Ex-TVB-Spieler Djibril M’Bengue Aus dem Krankenstand in die Champions League

So kennen die Fans des TVB Stuttgart ihren Djibril „Sky“ M’Bengue: Kraftvoll setzt er sich hier gegen Patrick Zieker (verdeckt, rechts Adam Lönn) im Vorbereitungsspiel in der Waiblinger Rundsporthalle durch. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Viele hatten dem verletzungsgeplagten Djibril M’Bengue kein Comeback mehr zugetraut nach seinem Wechsel vom Handball-Erstligisten TVB Stuttgart zum FC Porto vor einem Jahr. Für acht Tage weilte der 27-Jährige mit seinem neuen Club in Deutschland – als portugiesischer Meister, Pokalsieger und Dritter im EHF-Pokal. „Alles bestens, ich bin einfach nur glücklich“, sagt er.

Ganz so laut wie in der Porsche-Arena oder Scharrena war’s natürlich nicht in der Waiblinger Rundsporthalle, als Djibril „Sky“ M’Bengue das Spielfeld betrat vor dem Testspiel des FC Porto gegen seinen ehemaligen Club TVB Stuttgart. Der freundliche Applaus und die „Djibi“-Rufe zeigten dem Ex-Bittenfelder jedoch, dass die Fans ihren einstigen Liebling nicht vergessen haben. Auch wenn er jetzt im „falschen“ Trikot spielt – und wie: Mit dem FC Porto wurde M’Bengue nicht nur Landesmeister und Pokalsieger, sondern überraschte auf internationalem Terrain mit dem dritten Platz im EHF-Pokal.

Wie neugeboren fühle er sich, nachdem er nun endlich beschwerdefrei sei, sagt M’Bengue. „Ich hätte nie gedacht, dass das jemals aufhört.“ Seit 2015 waren Knieschmerzen M’Bengues treue Begleiter, er war eigentlich nie richtig schmerzfrei.

Seine Karriere hing am seidenen Faden

Den Tiefpunkt der schier endlosen Leidenszeit glaubte der Modell-Athlet im März 2017 mit dem Teilabriss der Patellasehne und der anschließenden Operation erlebt zu haben. Als sich Djibril M’Bengue in der anschließenden Reha auch noch die Kniescheibe brach, hing die Karriere des wurfgewaltigen Rückraumspielers am seidenen Faden. Deshalb teilten ihm die Verantwortlichen des TVB Stuttgart im Januar vergangenen Jahres mit, dass der Verein angesichts der unsicheren Lage nicht mehr mit ihm plane.

Doch M’Bengue hatte Glück im Unglück: Magnus Andersson, ehemaliger Trainer von FA Göppingen, kannte ihn aus den Spielen gegen den TVB und wollte ihn unbedingt nach Porto lotsen, wo der Schwede den Trainerposten übernahm. Und M’Bengue wagte das Abenteuer in einem Land, das im internationalen Handball bis dato eher wenig in Erscheinung getreten war. Das indes spielte für den Linkshänder in diesem Moment nicht die große Rolle. „Ich kam aus einer langen Verletzung heraus“, sagt er. „Absolute Priorität hatte, dass meine Knie endlich Ruhe geben.“

Neues Gefühl: Training an der Belastungsgrenze

Das taten sie, der Rückraumspieler war die komplette Spielzeit über schmerzfrei. Ein ungewöhnliches Gefühl für einen, dem einst schon nach einer halben Stunde im Flugzeug oder Auto „die Knie gebrannt“ haben. „Ich kann im Training jetzt voll an die Belastungsgrenze gehen, das kannte ich so gar nicht mehr.“

Deshalb zieht M’Bengue nach einem Jahr an der portugiesischen Atlantikküste ein geradezu euphorisches Fazit: „Ich fühle mich körperlich super“, sagt er. Und mental in diesen Tagen auch, ist er doch auf einem seiner eher seltenen Heimatbesuche. Der ist allerdings mit viel Arbeit und Schweiß verbunden. Freitag vor einer Woche machte sich die portugiesische Delegation für acht Tage auf nach Deutschland. Beim Sparkassencup in Altensteig – verbunden mit einem Trainingslager – und in Testspielen gegen hochkarätige Gegner wie Göppingen, Stuttgart oder Wetzlar machte sich der FC Porto fit für die neue Spielzeit. „Im Vorjahr hatten wir in der Vorbereitung zu schwache Gegner, hier gibt’s viele Turniere und Testspiele.“

Auf die Saison indes hatte die scheinbar zu lasche Vorbereitung keine Auswirkungen – im Gegenteil: Der FC Porto blickt auf die erfolgreichste Saison seiner Vereinsgeschichte zurück. Der 20-fache Meister holte zum ersten Mal die Meisterschaft und den portugiesischen Pokal in einer Spielzeit und sorgte im EHF-Pokal für Aufsehen. Der deutsche Top-Club SC Magdeburg scheiterte an Porto, das sich erst im Halbfinale den Füchsen Berlin geschlagen geben musste und sich den dritten Platz im Final Four sicherte.

