Ex-Freundin in Fellbacher Casino attackiert Ihr neuer Partner hat die Attacke live am Handy miterlebt

Das Stuttgarter Landgericht. Foto: ZVW/Gabriel Habermann (Archiv)

Stuttgart/Fellbach. Ein Mann geht in einem Fellbacher Casino auf seine Ex-Freundin los – und ihr neuer Partner erlebt die Attacke zum Teil live am Handy mit. Die beiden hatten ein Video-Telefonat laufen, als der Angreifer das Casino betrat. Am dritten Verhandlungstag hörte die 1. Schwurgerichtskammer am Stuttgarter Landgericht mehrere Zeugen, darunter den neuen Freund des Opfers.

„Ich bring dich um. Ich bring dich um.“ – „Hör auf! Hör auf!“ – Drohungen und Schreie hörte der 26-jährige Freund des Opfers am Abend des 3. März am Handy. Die junge Frau hatte an ihrem Arbeitsplatz, einem Casino in Fellbach, erste Vorbereitungen getroffen für den Feierabend; bald wär’s Zeit gewesen, die Spielhalle zu schließen. Wenn nichts mehr los war und sie am späten Abend ganz allein im Casino arbeitete, fühlte sich das „gruslig“ an, hatte die 24-Jährige vergangene Woche berichtet. Deshalb stellte sie das Handy am Tresen auf, schaltete auf Video-Telefonie und sprach während des Putzens mit ihrem Freund und zwei Bekannten.

So konnte der 26-Jährige sehen, dass der frühere Partner seiner Freundin trotz Hausverbots ins Casino gekommen war. Er kannte den Mann nicht persönlich, wie er vor Gericht aussagte, konnte die Situation aber sofort einordnen: Seine Freundin rief den Namen ihres Ex-Freundes, vor dem sie immer Angst gehabt hatte. Der 26-Jährige hörte Schreckliches, sah, wie der Mann seine Freundin vom Tresen wegzog – und dann folgte „Totenstille“. Erst einige Zeit später kam die Verbindung wieder zustande – und seine Freundin habe ihm übers Handy gezeigt, wie sie blutete. Der Täter, mutmaßlich der 40-jährige Angeklagte, hatte ihr mit einem Steakmesser sieben zum Teil zentimetertiefe Wunden zugefügt.

Videotelefonie, Facebook und WhatsApp spielen eine beachtliche Rolle in diesem Verfahren. Via Facebook und mittels mehrerer verschiedener Profile hatte der Angeklagte ihn wiederholt bedroht, sagte der jetzige Freund der Frau aus. Der Angeklagte habe zudem die Kommunikation, die er auf WhatsApp mit seiner früheren Freundin geführt hatte, an den neuen Freund weitergeschickt – um einen Keil in die neue Liebe zu treiben und Misstrauen zu säen.

Drohungen zuerst unterschätzt

Der neue Freund nahm die Drohungen zuerst nicht allzu ernst, sagte er vor Gericht aus: Ihm erschien es lächerlich, dass ein 14 Jahre älterer Mann ihm solche Dinge schreibe: „Ich fand’s witzig.“ Es gab einige Nachrichtenwechsel mit für Außenstehende kruden, schwer verständlichen Inhalten – von denen sich der junge Mann aber nicht aus der Ruhe bringen ließ. Seine Freundin aber durchaus. „Sie hatte Angst, ihm zu begegnen“ und fürchtete, der 40-Jährige könne ihre neue Beziehung zerstören.

Bedrohungen seitens des Angeklagten sah sich auch eine Kollegin des Opfers ausgesetzt. Auch sie sagte am Montagvormittag als Zeugin vor Gericht aus. Der Angeklagte habe ihr Vorwürfe gemacht, Schuld zu tragen am Scheitern seiner Beziehung. Es war um einen Urlaub gegangen, den das spätere Opfer beantragt hatte, um ihren damaligen Freund im Kosovo besuchen zu können. Doch die Kollegin bat sie, den Urlaub zu verlegen, sonst hätte sie selbst mehrere Doppelschichten schieben müssen.

Stammgäste im Casino

Die Kollegin kennt den Angeklagten schon viel länger als alle anderen Beteiligten. Sie arbeitete bereits 2016 in besagtem Fellbacher Casino, und schon damals sei der heute 40-Jährige dort Stammgast gewesen. Eine Gruppe von Albanern habe sich dort regelmäßig getroffen: „Sie waren ein bisschen laut. Sie haben gemacht, was sie wollten.“

Im Casino gab’s für Spieler kostenfrei Kaffee oder Softdrinks. Viele der Stammgäste hätten pro forma ein paar Münzen in einen Automaten geworfen – und ansonsten den Tag sitzend und Kaffee-trinkend im Casino unter Kumpels verbracht.

Als sich dann zwischen ihrer Kollegin und dem viel älteren Angeklagten eine Beziehung entwickelte, sei zunächst alles harmonisch verlaufen. Das änderte sich recht schnell komplett. Der 40-Jährige habe alle Kontakte seiner Freundin von deren Handy abgespeichert – und später alle angerufen und ihnen erzählt, seine Ex sei eine Hure. Regelmäßig gab es im Casino Anrufe mit unterdrückter Nummer – jeder wusste, so die Zeugin, das war der inzwischen mit Hausverbot belegte 40-Jährige, der wohl auf diese Weise herausfinden wollte, wer gerade arbeitete.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 19. September, fortgesetzt.


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