Eklige Verschmutzung und Folienschaden Eine kuriose Badesaison in Remshalden

Kinder toben und andere nutzen das Bädle für ihre sportlichen Aktivitäten. Foto: Ralph Steinemann

Remshalden. Die Sonne strahlt. Es ist heiß. Ein perfekter Badetag war das am Sonntag. Kurios: Beide Bäder in Remshalden waren geschlossen. Im Geradstettener Freibad hatte sich die Beckenfolie vom Rand gelöst, in Rohrbronn hatte jemand ins Becken gekotet. Unglaublich. Das Rohrbronner Bädle musste bloß einen Tag pausieren und am Donnerstag strömten die Besucher auch wieder ins Geradstettener Bad. Der Schaden war behoben und im Freibad klingelt das Telefon im Minutentakt „Ja! Seit 10 Uhr. 22,4 Grad“, antworten die Bademeister.

„Ich muss ans Becken“, ärgert sich ein Bademeister. Doch ständig geht das Telefon- Und dann streikt auch noch der Computer. Auch im Kiosk rufen am Donnerstagmorgen viele Leute an. „Habt ihr wieder geöffnet“, fragen sie? „Ja, seit 10 Uhr“, antwortet das Freibadpersonal. Dann folgt meistens die Antwort auf die obligatorische zweite Frage: Ja, das Wasser wird wärmer, 22,4 Grad habe es bereits. Am besten hätte die Gemeinde ein Flugzeug gechartert und ein Banner am Himmel entlangfliegen lassen. Aufschrift: „Das Freibad Geradstetten ist wieder offen!“ Die Reaktionen der frühen Badegäste fasst eine ältere Frau treffend zusammen, „Gott sei Dank!“, sagt sie.

Es ist schon ulkig zu beobachten, wie erleichtert einige Besucher am Donnerstagmorgen sind. „Die standen Schlange vor dem Tor“, sagt Christa Seiler, die Tickets verkauft. Viele Besucher kennt sie persönlich, die müssen gar nicht mehr ihre Jahreskarte vorzeigen. „Die haben das alles sehr vermisst“, weiß Seiler. Knapp zwei Wochen war das Baden unmöglich, weil sich am letzten Julisamstag die Beckenfolie vom Rand gelöst hatte. Für viele eine Katastrophe.

Der Plüderhäuser Badesee sei zu trüb, sagt eine Frau. Kein Ersatz. Das Winterbacher Bad könne dem Geradstettener Freibad auch nicht das Wasser reichen. Rohrbronn? Zu klein! Ihr gingen die nassen Alternativen aus. Jetzt kann sie endlich wieder ihre Bahnen ziehen. Esther Schwegler freut sich. Die Größe des Beckens zeichne das Bad aus und das Persönliche, sagt sie und deutet auf Christa Seiler und die Anlage.

100 Besucher kommen an einem Nachmittag ins Rohrbronner Freibad

„Wir sind die ersten und die letzten Besucher“, stellt sie lachend fest. Sie wäre auch gekommen, wenn es draußen kälter gewesen wäre. „Es hat uns gefehlt“, blickt sie auf die zwölf Tage zurück, während immer mehr Badewütige vorbeischauen. Mehr als ein Dutzend durchpflügen bereits kurz nach 10 Uhr das Wasser. Bis zu 3000 Menschen schauen an heißen Tagen vorbei. „Das Bad da oben ist zu klein“, hält eine Frau fest – und zeigt nach Rohrbronn.

Diese Aussage ist objektiv gesehen völlig richtig. 12,5 mal zehn Meter misst das Becken. Bis zu 100 Besucher kommen an einem sonnigen Nachmittag ins Rohrbronner Freibad, das es seit der ekligen Verschmutzung am Wochenende sogar zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Auch das Radio berichtete über diese abstoßende nächtliche Hinterlassenschaft.

Katrin Pazda hat Menschen getroffen, die nach dieser Nachricht nach Rohrbronn gefahren sind, um das kleine Bädle zu besichtigen. Sie hätte sich lieber schönere Werbung für ihr Bädle gewünscht, sagt die Chefin des Fördervereins Rohrbronner Bädle.

Rohrbronner Bädle: Die Mitglieder stemmen alles ehrenamtlich

Am frühen Mittwochabend toben sich vor allem Kinder im kleinen Becken aus. In den vergangenen Tagen seien auch einige Gäste aus Geradstetten oben gewesen. Was dem einen zu klein ist, bezeichnen andere als idyllisch und familiär. „Die Rohrbronner nutzen ihr Freibad sehr“, freut sich Katrin Pazda. 220 Mitglieder hat ihr Verein – und das bei rund 800 Einwohnern. Die Mitglieder stemmen alles ehrenamtlich. Aufsicht, Kiosk, Putzkolonne, Wassertechniker: Jeder bringt Talent und Fleiß ein. Immer wieder engagierten sich auch junge Familien.

28 Grad hat das Wasser derzeit. Weil die Techniker ihr Geschäft verstehen, ist die Wasserqualität dennoch sehr gut, ist Katrin Pazda stolz. Abends taucht der Wassersauger durchs Becken, eine nützliche Neuanschaffung. Derlei Anschaffungs- und Wartungskosten teilen sich Verein und Gemeinde. Letztere kommt für die Betriebskosten wie Strom und Wasser auf. Daher müssen die Ehrenamtlichen fleißig Geld verdienen, über Eintrittskarten, den Kioskverkauf und andere Aktivitäten wie ihr Verkauf auf dem Weihnachtsmarkt.

