Erst Krawatte, dann Unterhemd Jan Delay beim 11. Winterbacher Zeltspektakel

Der Mann mit Hut: Jan Delay. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Winterbach. Es braucht spezielle Fähigkeiten als Entertainer, um eine Menschenmenge am Ende eines heißen Sommertages in einem vollen Zirkuszelt dazu zu bringen, freiwillig in Richtung Siedepunkt zu eskalieren. Dass Jan Delay diese Fähigkeiten hat, hat er mit seinem Auftritt beim Winterbacher Zeltspektakel bewiesen.

Jan Philipp Eißfeldt, so der bürgerliche Name von Jan Delay, ist eine Persönlichkeit, ein Mann mit Stil und hohem Wiedererkennungswert. Jan Delay hat er zu einer Marke gemacht, erkennbar schon an den Technikern, die allesamt ihren Dienst in Hemd und Krawatte verrichteten, ob auf der Bühne oder am Mischpult.

Es war dem Meister selbst vorbehalten, ab dem zweiten Song sich seines Jacketts zu entledigen und im Tank Top eine gute Figur abzugeben. Jan Delay ist auch Beispiel dafür, wie man sich als brillanter Entertainer mit einer starken Band an der Seite sicher zwischen verschiedenen musikalischen Stühlen bewegen kann, von Reggae über Soul und Funk bis hin zum Rock. Es werden die Red Hot Chili Peppers angespielt, genauso wie plötzlich der Riff von Led Zeppelins „Whole lotta Love“ auftaucht. Was aber die Grundlage für alle musikalischen Ausflüge bleibt, ist der Groove.

Fühlbar und tanzbar

Und den hat, beherrscht und pflegt Delays Begleitband „Disko No. 1“, geführt von Ali Busse am Bass und dem langjährigen Schlagzeuger Jost Nickel, der letztendlich maßgeblich dafür sorgt, dass auch ein mit Metalsprengseln versetzter Song wie „Wacken“ in erster Linie als Jan-Delay-Song erkennbar, fühlbar und vor allem tanzbar bleibt.

Dass Jan Delay auch im Partyrahmen ein Mann mit gesellschaftspolitischer Haltung ist, macht er in „Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt“ deutlich, einem Song von seinem Solodebüt von 2001 und gewissermaßen ein Plädoyer für eine offene, bunte Gesellschaft, die im Gegensatz zu den Babyloniern „klatschen und tanzen“ kann.

Und das tat das Publikum dann auch. Unter Anleitung von Jan Delay wurde gesungen und gesprungen, gab es Move- und Freeze-Choreografien, brachten Songs wie „O Jonny“ oder ganz am Ende das hymnische „St. Pauli“ das Zelt zum Überkochen.

Benni Jud aus Urbach im Vorprogramm

Das Winterbacher Zeltspektakel bekam einen weiteren besonderen Abend zu seiner 2019er-Geschichte geschenkt. Was das Zeltspektakel und seine Programmgestaltung auszeichnet, ist dabei, dass jeder Abend einen eigenen Charakter hat, auch jeweils ein anderes Publikum findet und die Künstler ihrerseits auf eine einheitlich positive Stimmung und Atmosphäre treffen. Und mit der entsprechenden Offenheit werden auch die Vorbands empfangen.

Bei Jan Delay war dies Benni Jud mit Band. Benni Jud als „Lokalmatadoren“ zu bezeichnen, weil er aus Urbach stammt, wäre allerdings fast schon eine unangemessene Verniedlichung. Jud ist längst Teil der internationalen Musikszene, hat 2017 mit „Honesty“ ein starkes Album veröffentlicht und präsentierte in Winterbach exklusiv seine neue Single „Best Day“.

Mit Krawatte ins Bett

Das Motto des Abends lieferte aber später Jan Delay mit dem kurzen Anreißen der Beastie-Boys-Nummer „Fight for your Right to Party“.

Das traf es.

Und man kann davon ausgehen, dass viele der männlichen Konzertbesucher am Ende des Tages verschwitzt, aber überzeugt mit Krawatte ins Bett gegangen sind.


Endspurt beim Winterbacher Zeltspektakel

Am Montag haben Gerhard Polt und die Wellbrüder ihren Auftritt. Leider längst ausverkauft. Im Biergarten ab 17 Uhr: Waschbrett.

Für das Konzert von Joss Stone am Dienstag gibt es aber noch Karten. Im Biergarten: Olimpia & the Diners

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