Equal Pay Day in Baden-Württemberg Lohnlücke schließt sich nur langsam

Frauen demonstrieren am Montag, 18. März, wieder für gleiche Löhne. Foto: BPW Germany e.V.

Mit dem Equal Pay Day, der an diesem Montag, 18. März, stattfindet, machen Frauen auf ungleiche Bezahlung zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Die Lohnlücke von Vollzeitbeschäftigten in Baden-Württemberg wird zwar langsam kleiner, hat sich bundesweit aber nicht verändert. In der Umgebung gibt es einige Veranstaltungen auf der Frauen gleiche Löhne fordern. 

Der Equal Pay Day ist ein Aktionstag, der auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam machen soll. In Baden-Württemberg verdienen vollzeitbeschäftigte Frauen im Schnitt 5,52 Euro pro Stunde weniger als Männer. Auf diese Ungleichheit wird jedes Jahr durch die Wahl des Datums aufmerksam gemacht: Denn der Aktionstag findet immer an dem Tag statt, bis zu dem Frauen im neuen Jahr arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen.

„Wir feiern in diesem Jahr 100 Jahre Frauenwahlrecht und 70 Jahre Gleichstellung im Grundgesetz. Von echter Gleichstellung zwischen den Geschlechtern sind wir angesichts der ungleichen Bezahlung und großer weiblicher Altersarmut aber noch weit entfernt“, wird Christa Walz in einer Pressemitteilung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) Rems-Murr zitiert. Weiter heißt es von der Vorsitzenden der DGB Rems-Murr: „Frauen erbringen auch im Jahr 2019 noch immer überwiegend die Sorgearbeit in den Familien. Gleichzeitig arbeiten die Betroffenen häufig in Teilzeit, Minijob oder anderen Formen von prekären Beschäftigungsverhältnisse.“

Die DGB fordert daher: Mehr Anerkennung für Frauen in ihrer Arbeit - und dass sich diese Anerkennung in gleicher Bezahlung niederschlägt.

Lohn hat sich in Baden-Württemberg in den letzten Jahren angeglichen

Nach Berechnungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg ergab sich im Jahr 2018 für einen männlichen Arbeitnehmer, der vollzeit arbeitet, in Baden-Württemberg im Jahresdurchschnitt ein Bruttostundenverdienst von 26,08 Euro. Eine Arbeitnehmerin habe hingegen nur 20,56 Euro verdient. So heißt es in einer Pressemitteilung des Statistischen Landesamts. Das Entgelt für Frauen ist damit im Durchschnitt um 21,2 Prozent geringer als das für ihre männlichen Kollegen. Diese Geschlechterlohnlücke wird Gender Pay Gap genannt. 

Im Jahr 2017 lag der Durchschnitt bei 21,8 Prozent. Die Lücke zwischen den Verdiensten von Frauen und Männern wird in Baden-Württemberg also nur langsam kleiner. Bei insgesamt steigenden Löhnen hat sich die Lücke zwischen den Geschlechtern in den letzten zehn Jahren um lediglich 2,8  Prozentpunkte reduziert. Wie auf der folgenden Graphik zu sehen, betrug der Stundenlohn für Frauen in Baden-Württemberg im Jahr 2008 15,95 Euro und war damit noch um 24 Prozent geringer als der für Männer, die mit 20,98 Euro pro Stunde entlohnt wurden. Noch immer verdienen Frauen nicht so viel wie Männer im Jahr 2008, obwohl die Löhne kontinuierlich gestiegen sind.

 

Werden außerdem teilzeitbeschäftigte Personen hinzugezählt, kommt Baden-Württemberg auf einen Gender Pay Gap von 26 Prozent. Das teilt das Statistische Bundesamt mit. Somit liegt Baden-Württemberg fünf Prozent über dem bundesweiten Durchschnitt. Das lässt sich damit erklären, dass mehr als 80 Prozent der Teilzeitbeschäftigten und damit Geringverdienenden Frauen sind.

Bundesweit liegt der Gender Pay Gap weiterhin bei 21 Prozent

Laut dpa verdienen Frauen im Bundesdurchschnitt weiter gut ein Fünftel weniger als Männer. Das Statistische Bundesamt (Destatis) hat Zahlen veröffentlicht, die zeigen, dass der Gehaltsabstand vor allem in Westdeutschland groß ist. Der Osten schneidet besser ab. Konkret verdienten Frauen 2018 laut der Berechnungen 17,09 Euro brutto je Stunde und damit im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Diese kamen auf ein durchschnittliches Gehalt von 21,60 Euro pro Stunde.

Schon im Vorjahr hatte die Gehaltslücke unverändert bei dem Wert gelegen. Langfristig nimmt sie etwas ab: 2006 verdienten Frauen im Mittel noch 23 Prozent weniger als Männer. Besonders groß war der Abstand in den alten Bundesländern mit 22 Prozent, während Frauen im Osten "nur" sieben Prozent weniger verdienten.

Im EU-Durchschnitt liegt die Lohnlücke bei rund 17,5 Prozent, heißt es auf der Webseite der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LPB). Bei der Entgeltgleichheit gehört Deutschland also zu den Schlusslichtern in Europa.

Veranstaltungen in der Umgebung

Der Verdi Landesbezirksfrauenrat, der Verdi Bezirksfrauenrat und weitere Frauengruppen rufen am Montag, 18. März, zu einem Smartmob auf dem Stuttgarter Schlossplatz auf. Dieser findet von 17.35 bis 17.50 Uhr nahe des Kunstmuseums statt. Saxophonistin Barbara Katzer-Knappstein begleitet das Event. Frauen sollen in schwarzer Kleidung und mit roten Schuhen und roter Handtasche kommen.

An dem Smartmob beteiligen sich auch die Waiblinger Frauen im Zentrum (FraZ). Um 16.30 Uhr treffen sie sich am Haupteingang zum Karo in Waiblingen, um gemeinsam mit der S-Bahn nach Stuttgart zu fahren.

In Schorndorf lädt die SPD zu einem Flashmob ein: Treffpunkt – mit roten Taschen oder Schuhen – ist um 17.30 Uhr vor dem Alten Rathaus in Schorndorf.

Eine Idee für den Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) wäre ein Frauenticket: In Berlin gibt es an diesem Montag, 18. März, nur für Frauen ein günstigeres Nahverkehrsticket. Der für einen Tag gültige Fahrschein sei das weltweit erste Frauenticket, heißt es von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG).

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