Energiemedizin Radionik: Worum geht's?

Christiane Spindler. Foto: Privat

Marile Wener kriegt sich am Telefon fast nicht mehr ein. „Das ist enorm, was da passiert ist. Absolut ein Wunder.“ Verantwortlich dafür ist Christiane Spindler aus Korb. Sie ist Radionikerin, hat die 46-Jährige aus der Nähe von Trier behandelt – aber selbst nie gesehen. Ein Therapieerfolg übers Telefon und 300 Kilometer Distanz – wie soll das denn gehen?

Marile Wener macht sich darüber wenig Gedanken. Ihr geht es besser. Nur das zählt. Nachdem ihr Mann gestorben war, gab es mit den beiden Söhnen nur noch Streit. Belastend war das vor allem für sie als Mutter. Durch ihre Schwester kam sie schließlich in Kontakt mit Christiane Spindler. Mit der telefonierte sie. „Ich habe schon beim ersten Mal gespürt, das passt.“ Die Telefonate zeigten Wirkung. Marile Wener: „Es ist jetzt viel harmonischer in der Familie.“ Und ihr geht es – ohne den Familienstress – wieder gut. „Ich kann das nur empfehlen.“

Was aber empfiehlt sie? Was macht Christiane Spindler? Die Korberin ist Radionikerin. Beim Besuch in ihrer Praxis in Schorndorf sitzt sie am Schreibtisch hinter einem dicken Ringbuch-Ordner, neben sich zahllose kleine mit Sand gefüllte Fläschchen, in der Hand einen Tensor, ein Gerät, das funktioniert wie eine Wünschelrute.

Was die 46-Jährige macht, ist für streng wissenschaftlich denkende Menschen, die nur auf die Ergebnisse von genormten Versuchen vertrauen, schwer nachvollziehbar. Auf ihrer Homepage schreibt sie dazu: „Alle menschlichen Erfahrungen sind als feinstoffliche Informationen in unserem Energiefeld hinterlegt. (...) Durch dieses Energiefeld ist alles mit allem verbunden und kann miteinander kommunizieren. Radionik kann diese Kommunikation über einen Tensor (Einhandrute) sichtbar machen. Wenn das Energiefeld von Mensch oder Tier blockiert ist, kann es gezielt neu informiert werden mit Heilschwingungen. So bekommt der physische Körper die Chance, seine Selbstheilungskräfte so anzuregen, dass Gesundheit entstehen darf.“

Radionik bezieht sich wie die systemische Aufstellung (siehe oben) auf das von Rupert Sheldrake postulierte – wissenschaftlich aber nicht bestätigte – morphische Feld. Wer die Wirkung scheinbar geisterhafter Schwingungen auf Menschen und Situationen für kompletten Unsinn hält, kann Erklärungen in den – wissenschaftlich belegten – Ergebnissen der Quantenphysik finden, wenngleich auch die schwer verdaulich sind. Sie belegen grob gesagt: „Es gibt keine Materie“ (Buchtitel von Hans-Peter Dürr, früher Direkter des Max-Planck-Instituts für Physik in München), alles ist Energie oder, wie es Anton Zeilinger von der Universität Wien nennt: Information. Zeilinger ist einer der weltweit renommiertesten Physiker. Als Erster hat er es geschafft, Elektronen von einem Ort zum anderen zu teleportieren. Zu beamen wie auf dem Raumschiff Enterprise.

Zur Radionik gekommen ist Christiane Spindler durch eine Lebenskrise. 2010 wurde sie mit einer Hirnhautentzündung in „ziemlich kritischem Zustand“ ins Krankenhaus eingeliefert. „Die Ärzte haben keine Ursache gefunden, medizinisch war das nicht erklärbar.“ Sie wurde wieder gesund, aber durch die existenzielle Bedrohung „ist etwas losgegangen“. Als drei Jahre später durch zu starke berufliche Belastung ein Burn-out folgte, „bin ich total in die Krise gefallen“. Sie wollte dem, was sie in diese Situation gebracht hatte, auf den Grund kommen, und es ging ihr dabei nicht um rational medizinische Gründe. Die Beschäftigung mit alternativen Heilmethoden brachte sie zur Radionik, zusätzlich machte sie eine Ausbildung zum systemischen Familienaufstellen. „Vorher hatte ich mich mit solchen Themen nie beschäftigt“, sagt sie.

