig gewundener Spiegelrahmen, Lampenfuß oder Hocker zu entdecken.

Ist der Besuch gegangen, wechselt die Familie in die gemütliche Sofalandschaft. Die neuen Modelle nehmen eine Menge Raum ein und zeichnen sich durch organische, fast schon weibliche Formen aus. Viele Sofas haben ein nahezu kantenloses Design mit Kissen als Armlehnen und soften Bezugsstoffen. Neben der weiterhin aktuellen Trendfarbe Weiß setzen viele Hersteller in diesem Jahr auf klassische Naturtöne wie Sand, Kaffeebraun und Lavendel-Grau. Aufgelockert werden die natürlichen Töne durch einzelne Wohnmöbel wie bunte Hockerfamilien, einen türkisfarbenen Sessel oder himmelblaue, knautschige Kissen.

Allerdings erlebt auch das Ledersofa ein Revival. Das neue Leder ist matt und soll natürlich wirken. "Mattes Leder ist zwar empfindlich, dafür aber angenehmer auf der Haut als Lackleder", sagt VDM-Trendexpertin Ursula Geismann. Auch beim Ledersofa stehen die Farben Weiß und Schwarz sowie Naturtöne im Vordergrund. Als Gegenentwurf bieten die Hersteller farbenfrohe Modelle in Aubergine oder Grün an.

Ähnlich wie der Essbereich ins Wohnzimmer gewandert ist, folgt jetzt das Bad ins Schlafzimmer. Das ist ein weiterer Trend, der zu beobachten ist. Und so steht die Badewanne auch schon mal dem Doppelbett gegenüber, wobei ein hochfloriger Teppich und die Holzeinfassung der Wanne den Wohncharakter wahren. In die private Spa-Oase wird viel investiert. Wer sich zum Beispiel in das Schlafzimmer eine Badewanne in der Größe eines Gartenteiches, überdacht von einer Regendusche, einbauen lassen will, muss auch schon mal 24.000 Euro dafür investieren.