Extremsport Ein Triumph der Willensstärke

66 Stunden Laufen durch Kälte und Schnee hat Steffi Praher hinter sich. 250 Kilometer mit nur minimalen Pausen und ohne jeden Schlaf – und doch macht die 30-Jährige aus Plüderhausen wenige Tage danach nur eines: Sie lacht und strahlt. Als hätten ihr die Strapazen nichts ausgemacht. Dabei gab es schlimme Momente.

Frau Praher. Nach 250 Kilometer Laufen durch Kälte und Schnee: Wie geht es Ihnen jetzt, eine Woche danach?

Die anderen haben schlimme Blasen. Ich bin verschont geblieben, Nur das linke Knie ist etwas dick. Aber das gibt sich schnell wieder.  Nach meinem ersten 100-km-Lauf ging es mir schlechter. Da hatte ich eine Woche lang schlimmste Schmerzen am ganzen Körper

Der Spendenlauf

Steffi Praher aus Plüderhausen lief von Mittwoch/Donnerstag Mitternacht bis Samstagabend, 18.22 Uhr, zusammen mit Georg Kunzfeld (aus de Nähe von Frankfurt) und Steffen Kohler (aus der Nähe von Mainz) von Fellbach aus den Remstal Höhenwanderweg und schließlich noch bis zum Stuttgarter Olgäle. 250,6 Kilometer in 66:22 Stunden.

Dabei sammelte sie pro Kilometer Spenden ein für die Kinderkrebsstation des Stuttgarter Olgäle.

In der zweiten Nacht feierte sie auf der Strecke ihren 30. Geburtstag.

Was macht man mit den Schmerzen? Verdrängt man sie?

Man muss sie akzeptieren, und auch, dass sie nicht mehr weggehen werden.

Das haben Sie bei anderen Wettbewerben gelernt?

Ja. Ich habe ja schon ein paar Ultraläufe gemacht. Ich wusste, dass irgendwann etwas wehtut.

Was waren das für Schmerzen?

Die Beine fangen irgendwann in der Schienbeingegend an weh zu tun. Man kriegt Blasen, der Rücken beginnt zu schmerzen, der Nacken. Bei mir hat das Knie beim Abwärtslaufen geschmerzt. Das haben meine Partner so gelöst, dass mich einer immer auf der einen Seite leicht angehoben hat, damit ich mit dem Fuß nicht ganz auftreten muss.

Ich bin die einzige, die kaum eine Blase am Fuß hat. Ich habe Schuhe und Socken immer wieder gewechselt. Steffen Kohler beispielsweise hat dien Schuhe nicht gewechselt, bei dem sieht’s ganz schlimm aus.

Sie sind nach der Ankunft im Stuttgarter Olgäle untersucht worden und mussten auch eine Weile dort bleiben.

Ja, für eine Nacht. Die kalte Luft hat sich bei mir auf die Lunge gesetzt. Ich hatte  große Probleme, Luft zu bekommen. Deshalb haben sie mich zur Sicherheit eine Nacht lang dabehalten. Am nächsten Morgen durfte ich gehen.

Wenn man 250 Kilometer und drei Tage durchgelaufen ist, denkt man da nur noch ans Schlafen?

Man möchte schon schlafen, aber es funktioniert nicht. Der Tag-Nacht-Rhythmus ist gestört. Ich wache teilweise um 1 Uhr auf und bin für ein paar Stunden hellwach und tagsüber dann total müde. Das braucht eine Weile, bis sich das wieder gibt.

Sie sind noch gut drauf und strahlen. Ist solch eine Aktion euphorisierend?

Für mich ist es noch gar nicht richtig greifbar. Mir kommt es gar nicht so vor, als wäre alles bereits. Ich muss es erst einmal realisieren. Aber es hat schon etwas Bewegendes.

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