Experten aus dem Rems-Murr-Kreis Begeistert vom deutschen Team bei der Handball-WM

Nach dem 22:21-Zittersieg über Kroatien in Köln feierte die deutsche Nationalmannschaft den Einzug ins Halbfinale. Foto: Sascha Klahn

Die deutschen Handballer haben ihr erstes Ziel, das Halbfinale, erreicht. Nun soll’s noch weiter gehen. Auch die Experten aus dem Rems-Murr-Kreis sind begeistert von der Mannschaft.

Besonders aufgeregt vor den letzten Gruppenspielen am Mittwoch war Nicolaj Andersson, Trainer der Zweitliga-Handballerinnen des VfL Waiblingen. „Ich bin Däne, arbeite aber hier in Deutschland. Deshalb habe ich bei der WM zwei Favoriten.“ Während Deutschland das Halbfinal-Ticket schon in der Tasche hatte, mussten die Dänen als Mitgastgeber und Favorit noch auf einen guten Ausgang der Partie gegen Schweden hoffen. Es galt, sich beim skandinavischen Kontrahenten für die 34:35-Pleite im Halbfinale der EM 2018 in Kroatien zu revanchieren. Und es hat geklappt: Die Dänen setzten sich mit 30:26 durch und dürfen weiter auf den WM-Titel hoffen.

Andersson: Lob für Mittelblock und Keeper

Dass die Deutschen das Halbfinale erreichen würden, hat Nicolaj Andersson nicht überrascht: „Sie haben gute körperliche Voraussetzungen und sind als Mannschaft wirklich breit aufgestellt. Deutschland hat viele Spieler, die den Unterschied machen können. Und ich wusste, dass die Abwehr den Gegnern große Probleme machen würde.“ Andersson lobt vor allem den Mittelblock sowie Keeper Andreas Wolff. Zudem kitzle der Heimvorteil noch einmal zehn bis 15 Prozent mehr Leistung aus den Spielern heraus.

Das gelte auch für das dänische Team. Zwar hat es bis zur Partie gegen Schweden fast nur gegen schwächer einzuschätzende Mannschaften gespielt. Doch wenn man im Halbfinale steht, ist auch der Titel möglich. Nur ein Wunsch Anderssons ist nicht in Erfüllung gegangen: „Halbfinale Deutschland gegen Dänemark am Freitag in Hamburg.“ Weil beide Teams Gruppenerster geworden sind, lauten die beiden Halbfinals Deutschland – Norwegen und Dänemark – Frankreich.

Volz: Deutschland wird Weltmeister

Anders als Andersson hat Britta Volz, Trainerin der Frauen der SV Hohenacker-Neustadt in der Württembergliga, die Leistung der Deutschen so nicht erwartet. „Ehrlicherweise hätte ich nicht unbedingt gedacht, dass sie ins Halbfinale kommen.“ Es habe wohl im Vorfeld der WM, als es ordentlich knirschte, eine gute Aussprache zwischen Team und Trainer Christian Prokop gegeben. Und jetzt? Wird Deutschland jetzt auch Weltmeister? Ja, sagt Volz. Und kritisiert, dass der Handball-Verband Württemberg für den Finaltag (Sonntag, 27. Januar) Ligaspiele angesetzt hat. „Das ist sehr schade.“

Wieczorek: Nicht der Wunschgegner im Halbfinale

Daniel Wieczorek, Trainer des TSV Alfdorf/Lorch (Männer-Württembergliga), ist begeistert von der Stimmung, die die Fans entfachen. „Vor so einer Kulisse zu spielen wünscht sich jeder Sportler.“ Die deutsche Mannschaft spiele „hinten nahezu perfekt“. Ob’s fürs Finale reicht? „Mit dem Publikum im Rücken ist alles möglich.“

Wie Andersson hätte sich Daniel Wieczorek das Halbfinale Deutschland – Dänemark gewünscht. Doch nun können die Team erst im Finale aufeinandertreffen. Und in diesem hätte Dänemark den Heimvorteil auf seiner Seite und wäre damit wohl ein noch schwerer Gegner als im Halbfinale in Hamburg.

Pfahl zufrieden mit den Schiedsrichtern

Im Team der Alfdorfer steht mit Adrian Pfahl auch ein ehemaliger Nationalspieler (61 Spiele für Deutschland). Einer, der zu seiner Zeit beim Hamburger SV auch mit dem Kroaten Domagoj Duvnjak gespielt hat. Dass der sich bei der Niederlage gegen Deutschland so sehr über die Schiedsrichter echauffierte, verwundert Pfahl. „Ich kenne ,Dule’ als fairen Sportsmann“, der nicht gegen die Schiedsrichter wettere. „Aber er hat sich wahrscheinlich zu sehr unter Druck gesetzt.“

Die Schiedsrichter haben nach Pfahls Meinung auch bis auf die Entscheidung Stürmerfoul gegen Kroatien kurz vor Schluss gut gepfiffen. Dass die deutsche Mannschaft allerdings angesichts der starken Konkurrenz die Hauptrunde übersteht, daran hatte er Zweifel gehabt. Zufrieden ist Pfahl mit der Leistung von Abwehr und Torwart. „Im stehenden Angriff aber gibt es noch Entwicklungspotenzial.“ Sorgen macht er sich nach dem Ausfall von Martin Strobel (Kreuzbandriss) um die Einsatzfähigkeit von Steffen Weinhold.

Seine eigene Einsatzfähigkeit im Alfdorfer Team sei nach der Schulter-Operation ziemlich eingeschränkt, sagt Pfahl. „Richtig werfen kann ich noch nicht.“ Aber mit seiner Erfahrung hilft er dem TSV dennoch, was die beiden Siege mit ihm auf dem Feld unterstreichen. Pfahl fühlt sich wohl in Alfdorf, auch am Arbeitsplatz als Projektleiter in der Entwicklung von Maschinen in Lorch. „Jetzt kann ich meine Synapsen im Gehirn endlich mal mit etwas anderem belasten als Handball.“

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