Wechsel zum FC Porto: Die richtige Entscheidung

„So weit ist in diesem Wettbewerb noch kein portugiesisches Team gekommen“, sagt Bengue. „Wenn uns das jemand vor dieser Saison gesagt hätte ...“ Er sei „schon ein bisschen stolz“, zu diesem Erfolg seinen Beitrag geleistet zu haben. „Das ist jetzt Teil meiner Vita“, sagt er und lacht.

Der Wechsel nach Porto sei jedenfalls die richtige Entscheidung gewesen. „Sportlich bin ich aber noch nicht ganz da, wo ich hinmöchte, aber das war nach der langen Verletzung auch nicht zu erwarten.“

Auch abseits der Sporthalle fühlt sich M’Bengue sehr wohl. „Die Leute in Porto sind alle freundlich und locker drauf.“ Die Stadt sei sehr facettenreich mit ihrer schönen Altstadt und dem Strand. „Jeder, der schon mal hier war, ist begeistert.“

Dass der Trainer Deutsch spreche, hat ihm den Einstieg erleichtert. Auch, dass die Ansprachen auf Englisch sind. Er verstehe zwar inzwischen einiges auf Portugiesisch, aber mit dem Sprechen tue er sich nach wie vor schwer.

Eine tolle Mannschaft, aber auch ein bisschen Heimweh

Fehlt eigentlich nur noch das – vollkommene – private Glück. Ein bisschen Heimweh habe er schon, gibt M’Bengue zu. Nach der Familie natürlich. Aber vor allem nach der Freundin. Alle drei bis vier Wochen kommt sie am Wochenende zu Besuch. M’Bengue selbst war über Weihnachten eine Woche und jetzt in der Sommerpause drei Wochen im Ländle.

Mindestens eine Saison wird’s in diesem Rhythmus noch weitergehen. Dann läuft der Vertrag aus. „Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, wie’s weitergeht“, sagt M’Bengue. „Ich denke, wir setzen uns im November zusammen.“ Sicherlich sei die deutsche Bundesliga reizvoll. Andererseits habe er in Porto eine tolle Mannschaft. „Und ich kann in der Champions League spielen, das wäre in Deutschland kaum möglich, so ehrlich muss man schon sein.“

Doch wie wär’s mit einer Rückkehr zum Ex-Club? Mit David Schmidt verliert der TVB am Ende der Saison schließlich einen seiner beiden rechten Rückraumspieler. Es wäre also noch ein Plätzle frei. M’Bengue muss schmunzeln. „Die Freundin würde es jedenfalls begrüßen, wenn ich zurückkommen würde.“


Zur Person

Djibril „Djibi“ M’Bengue – der Vater ein Senegalese, die Mutter eine Deutsche – wurde am 13. Mai 1992 in Schorndorf geboren.

In der Jugend spielte der 1,95 Meter große Linkshänder bei der HSK Urbach/Plüderhausen und beim TSB Schwäbisch Gmünd. Mit der aktiven Mannschaft des TSB stieg der rechte Rückraumspieler in der Saison 2013/2014 in die Baden-Württemberg-Oberliga auf. In jener Saison trug M’Bengue per Zweifachspielrecht auch schon das Trikot des TV Bittenfeld. In der Saison 2014/2015 schaffte er mit dem TVB den Aufstieg in die Erste Bundesliga.

Immer wieder hatte M’Bengue anschließend mit Knieproblemen zu kämpfen, weshalb er nach der Saison 2017/2018 keinen neuen Vertrag mehr erhielt beim TVB.

Er unterschrieb beim FC Porto einen Zweijahresvertrag. Mit dem FC wurde er gleich portugiesischer Meister und Pokalsieger und landete zudem auf dem dritten Platz im EHF-Pokal.

Zur Vorbereitung auf die neue Saison, in der die Portugiesen in der Champions League antreten, weilte der FC Porto im Schwarzwald und bestritt einige Testspiele. Unterem anderen traf Djibril M’Bengue auf seinen ehemaligen Club, den TVB Stuttgart.

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