Die Radionik sprach sie besonders an, und sie spürte bald, dass sie sehr sensibel war für diese Energien. Zunächst standen ihre eigenen Probleme – Themen, die sie unterhalb des Bewusstseins beschäftigten und belasteten – im Zentrum. Zunehmend bot sie ihre Hilfe auch anderen an. Durch die Radionik könne sie, in dem sie die Liste möglicher Probleme nach ihrem 600 Seiten starken Ringbuch durchgeht, zum einen erspüren, auf welche Punkte der Klient reagiere, und danach ebenfalls auf nichtmateriellem Weg die Heilung, also die Verbesserung der Situation anstoßen.

Hokuspokus? Zumindest nicht für Marile Wener. Und auch Christiane Spindlers Familie „zieht mit, weil sie die Erfolge spürt“. Beziehungen zu Lehrern verbessern sich, Mobbingstress klärt sich, Nervosität vor Klassenarbeiten legt sich, das Wissen bei Klassenarbeiten steht leichter zur Verfügung. Das bestätigt auch Mona Seifried (Name geändert), deren Sohn wegen Schulproblemen zu Christiane Spindler gegangen war. „Ich war anfangs überhaupt nicht überzeugt gewesen, aber jetzt kann ich es nur weiterempfehlen.“ Ihr Sohn fühle sich deutlich wohler in der Schule, die Leistungen besserten sich.

Auch bei zwei Mobbingfällen habe sie helfen können, sagt Christiane Spindler. Im Gästebuch ihrer Homepage bedankt sich ein Manuel dafür, dass er sein Problem mit Schuppen losgeworden sei.

„Ich stelle mit meiner Arbeit den Menschen die Methoden zur Verfügung, die mir geholfen haben, um aus einer Lebenskrise heraus und zu mir selbst zu finden“, sagt Christiane Spindler. Wunder aber vollbringe sie nicht. „Ich gebe Anstöße, setze einen Impuls.“ Nicht immer zeige sich dabei sofort eine Besserung. Die Lösung müsse auch nicht immer heißen „Friede, Freude Eierkuchen. Oft finden sich Lösungen, an die man vorher gar nicht gedacht hat“.

Und selbst wenn der Klient direkt danach nichts bemerke, es werde immer etwas angestoßen. Zuweilen erkenne man erst viel später: Mir geht’s jetzt ja viel besser.

Zu dieser Serie

Diese Serie stellt auf drei Extra-Seiten beispielhaft vor, was Energiemedizin ist, versucht zu erklären, was dahintersteckt und welche Wirkung die Verfahren bei körperlichen sowie psychischen und seelischen Problemen haben können. Sie möchte zu einem offenen Umgang mit diesem Thema ermutigen. Die Reaktionen bisher darauf sind erwartungsgemäß völlig unterschiedlich. Von positiv (Endlich wird auch darüber berichtet) über Vorschläge (Stellen Sie doch bitte dieses Verfahren vor, das hat mir geholfen) bis zu heftiger Kritik (Wie kann eine seriöse Zeitung nur darüber berichten?).

Klar ist: Für die Wirksamkeit dieser Verfahren fehlen bisher wissenschaftliche Nachweise. Lediglich alternative Forschungsergebnisse liefern dazu Indizien. Eine energiemedizinische Therapie sollte deshalb auch immer nur begleitend zu einer ärztlichen Behandlung erfolgen. Gleichzeitig helfen diese Therapien vielen Menschen, die sie oft erst dann wählen, wenn sie die konventionellen Methoden – erfolglos – ausgeschöpft haben.

Energiemedizinische Therapien wirken, das bestätigen uns Patienten glaubhaft. Also sollten sie doch – wie auch andere komplementäre Verfahren – genauer erforscht werden, um sie auf eine solidere Grundlage zu stellen. Untersucht werden müsste sie nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen, müsste also die Ergebnisse der Quantenphysik berücksichtigen. Die jedoch rufen schnell den Esoterik-Vorwurf auf den Plan. Das ist auf Grundlage unserer Alltagserfahrung, in der Quanteneffekte keine Rolle spielen, durchaus nachvollziehbar. Selbst Einstein, sagt der Quantenphysiker Hans-Peter Dürr, habe nicht daran geglaubt, „obwohl er den Nobelpreis dafür bekommen hat“ (aus: Es gibt keine Materie).

Dem morphogenetischen Feld, das der englische Biologe Rupert Sheldrake propagiert, schlägt ähnlich heftige Kritik entgegen. Sheldrake geht davon aus, dass es ein von der Physik bisher nicht beschriebenes feinstoffliches Feld gibt, in dem alles Wissen, alle bisherigen Erfahrungen gespeichert sind und auf das auch zugegriffen werden kann. Bewiesen nach wissenschaftlichen Standards ist das nicht. Aber das galt in der Vergangenheit oft schon für heute etablierte Theorien.

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