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Erziehung Keine Panik, Buben raufen nun mal gern

Wenn Jungs raufen, Aggression ausleben, muss das nicht gleich in Gewalt ausarten. Foto: Bernhardt

Remshalden-Grunbach. Aggression kann schlicht bedeuten: „Ich kämpfe für meine Ziele.“ Aggression unter Jungs muss Eltern nicht gleich ängstigen. Söhne profitieren, werden sie angenommen, wie sie sind - eben wie Jungs. Um ihre Bedürfnisse ging's beim 17. Elterntag an der Grundschule Grunbach.    

Mit Tipps aus der praktischen Jungenarbeit hat Armin Krohe-Amann 75 Zuhörer in der Grundschule Grunbach vertraut gemacht. „Aggressionen können als etwas Positives gesehen werden“, sagte der Diplompädagoge aus Tübingen beim 17. Elterntag.

Warum leben Jungen ihre leisen, sensiblen Seiten, die sie sehr wohl haben, in der Schule nicht so aus wie in anderen Situationen? Mädchen, die Fußball spielen, sind klasse, erfahren ein „Mehr“ an Status. Jungen, die zum Ballett gehen, werden vielleicht schief angesehen. „Es ist ein System, in das sie gepresst werden“, gab eine Zuhörerin zu bedenken. Für Jungs sei es schwieriger, mädchentypische Verhaltensweisen auszuleben. Dem Referenten ging es um die Frage, „wie wir über unser Verhalten Einfluss nehmen auf mädchen- oder jungstypische Verhaltensweisen“.
 

Praxistest mit Schaumstoffschlägern: Frauen kämpfen anders

Armin Krohe-Amann ist Geschäftsführer von „Pfunzkerle“, einem Verein, der sich mit der Betreuung und Erziehung von Jungen beschäftigt. Dazu gehört auch die Betreuung erwachsener Männer, die wegen Körperverletzungsdelikten straffällig geworden sind. Ein bewährtes Mittel, das Krohe-Amann immer wieder in der Praxis anwendet, ist das Kämpfen und Raufen mit Schaumstoffschlägern. Zwei von ihnen hatte er mitgebracht und ließ je zwei Frauen und Männer in der „Arena“ antreten. Bei diesem Testkampf zeigten sich markante Unterschiede: Während die beiden Frauen, wie sie anschließend sagten, „mehr damit beschäftigt waren, das Gleichgewicht zu halten und nicht vom Holzbalken zu fallen“, gingen die Männer offensiver aufeinander los. „Die Frauen haben eher miteinander, die Männer eher gegeneinander gekämpft“, so Armin Krohe-Amann, der den Tipp gab: „Probieren Sie's mit ihren Jungs zu Hause aus.“ Jungen in ihrem „Doing Gender“, also ihrem geschlechtsspezifischen Handeln zu akzeptieren bedeute, sie darin zu bestärken, für ihre Grenzen einzustehen. Hinter Aggressionen steht für Armin Krohe-Amann eine Haltung: „Ich kämpfe für meine Ziele, ich brauche mich nicht zu verstecken, sondern kann mich für etwas einsetzen.“

Jungs prügeln sich. Mädchen sind zickig. In beidem drücke sich eine Aggression aus. In die richtige Richtung kanalisiert und von Elternseite unterstützt, muss daraus noch lange keine Gewalt werden. „Das Bedürfnis zu raufen akzeptiere ich als positive Lebensäußerung“, sagte Diplompädagoge Armin Krohe-Amann, der ein Bewusstsein dafür schaffen wollte, wie beide Geschlechter in ihrem individuellen Dasein gefördert werden können. Jungen sind laut, Mädchen sorgfältig. Jungs haben mehr Kraft, die irgendwo hin muss. Bewegungsdrang, Konkurrenzdenken: Männersache. Kommunikative Fähigkeiten, Empathie, Mitteilungsdrang: weiblich. Oder die Multi-Tasking-Fähigkeit. Eine Mutter erntete zustimmendes Lachen aus dem Plenum, als sie von der Tochter erzählt, die mehrere Dinge gleichzeitig tun könne, „während mein Sohn schon mit zwei Dingen überfordert ist“.

Der Vortrag hieß „Jungen sind anders als Mädchen“ - ganz so jungenlastig, wie der Titel nahelegte, wurde es nicht, da sich der Referent auch Fragen zur Erziehung von Mädchen stellte. Wichtig war ihm die Feststellung, dass Schwarzweiß-Schablonen nicht greifen. „Verallgemeinerungen sind schwierig. Tendenzen lassen sich aber erkennen.“

Bei der Frage nach dem „Woher“ diverser Unterschiede zwischen den Geschlechtern stellte Krohe-Amann neurobiologische und kulturgeschichtliche Erklärungsansätze in den Hintergrund und legte den Fokus auf die Erziehung.

Um verfestigte Verhaltensmuster zu lockern, appellierte er an Eltern und Lehrer, die leisen Töne, die „weiblichen Seiten“ bei Jungen zu fördern. Zum Beispiel, wenn das Kind einen Streit gut geschlichtet hat oder mit einer Konfliktsituation souverän umgegangen ist.

Auch sprach sich der Referent dafür aus, dass Erwachsene es „einfach mal aushalten, dass der Bub männliches Verhalten und Imponiergehabe cool findet“.

 

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