Endlich tut sich was Kernen will neue Radwege bauen

So ähnlich wie hier in Mülheim an der Ruhr in Nordrhein-Westfalen könnte der Radschnellweg von Fellbach nach Schorndorf aussehen. Laut Machbarkeitsstudie könnten die Strecke, die Kernen anbindet, rund 2500 bis 3700 Menschen am Tag nutzen. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Kernen. Seit Jahren pochen Radfahrer in Kernen auf Verbesserungen. Nun tut sich endlich was: Bald sollen neue Radwege innerorts und zwischen den Ortsteilen entstehen. Wie Kernen an den geplanten Radschnellweg von Fellbach nach Schorndorf angebunden wird, ist noch unklar, doch es gibt eine Wunschlösung.

Über mangelnde Sicherheit auf den Straßen ärgern sich Kernener Radfahrer bereits seit Jahren. Als „Flickenteppich“ wurde das Radwegenetz in Kernen schon bezeichnet. Immer wieder bemängeln Radler die fehlende Infrastruktur: Unter anderem beim Aldi-Kreisel herrscht Optimierungsbedarf, Radler bräuchten hier eine eigene Spur. In vielen Straßen müssen Radler parkenden Autos ausweichen. Zu wenige Abstellplätze gibt es ohnehin.

„Wir nehmen die Radwege im nächsten Jahr auf jeden Fall in Angriff“, verspricht Ralf Bulling vom Kernener Bauamt. Bereits seit 2017 wird hier an einem neuen Radwegekonzept gearbeitet. Nun hat die Gemeinde die Zusage für die Förderung durch das Land Baden-Württemberg bekommen, berichtet Bulling. Den Baubescheid erwartet er für März kommenden Jahres.

Neuer Radweg in Stetten und mehr Abstellplätze

Dann sollen endlich neue Radwege entstehen und bereits bestehende Verbindungen ausgebaut werden. Feldwege, die von Waiblingen nach Rommelshausen führen, werden ausgebaut. Manche der bestehenden Wege bekommen einen neuen Belag oder neue Beschilderungen. Auch eine Optimierung des Aldi-Kreisels ist geplant. In Stetten wird ein neuer Radweg entlang des Haldenbachs entstehen. Nach und nach werden Fahrradständer aufgestellt, bald stehen am Bahnhof Rommelshausen 40 Boxen. Denn der Schwerpunkt des Radwegekonzepts liegt auf einer Anbindung von Stetten zum Bahnhof Rommelshausen, sagt Bulling.

Und: Durch die neuen Wege, finanziert von der Gemeinde, soll Kernen an den geplanten Radschnellweg von Fellbach nach Schorndorf angebunden werden. Diese Strecke soll Radler schnell von A nach B bringen – auf einem Weg, der mindestens vier Meter breit, beleuchtet und weitgehend kreuzungsfrei ist. Das kommt besonders Berufspendlern zugute. Wo genau dieser Radschnellweg verlaufen wird, ist allerdings noch nicht geklärt.

Für die Kernener Radfahrer wäre es am besten, wenn die Expressverbindung südlich der Bahntrasse angelegt würde, sagt Bulling. Der Weg würde am Ortseingang von Rommelshausen entlang führen, so dass die zwei Gewerbegebiete dort für Pendler mit dem Rad einfach erreichbar wären. „Das wäre natürlich ideal für die Mitarbeiter“, sagt er. Für Pendler, die mit Bahn und Rad unterwegs sind, wäre eine Anbindung an die S-Bahn gegeben. Bulling freut sich, dass Kernen dabei ist: „Das ist eine tolle Einrichtung.“ Und zwar ganz egal, wo der Radschnellweg am Ende entlangführt.

Der Radschnellweg soll parallel zur Bundesstraße verlaufen

Mehrere Optionen seien denkbar, sagt Karen Fischer, Radwegekoordinatorin im Landratsamt. Momentan werde eine Route südlich der B 29 favorisiert: Parallel zur Bundesstraße sollen vorhandene Landwirtschaftswege ausgebaut werden. Abschnittsweise sollen neue Wege entstehen, auf denen auf weiten Strecken nur Zweiräder zugelassen sind.

Fischer tourt derzeit durch die sieben betroffenen Kommunen und stellt eine Machbarkeitsstudie vor. In Kernen und im Waiblinger Planungsausschuss kam die Studie gut an (wir berichteten), in Weinstadt steht das Thema an diesem Donnerstag auf der Tagesordnung des Gemeinderats.

„Die Studie zeigt keine festgelegte Trasse“, betont Fischer. „Das Ziel der Machbarkeitsstudie ist, eine Lösung zu finden, die theoretisch realisierbar wäre.“ Mit der Förderzusage durch Bund und Land (siehe Infobox) rechnet das Landratsamt laut Fischer jeden Tag. Ist die Zusage da, wird der Radschnellweg zur genauen Planung ausgeschrieben. Das Büro, das den Auftrag erhält, muss sich dann unter anderem damit beschäftigen, wo Schutzgebiete liegen, wo die Straßenbreite einen Radschnellweg überhaupt zulässt und wo Kreuzungen zu überwinden sind. Gemeinsam mit jeweils einem Vertreter jeder Kommune entwickelt das Planungsbüro die finale Führung des Radschnellwegs. Das wird einige Jahre dauern. Zum Abschluss stimmen die Gemeinderäte der angeschlossenen Kommunen Abschnitt für Abschnitt über die Streckenführung ab. Die Radfahrer müssen sich also noch eine Zeit lang gedulden.


Millionen für die Planung von Bund und Land

Der Radschnellweg soll insgesamt 32 Millionen Euro kosten. Für die Planung des Projekts, die zwei Millionen Euro kosten soll, hat der Bund eine Förderung von 75 Prozent in Aussicht gestellt, das Land könnte weitere 12,5 Prozent bezuschussen, heißt es vom Landratsamt.

„Wir werden die Konzeption und Umsetzung von Radschnellwegen unterstützen“ – das hat die Landesregierung in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten.

Die Kosten für den Streckenabschnitt in Fellbach würde die Stadt selber stemmen, den Abschnitt Fellbach-Weinstadt würde das Land und den Abschnitt Weinstadt-Schorndorf würde der Kreis übernehmen, wobei aber mit hohen Zuschüssen zu rechnen wäre.

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