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Erstsemesterbegrüßung an der Uni Hohenheim Warten auf den Kuss der Wissenschaft

Stuttgart - Erstmals hat der Hohenheimer Unirektor Stephan Dabbert am Freitag die Erstsemester im nagelneuen Otto-Rettenmaier-Audimax begrüßt. Doch auch die 660 Plätze in dem eleganten Hörsaal-Neubau, der bereits die Hugo-Häring-Plakette für vorbildliches Bauen zuerkannt bekam, reichten bei weitem nicht aus für die mehr als 2600 Studienanfänger. Mehr als die Hälfte von ihnen haben sich in Wirtschafts- und Sozialwissenschaften eingeschrieben, 27 Prozent in den Agar- und 19 Prozent in den Naturwissenschaften.

In drangvoller Enge horchten die Erstis, was ihnen der Rektor zu sagen hatte. Der platzte fast vor Stolz auf den Hörsaal, um den die Uni so lang gekämpft hatte. Dabbert versprach den Erstis: „Sie kommen in eine andere Welt.“ In der akademischen Welt gehöre es dazu, „dass man skeptisch ist, dass man nicht an Autoritäten glaubt“.

Beim Studium ist es nicht wie in der Schule

Es sei eben nicht wie in der Schule. „Wir sind auch eine internationale Uni – Wissenschaft ist ein globales Unterfangen“, so Dabbert im Blick darauf, dass mehr als 1400 der insgesamt gut 9600 Studierenden internationaler Herkunft seien. Dann begann der Rektor, vom „ersten Kuss der Wissenschaft“ zu schwärmen. Einer Wissenschaft, mit der man sich auseinandersetzen und an der man sich reiben könne und müsse, und die gleichermaßen zuverlässig, belegbar und vorläufig sei. Und: „Wissenschaft hat auch etwas mit Verantwortung gegenüber der Gesellschaft zu tun.“ Einblicke darin könnten in Hohenheim bereits Bachelorstudenten erhalten, sofern sie beim Projekt Humboldt reloaded mitmachten – in kleinen, interdisziplinären, betreuten Forschungsprojekten.

„An der Uni brauchen Sie mehr Eigeninitiative“, rief Dabbert den jungen Leuten zu. Sei es, wenn es darum gehe, die Englischkenntnisse aufzupolieren, die nun einmal die Sprache der Wissenschaft sind, sei es, wenn es um einen Auslandsaufenthalt gehe. „Sehen Sie das nicht nur als Baustein Ihrer Karriere – es ist ein Baustein Ihres Lebens“, sagte Dabbert. Ihm selbst hätten seine zwei Jahre in den USA ganz neue Perspektiven aufgezeigt.

Die Lan-Anschlüsse im Hörsaal gibt es, weil Studierende sich dafür stark gemacht haben

„Fühlen Sie mal“, forderte der Rektor die Erstis in den Bankreihen auf – „jeder zweite hat in diesem Hörsaal einen Lan-Anschluss“. Das sei kein Zufall, sondern – ebenso wie die für einen Hörsaal ungewöhnlichen Tageslichtfenster – das Ergebnis studentischen Engagements.

„Macht mit, bringt euch ein“ – das rieten ihren frisch gebackenen Kommilitonen auch Christoph Zefowski vom Studierendenparlament und Patrick Groß vom Asta. In punkto Studiengebühren meinte Christoph: „Wir haben uns aktiv dafür eingesetzt, dieses Gesetz zu verhindern – hat nicht so ganz geklappt.“ Trotzdem lohne es sich, sich zu engagieren, Leute aus anderen Fachrichtungen oder mit anderen Denkrichtungen kennenzulernen, meinte Patrick. Und: „Traut euch auch, Vorlesungen zu hinterfragen.“

Jana Staudenmaier hat andere Probleme. Die 18-jährige Studentin der Agrarwissenschaften hat bereits ihre erste Forschungsschnupperwoche hinter sich, sucht aber noch eine Bleibe. „Ich pendel von Schwäbisch Gmünd mit dem Auto.“ Für einen Platz im Studentenwohnheim wohne sie zu nah, da hätten andere Vorrang. Bei einer Wohnungsbesichtigung seien 20 Bewerber gekommen, drei Wochen lang habe sie nichts mehr gehört – „das hat sich erledigt“. Nächste Woche besichtige sie eine WG in Filderstadt. Eine Hoffnung. Nach Hohenheim wollte sie unbedingt, die Uni habe einen guten Ruf und einen schönen Campus. „Ich bin Jägerin, bin auf dem Hof groß geworden.“ Und Entwicklungshilfe interessiere sie auch.

Studierende suchen Wohnraum – in der Bauernschule sind sieben der 15 Notbetten besetzt

Jana ist nicht die Einzige ohne Wohnplatz, doch nicht jeder kann pendeln. Sieben Leute seien derzeit im Gymnastikraum und einem kleinen Besprechungszimmer in der Bauernschule auf Feldbetten untergebracht, berichtet Michael Max vom Studierendenwerk Tübingen-Hohenheim. „Wir platzen aus allen Nähten und retten uns immer von einer Lücke zur anderen.“

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