Eiszeitkunst Urknall der Kunst soll Gäste locken

So könnten Eiszeitmenschen ausgesehen haben: Darstellung in Blaubeuren Foto: Urmu

Die Eiszeitkunst der Schwäbischen Alb ist zwar einzigartig, aber auf viele Museen verteilt. Die Region will nun beweisen, dass dies kein Nachteil ist, und zieht touristisch an einem Strang. Gemeinsames Ziel: das Siegel Welterbe.

Blaubeuren - Der Löwenmensch steht in einer Ulmer Vitrine, das kleine Mammut kauert dagegen 30 Kilometer entfernt in Niederstotzingen hinter Panzerglas. Die Venus vom Hohle Fels wiederum, die älteste bekannte Menschendarstellung überhaupt, richtet sich häuslich in Blaubeuren ein. Kurzum: Wer auch nur die wichtigsten Skulpturen der Eiszeitkunst bestaunen will, kommt um eine Tour über die Schwäbische Alb nicht herum.

Dort, wo steinzeitliche Menschen sie vor 40 000 Jahren geschnitzt haben, sollen sie auch heute wieder zu sehen sein. So hat es schon die schwarz-gelbe Landesregierung gehalten, und an diesem Bekenntnis zu einer dezentralen Präsentation will auch Grün-Rot nicht rütteln.

Dass dies in gewissem Widerspruch zur herausragenden kulturgeschichtlichen Bedeutung der Plastiken steht – schließlich kann man in ihnen so etwas wie den „Urknall“ der Kunst sehen – , wurde in der Fachwelt schon oft kritisiert. Zuletzt forderte der ehemalige Präsident des Landesdenkmalamts, Dieter Planck, eine zentrale Ausstellung der rund hundert Figuren in einem neuen Museum. Doch dagegen spricht nicht nur der Mangel an Geld, sondern auch der Umstand, dass sich Politiker und Vereine sowohl im Lonetal als auch im Achtal seit langem für „ihre“ Kunstwerke engagieren.

Sie wollen sich jedenfalls nicht nachsagen lassen, sie hätten kein Verständnis für die Schätze und handelten sie touristisch unter Wert. Schon im vergangenen Sommer haben deshalb Kommunal- und Landespolitiker vereinbart, bei der Vermarktung der Eiszeitkunst an einem Strang zu ziehen.

Kürzlich folgte der zweite Schritt: Die Landräte von Heidenheim und des Alb-Donau-Kreises sowie der Ulmer Oberbürgermeister gründeten eine gemeinsame touristische Dachmarke mit dem Titel „Weltkultursprung“.

Die Alb ist scharf auf's Gütesiegel

Das Wort spielt auf die Unesco-Liste der Welterbestätten an – ein Gütesiegel, mit dem sich auch die Region der Alb gern schmücken würde. Die Landesregierung hat den Antrag dazu schon vor zwei Jahren der Kultusministerkonferenz zugeleitet.

Weiterer Partner der Dachmarke ist das Urgeschichtliche Museum in Blaubeuren (Urmu), dessen Rolle als baden-württembergisches Schwerpunktmuseum für Eiszeitkunst wachsen soll. Ab 18. Mai wird sich das Haus renoviert und mit einer größeren Ausstellungsfläche der Öffentlichkeit präsentieren. Als Dauergast zieht dort bereits am 12. Mai die Venus vom Hohle Fels ein, die bis vor kurzem noch im Landesmuseum Württemberg zu sehen war.

„Ich bin froh, dass die vier Partner zusammengefunden haben, denn das ermöglicht einen kraftvollen Auftritt“, sagt der Ulmer Landtagsabgeordnete Martin Rivoir (SPD), der die Kooperation mit eingefädelt hat. Daraus müsse sich nun ein Tourismuskonzept mit einheitlichen Tickets und einem kraftvollen Werbeauftritt entwickeln. Geplant ist zum Beispiel eine gemeinsame Werbetour in Brüssel. Auch braune Hinweisschilder entlang der Autobahn will man beantragen.

Museen wie das Urmu in Blaubeuren oder der erst im vergangenen Jahr eröffnete Archäopark in Niederstotzingen bleiben zwar selbstständig, die Akteure sollen sich jedoch unterhalb der Dachmarke vernetzen. Auch die Fundstätten sollen einbezogen werden: die Vogelherdhöhle etwa bei Niederstotzingen oder die Geißenklösterle-Höhle bei Schelklingen.

Darüber hinaus wollen wissenschaftliche und kommunale Institutionen wie die Universität Tübingen sowie der Tourismusverband Schwäbische Alb unter dem gemeinsamen Dach mitarbeiten.

Der Ulmer Abgeordnete Rivoir sieht den gemeinsamen Auftritt als wichtige Voraussetzung für einen Erfolg bei der Kultusministerkonferenz. Denn das Siegel Welterbe wird nicht den Fundstücken an sich, sondern der Fundlandschaft verliehen.

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