Elektromobilität Chinesen rollern bald mit E-Motoren von Bosch

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Stuttgart.Elektromotoren von Bosch stecken nicht nur in vielen Fahrzeugteilen, sondern auch in strombetriebenen Fahrrädern und Autos. Nun schließt das Unternehmen die Lücke dazwischen und beliefert mit einem chinesischen Partner künftig Elektroroller-Hersteller in Asien. -

Elektroautos gelten als Fort­bewegungsmittel der Zukunft. Elektroroller, auch E-Scooter genannt, widmet die Öffentlichkeit hingegen nur wenig Aufmerksamkeit – obwohl die Stromer auf zwei Rädern nicht nur umweltfreundlich, sondern auch sehr günstig unterwegs sind. In Deutschland sind längst über 20 Modelle erhältlich, mehrere Autobauer haben derzeit einen E-Roller in Planung.

Auf den Straßen fahren die Gefährte hierzulande trotzdem kaum, gänzlich anders sieht es in Asien und insbesondere in China aus. Bereits 2006 wurden im Reich der Mitte drei Millionen mehr Elektroroller als Zweiräder mit Verbrennungsmotor verkauft, mittlerweile sollen in China 60 Millionen E-Roller zugelassen sein. Lukrative Aussichten für Bosch: „Der Einstieg in den weltweiten E-Scooter-Markt ist für uns ein Meilenstein“, sagt Udo Wolz, Vorsitzender der Sparte Electrical Drives. Wobei weltweit in erster Linie Asien meint: 27 Millionen E-Scooter-Motoren wurden 2011 produziert, 98 Prozent davon in China. Kunden sucht Bosch nach Angaben eines Sprechers ­vorrangig „auf dem asiatischen Markt“.

Chinesen versprechen sich von der Kooperation einen Qualitätssprung

Partner für das geplante Gemeinschaftsunternehmen ist die chinesische Ningbo Polaris Technology. Die Firma mit Sitz in ­Cixi im Verwaltungsgebiet von Ningbo beschäftigt 450 Mitarbeiter und hat 2011 über eine Million E-Roller-Motoren verkauft. Laut dem Bosch-Sprecher versprechen sich die Chinesen von der Kooperation einen Qualitätssprung und wollen von der jahrzehntelangen Erfahrung der Stuttgarter bei E-Motoren profitieren. „Wir sehen hervorragende Wachstumsmöglichkeiten“, wird Dacheng Luo, der Chef von Polaris, zitiert.

Bosch soll rund 60 Prozent Anteil an dem Joint Venture haben, bis Ende des Jahres erwarten die Stuttgarter die erforderlichen Zustimmungen der Kartellbehörden. Bosch geht davon aus, dass jedes Jahr sechs Prozent mehr E-Scooter-Motoren verkauft werden. „Bis 2020 wird das Marktvolumen auf 46 Millionen Einheiten ansteigen“, sagt Wolz.

Mit Motoren für E-Roller schließt Bosch eine Lücke im Angebot: In Hildesheim produziert der Konzern gemeinsam mit dem Autohersteller Daimler Elektromotoren für Fahrzeuge, zum Einsatz kommen die ersten Produkte in den nächsten Wochen in der Kleinserie des strombetriebenen Stadtflitzers Smart. Von 2014 an will Bosch die Motoren aus dem Joint Venture namens EM-motive auch an andere Autobauer verkaufen. Zudem ist der Konzern 2011 in den Markt für Elektro-Fahrräder eingestiegen. Seither hat die Zahl der Kunden von 13 auf 40 Hersteller in Europa zugenommen, die den E-Motor für ihre Räder von Bosch beziehen. Der Elektroroller liegt in der Mitte zwischen strombetriebenem Fahrrad und Auto – und der Bosch-Sprecher schließt nicht aus, dass die E-Scooter irgendwann auch in Europa ein Renner werden.

Das Joint Venture mit Samsung für E-Auto-Akkus wird wohl aufgelöst

Das Joint Venture mit den Chinesen ist ein weiteres Beispiel für die Bosch-Strategie, vom klassischen Autozulieferer-Geschäft unabhängiger zu werden. Jedes Jahr investiert Bosch 400 Millionen Euro nur in die Zukunft des Elektroantriebs, rund 800 Entwickler forschen daran. Zudem baut das Unternehmen Solarzellen, Generatoren für Windräder und Blockheizkraftwerke. Vier von zehn Euro setzt der Konzern heute mit Produkten um, die Umwelt und Ressourcen schonen. Die traditionelle Kfz-Technik ist aber nach wie vor der Hauptumsatzbringer. 2011 hat Bosch 51,5 Milliarden Euro umgesetzt, der Gewinn betrug 1,8 Milliarden. Seit Juli 2012 ist Volkmar Denner (55) Chef über mehr als 300 000 Beschäftigte weltweit.

Nicht immer gelingt der Ausflug in neue Geschäftsfelder wie ein Joint Venture mit Samsung zeigt: Gemeinsam mit den Koreanern stellt Bosch seit Mitte 2008 Akkus für E-Autos her, zuletzt kam es in der Firma namens SB Limotive aber immer wieder zu Streit über die Strategie. Deshalb prüft Bosch seit Monaten alternative Formen der Kooperation. Zwar sei noch keine Entscheidung gefallen, sagt ein Sprecher. „Derzeit sieht es aber so aus, als ob die Zusammenarbeit wirtschaftlich getrennt wird.“ Bosch und Samsung halten je 50 Prozent an SB ­Limotive, von 2016 an will Bosch ohne fremde Hilfe Batterien für E-Akkus herstellen.

In das Joint Venture mit Hunderten Beschäftigten in Korea und Stuttgart wollten beide Partner gemeinsam 380 Millionen Euro investieren. Gelernt hat Bosch daraus offenbar zweierlei: Über die Investitionssumme in die Zusammenarbeit mit Polaris schweigt der Konzern. Und in dieser Gemeinschaftsfirma hält Bosch die Mehrheit.

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