Eltern sind sauer Kein Abi an der Friedensschule Neustadt

Schüler und Eltern sind enttäuscht: Die Friedensschule wird eine Gemeinschaftsschule wie andere auch. Foto: Palmizi / ZVW

Waiblingen-Neustadt. Die Eltern sind enttäuscht: An der Friedensschule Neustadt wird in absehbarer Zeit kein Schüler das Abitur machen können. Die Stadt Waiblingen wird beim Land keinen Antrag auf Einrichtung einer gymnasialen Oberstufe stellen, weil die Schülerzahlen dafür nicht ausreichen.

Vor fünf Jahren war die Gemeinschaftsschule in Neustadt angetreten mit dem Ziel, dass ihre Schüler eines Tages das Abitur machen können. Nun wird der Traum von einer echten Gemeinschaftsschule, die bis zur Hochschulreife führen kann, erst einmal zu den Akten gelegt. An maximal zehn Standorten in Baden-Württemberg möchte die Landesregierung die Oberstufe an Gemeinschaftsschulen zulassen und hat die Hürden dafür recht hoch gelegt. So hoch, dass Neustadt sie nach heutigem Ermessen nicht nehmen kann: Die langfristige Prognose für die Schülerzahl in Klassenstufe 11 auf Grundlage der Schülerzahl in Klassenstufe 9 muss demnach mindestens bei 60 Schülerinnen und Schülern liegen. Aus eigener Kraft schafft die Friedensschule nur die Hälfte.

Starke Schüler müssen nach der zehnten Klasse wechseln

Dennoch hat die Stadt vor zwei Jahren beim Kultusministerium grundsätzlich ihr Interesse am Gymnasial-Zug bekundet. Von einer Antragstellung sieht sie nun definitiv ab – aus der Überzeugung, dass er sowieso zum Scheitern verurteilt wäre. Diejenigen Schüler, die das Zeug für das Abitur mitbringen, müssen sich nach dem Realabschluss eine neue Schule suchen. Spätestens seit die Stadt diese Tendenz vor einem Jahr bei der Fortschreibung ihres Schulentwicklungsplans öffentlich machte, gärt es unter den Eltern. Nicht wenige hatten damit gerechnet, dass ihr Kind seine Schulkarriere an der angestammten Schule verbringen kann. Dazu gesellt sich die Sorge, die Gemeinschaftsschule könnte für stärkere Schüler unattraktiv werden.

Die Hoffungen der Eltern ruhten in den vergangenen Monaten darauf, dass durch Schüler aus den anderen beiden Waiblinger Gemeinschaftsschulen und den Realschulen die Marke 60 erreicht werden könnte. Zusätzlich könnten Schüler aus den umliegenden Gemeinden wie Korb kommen. Der Elternbeirat wurde selbst in dieser Richtung aktiv, lotete die Haltung der Nachbarn aus – und sah sich durch positive Rückmeldungen bestätigt.

Ernüchterndes Ergebnis: Die Schulwechsel reichen nicht

Ernüchternd fällt das Ergebnis der Berechnungen der Stadtverwaltung aus. Demnach genügen die zu erwartenden Wechsel von Waiblinger Schulen nicht. Um eine stabile Zahl über 60 zu erreichen, müssten sich Schüler aus den Umlandkommunen der Friedensschule anschließen. Dafür wären Kooperationen auf Grundlage sogenannter öffentlich-rechtlicher Vereinbarungen erforderlich. Stellungnahmen der Nachbarn hat die Stadt dazu angefordert. Und diese Stellungnahmen, die schon recht zögerlich eingingen, ließen nicht darauf schließen, dass das Ansinnen von Erfolg gekrönt werden könnte. Wie viele Schüler aus dem Umland wirklich an einer bei der Friedensschule angesiedelten Oberstufe interessiert wären, lasse sich angesichts des vielfältigen gymnasialen Angebots in Waiblingen und Umgebung nicht vorhersagen. Wie im Ratsausschuss für Bildung, Soziales und Verwaltung durchklang, hätten andere Gymnasial-Standorte in Waiblingen auch Vorteile, weil sie besser erreichbar wären.

An der Friedensschule steigen zwar voraussichtlich die Schülerzahlen in den Grundschulklassen. Weil in der Sekundarstufe eins im Sommer die Werkrealschule und die Realschule auslaufen und die Übergangsquoten an die Gemeinschaftsschule seit deren Einführung stark schwanken, geht die Stadtverwaltung trotzdem davon aus, dass in den folgenden Jahren weniger Schüler die Sekundarstufe eins der Friedensschule besuchen.


Die Rolle der Politik

Die schwankenden Übergangsquoten an die Gemeinschaftsschulen haben nach Meinung der Elternbeiratsvorsitzenden Daniela Gaus einen Grund: „meistens negative Äußerungen aus der Politik“ über die Schulform und ihre Zukunft.

Weiterer Faktor, der gegen Neustadt spricht, ist der Lehrermangel. Da schon das Pflichtangebot kaum abgedeckt werden kann, ist es aus Sicht von Bürgermeisterin Christiane Dürr unwahrscheinlich, dass Lehrer für eine neue Struktur gestellt werden.

  • Bewertung
    5

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!