Große Einzelspenden sind sehr hilfreich, damit der ursprüngliche „Krötenpool“ aus den 1930er Jahren bald sein 90-jähriges Jubiläum feiern kann – zieht man die kurze Unterbrechung in den 80er und 90er Jahren ab. 1988 musste das Bad schließen, zu schlecht war die Wasserqualität. Der Tatkraft vieler Rohrbronner, 1991 gründete sich der „Förderverein Rohrbronner Bädle“, ist es zu verdanken, dass seit 1997 wieder mitten in Rohrbronn Badespaß angeboten werden kann.

Das Bad ist fast jeden Tag voll

Weil die Ehrenamtlichen sich ins Zeug legen, blicken sie daher nun auf eine mehr als 20-jährige Erfolgsgeschichte zurück. 2017 standen eine Komplettsanierung und die Renovierung des Kiosks an. Klingelt denn wegen dieses super Sommers die Kasse? Schließlich soll ja bald die Wiese gemacht werden. Leider kaum, erläutert die Vorsitzende. Schließlich haben die meisten Rohrbronner eine Jahreskarte. Also halten sich die Tagesticketerlöse in Grenzen.

Doch ist das Bad fast jeden Tag voll, stoßen die Ehrenamtlichen an ihre Grenzen, weiß Katrin Pazda. Sie kann sich nicht erinnern, dass es bis Anfang August lediglich zwei Schließtage gegeben hat. Bis zu 25 seien es pro Saison. Da sei es aktuell schwierig, genügend Rohrbonner zu organisieren, die die Aufsicht übernehmen, die Technik im Blick haben und abends auch die Toiletten putzen. Truhen, Kühlschrank et cetera im Kiosk müssen auch regelmüßig gefüllt werden. „Es funktioniert fast immer“, ist Pazda sehr zufrieden, dass die Dorfgemeinschaft so gut funktioniert. Schließlich sei das Freibad ein Treffpunkt für jedermann. Sie ist dankbar, weil sich auch Kinder und Jugendliche einbringen. „Es ist auch ihr Freibad. Die Kinder merken, welche Arbeit dahintersteckt,“ eine nette „Selbsterziehungsmaßnahme“.

Und ihr Bädle biete ja auch mehr. Regelmäßig organisieren sie Kurse – auch für Kinder. Und die Lautstärke? Was sagen die Nachbarn? „Wir tun alles, damit es ruhig ist“, sagt Katrin Pazda. Ab 19 Uhr muss Schluss sein. Ausnahmen gibt es selten. Vielleicht am 9. September; Saisonabschluss. Es wird wieder das beliebte „Klamottenbaden“ stattfinden. Und dann werden auch die Rohrbronner auf eine mitunter extreme und kuriose Badesaison zurückblicken. „Mehr geht nicht“, sagt Katrin Pazda.


Zwei Millionen Liter

2000 Kubikmeter Wasser sind seit dem Wochenende ins Geradstettener Freibad geflossen. Nur nachts konnte der Hahn voll aufgedreht werden, sagt Florian Loup von der Gemeinde. Die Höhe der Reparaturkosten stünde noch nicht fest. Das Becken wurde lediglich „geflickt“. Das sei, bei den hohen Temperaturen, die richtige Entscheidung gewesen. Mitte/Ende August hätte man die Saison wohl beendet, Stichwort „Kosten-Nutzen“. Doch weil der Schaden relativ schnell und günstig behoben werden konnte, wollte man den Badespaß nicht absaufen lassen. Andernfalls hätte man die Dauerkarteninhaber in irgendeiner Form entschädigt. Davon sehe man nun ab. In der Jahresbilanz würden nun sicherlich ein paar Tageseinnahmen fehlen. Verwaltung und Gemeinderat müssen nun, sobald man Klarheit habe, entscheiden, ob die Folie gegebenenfalls bereits 2019 grundlegend erneuert werden muss. Eigentlich wollte man sich noch etwas Zeit lassen.

Seit Donnerstag hat das Freibad Geradstetten wieder wie gewohnt geöffnet. Wie bereits berichtet, konnte die Beckenfolie dank tatkräftiger Mithilfe von Bauhofmitarbeitern und Freibad-Team durch die Fachfirma Paul und Haudek Sportstätten- und Schwimmbadbedarf Vertriebs GmbH schneller als gedacht repariert werden. Die Gemeindeverwaltung bedankt sich bei allen Badegästen für das Verständnis, dass das Freibad ausgerechnet in der heißesten Sommerzeit zwölf Tage lang geschlossen bleiben musste.

Für alle Dauerkarten-Inhaber soll es daher im nächsten Jahr eine Entschädigung geben: „Bewahren Sie Ihre Dauerkarte 2018 gut auf, denn mit diesem Nachweis bekommen Sie einmalig zehn Prozent Ermäßigung auf die Saison- oder Kombikarten 2019. Die Ermäßigung gilt einmalig auf sämtliche Dauerkarten sowohl im normalen Verkauf als auch im Vorverkauf – zusätzlich zu den zehn Prozent Nachlass beim Vorverkaufspreis“, heißt es in einer Pressemitteilung.

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